Selfkant-Tüddern: Paul II: Einst Kinderprinz, heute Regent in Tüddern

Selfkant-Tüddern: Paul II: Einst Kinderprinz, heute Regent in Tüddern

Früher wurde es im Saal Hostenbach eng, wenn die KG de Witsemänn zur Proklamationssitzung einluden, diesmal stieß die neue Westzipfelhalle an ihre Kapazitätsgrenzen. Es schien, als wollten alle Einwohner Tüdderns irgendwie dabei sein, auch die Stehplätze rechts und links an den Wänden waren besetzt. Und dabei war kein Gastverein anwesend.

Bei anderen Veranstaltungen sorgen nämlich schon mal die Gäste für volle Bankreihen. Präsident Hubert Jessen war unterdessen die Ruhe selbst. „Nach zwei Minuten auf der Bühne schlägt das Herz wieder normal“, sagt Jessen, der wie immer wie ein Entertainer durch das Programm führte.

Der Einmarsch des Elferrates war sehr stimmungsvoll und ein kleines Freudentränchen kullerte bei der Verabschiedung von Prinz Thorsten I. und seiner Prinzessin Kerstin. Und dann wurden Prinz Paul II. und ihre Lieblichkeit Prinzessin Corien (Lotzwick) frenetisch empfangen. Vor der Proklamation wirkte das Tüdderner Urgestein recht locker. „Am Rosenmontag 2016 ist die Entscheidung gefallen“, erinnert sich der Prinz. Die Suche des Vorstandes nach einer jecken Hoheit war schnell beendet. „Ich war in den 60er Jahren Kinderprinz, nun erfülle ich mir den Lebenstraum ‚einmal Prinz zu sein‘“, sagt er.

Mit der „Dicken Trumm“ und dem Schellenbaum begleitete der Instrumentalverein Tüddern das Prinzenpaar zur Bühne, denn Prinz Paul II. ist dort als Drummer aktiv. Und weil die Prinzessin Mitglied der Schützen ist, waren auch Schützenfrauen in Schötte-Uniformen — die Holzgewehre mit Luftballons geschmückt — mit dabei. Den Gästen bot sich ein farbenprächtiges Bühnenbild.

Nach der Übergabe des Prinzenzepters und der Prinzenfeder verlas der neue Prinz seine elf Gebote, und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. „Da die Karten im Vorverkauf stets im Handumdrehen ausverkauft sind, wird angeregt, Dauerkarten für drei, fünf und zehn Jahre zu verkaufen“, lies ihre prinzliche Hoheit da verlauten. Nach der Proklamation startete das Programm, das sehr üppig war.

Weit nach Mitternacht drehten die Süsterseeler Freunde von HatWat die Musik noch mal auf. Zu Beginn drückten die Diamond Kids mit ihrem Showtanz „Formel eins“ aufs Gaspedal. Vom Karnevals-TÜV waren Anne Schlömer und Shola Kelleners im Einsatz und konnten schließlich nach gründlicher Prüfung eine TÜV-Plakette für die Session aushändigen.

Wilfried Meessen sorgte musikalisch für Stimmung und danach zeigte Nadja Küsters mit ihrem Solotanz, warum der Tanzsport stetig neue Freunde gewinnt. Inne Hamacher beleuchtete als „De Marie“ schlagfertig das Dorfgeschehen des vergangenen Jahres und zu später Stunde strapazierte „Oli, der Köbes“ aus Leverkusen die Lachmuskeln.

Ein weiterer Höhepunkt war die Büttenrede von Björn Küsters aus Bocket, der als „ne Flüchtling“ auf der Bühne stand. Zwischendurch entzückten die Showtanzgruppen Diamond Girls, die Goldies, die Flashlights, die Garde des TSV Tüddern sowie der karnevalistische Nachwuchs aus Tüddern und das Männerballett die Zuschauer, die deshalb auch viele Zugaben forderten.

(agsb)
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