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Kleve: Zwei Neugeborene erwürgt: Mutter schweigt vor Gericht

Kleve : Zwei Neugeborene erwürgt: Mutter schweigt vor Gericht

Eine 25 Jahre alte Frau aus Geldern am Niederrhein soll jeweils unmittelbar nach der Geburt ihre beiden Säuglinge getötet und die Leichen auf dem Bauernhof ihres Vaters versteckt haben. Seit Mittwoch muss sie sich vor dem Landgericht in Kleve verantworten. Die Frau habe gefühlskalt und aus rein wirtschaftlichen Gründen gemordet, warf ihr Staatsanwalt Martin Körber in seiner Anklage vor.

Da sie als Prostituierte in einem Swinger-Club arbeitete, habe sie die Väter ihrer Kinder nicht gekannt und deshalb die Enterbung durch ihren Vater befürchtet. Die 25-Jährige äußerte sich beim Prozessauftakt nicht zu den Vorwürfen und machte auch keine Angaben zur Person.

Das erste Kind brachte sie laut Anklage im November 2012 in einem Badezimmer auf dem Bauernhof lebend zur Welt. Das Kind habe minutenlang geschrien, da habe die Frau den Säugling Kind mit den Händen gewürgt, bis er blau anlief und starb. Die Leiche soll sie auf dem Strohspeicher versteckt haben.

Das zweite Kind habe sie im September 2013 in einer mit Wasser gefüllten Badewanne bekommen. „Die Angeklagte drückte den Säugling direkt nach der Geburt in Tötungsabsicht mehrere Minuten mit dem Kopf unter Wasser und würgte ihn, bis er aufhörte, sich zu bewegen”, sagte der Staatsanwalt. Das Kind habe sie in Bettlaken und Handtücher gewickelt, in eine Mülltüte gesteckt und auf dem Hausspeicher versteckt.

Bei der Polizei hatte sie die Taten gestanden. Vor Gericht wollte sie nicht einmal Angaben zur Person machen: „Das könnte ich, aber das mach ich nicht”, sagt die burschikos wirkende Frau sehr selbstbewusst.

Der Polizist, der die Frau nach der Festnahme stundenlang vernommen hatte, skizzierte ein problematisches Leben: Gewalt in der Familie, Maßnahmen der Jugendhilfe, Scheidung der Eltern, abgebrochene Ausbildungen, wechselnde Jobs und Beziehungen. Dazu kamen laut Richter Verurteilungen wegen Diebstahls, Körperverletzung und Bedrohung. Schließlich der Job im Swinger Club.

Der Vater war wohl nicht damit einverstanden, schilderte der Polizist. Aber er brachte die Tochter zur Arbeit und holte sie auch. Wenn sie durch ihren Job mal ein Kind kriegen würde, dann müsse das verschwinden, sollen Vater und Bruder sie gewarnt haben. Sie wurde schwanger. „Den Kunden war das egal. Ich musste mir nur andere Sachen kaufen”, hatte sie damals in der Vernehmung gesagt. Was der Vater sagte, wurde nicht klar.

Dann die Tatnacht im September 2013. Der Polizist schilderte ihr damaliges Geständnis: Die Presswehen kamen. Sie ließ sich ein Bad ein, legte Handtücher und eine Schere zurecht. Sie brachte in der Wanne einen Jungen zur Welt. Sie drückte ihn unter Wasser und würgte ihn. Das Kind starb. Es war das zweite nach November 2012. Das hatte sie auch auf dem Hof des Vaters bekommen, auch allein im Bad, stehend.

Sie habe sich ihrer Mutter anvertraut und sei bei ihr geblieben. Als das Essen wieder mal knapp war, habe die Tochter den Vater angerufen und um Lebensmittel gebeten. Dabei habe sie ihm erzählt, dass sie ihre Kinder getötet habe. Der Vater hatte die Polizei alarmiert.

(dpa)