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Hamburg: Zutritt nur unter 18: Underage Clubs kommen nach Deutschland

Hamburg : Zutritt nur unter 18: Underage Clubs kommen nach Deutschland

Immer wieder der gleiche Frust am Wochenende: Abends vor den Clubs bleibt vielen Jugendlichen der Eintritt verwehrt. Die Lösung des Problems verspricht ein neuer Trend aus England, der langsam auf Deutschland überspringt - die sogenannten Underage Clubs. Die Veranstaltungen in diesen Discos sind nur für Jugendliche. Das bedeutet für die Besucher: Kein Einlass für Über-18-Jährige.

„Wir haben es einfach ausprobiert”, sagt die 16-jährige Lynn Hu. Sie hat mit drei Freunden in Hamburg den ersten Underage Club der Stadt namens iScream gegründet. Die vier Köpfe hinter dem Club sind alle selbst nicht älter als 18 Jahre. Die Idee kam den Freunden, weil sie wie andere Minderjährige kaum Möglichkeiten hatten, am Wochenende irgendwo hinzugehen. „Man muss überall den Ausweis vorzeigen oder sich hereinschmuggeln”, sagt Lynn. Ähnliche Projekte entstehen auch in anderen Städten - in München hatte die erste Unter-18-Disco allerdings nur wenig Zulauf.

Das Konzept des Underage Clubs in Hamburg kommt dagegen an: „Ich finde den Laden ziemlich gut”, sagt Zarah Bracht. Die 17-Jährige geht oft ins iScream - auch, weil Alternativen fehlen. „Es gibt zwar die Abi-Partys, aber da läuft immer die gleiche Musik, und alles wiederholt sich.” Daneben gebe es nur noch die Möglichkeit, private Partys zu feiern. Dort wird allerdings meistens viel getrunken.

Auf Alkohol müssen Besucher des iScream dagegen verzichten. Zwar darf an Über-16-Jährige Bier ausgeschenkt werden - Spirituosen sind aber laut Rechtsanwalt Christian Reiff aus Essen nicht erlaubt. Im iScream verzichten die Betreiber ganz auf Alkohol. „Die Kontrolle wäre zu kompliziert und aufwendig”, erklärt Lynn.

In dem Underage Club kommt die Musik nur teilweise von Platte. Die vier Veranstalter setzen auf Live-Musik. „Junge Leuten machen Musik für junge Leute”, erklärt Lynn das Konzept. Jeden Samstag gibt es Auftritte von Bands, die froh sind, ihre Musik einem größeren Publikum präsentieren zu können. Den Kontakt zu den Bands stellen die Veranstalter über die Internet-Plattform Myspace her. Dort finden sich haufenweise Nachwuchs-Musiker, die kaum älter sind als die Partygänger selbst.

Einer von ihnen ist Marius Laubner mit seiner Band Beat!Beat!Beat!. Der 18-jährige Schlagzeuger aus Mönchengladbach fand den Weg ins iScream über entfernte Kontakte. „Wir hatten schon von Underage Clubs aus England gehört.” Die Band war sofort von der Idee begeistert, im iScream zu spielen. „Ich kenne das Problem von früher -man kam überall nur mit Ausweis rein”, erzählt Marius.

Der Auftritt hat großen Spaß gemacht, sagt der Schlagzeuger. „Es war einfach bessere Stimmung als bei vielen anderen Konzerten.” Dort ständen viele nur mit verschränkten Armen vor der Bühne. „Im iScream sind einfach alle aus sich herausgekommen.” Die Leute wollten tanzen und feiern. Musikalisch bewegt sich das Spektrum dabei irgendwo zwischen Indie, Pop und Electro-Musik.

Der fehlende Alkohol war kein Problem. Die Band habe am Anfang zwar auch gedacht, dass ohne Alkohol miese Stimmung ist, sagt Marius. Die Party habe darunter aber nicht gelitten. „Keiner hätte vermutet, dass die Leute nüchtern sind.” Das einzig ungewohnte sei das frühe Ende gewesen. Man tritt im Sommer vor die Tür, und es ist noch hell. Der Underage Club öffnet von 17.00 bis 22.00 Uhr.

Das hängt mit dem Jugendschutz zusammen. In Discos dürften sich Jugendliche unter 16 Jahren nicht aufhalten, erklärt Reiff. Viele Besucher des iScream sind aber erst 14 oder 15. Hier trete eine Ausnahmeregelung in Kraft: Bei Veranstaltungen mit künstlerischer Betätigung kann die Grenze von der Behörde gelockert werden.

„Ein paar sagen, wir machen nur eine Kinderparty”, sagt Lynn. Sollen sie doch - die Clubgänger scheint es nicht zu stören. Sie feiern auf der Tanzfläche eine große Party.