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Los Angeles: „Workshop Hollywood”: Deutsche leitet Talentschmiede in Los Angeles

Los Angeles : „Workshop Hollywood”: Deutsche leitet Talentschmiede in Los Angeles

Den deutschen Akzent hört man der gebürtigen Fränkin Iris Steinlein kaum noch an, wenn sie in Hollywood mit einem forschen „Steinlein Productions” ans Telefon geht. Und das klingelt pausenlos in dem Bürohochhaus am bekannten Wilshire Boulevard, wo die 37-jährige Jungunternehmerin neben Casting- und Fotoagenturen ihre eigene Talentschmiede betreibt.

Eine gute „Location” mitten in Los Angeles mit einem Dachgarten, von dem der berühmte „Hollywood”-Schriftzug in den Hügeln der Filmmetropole zu sehen ist. „Der Erfolg kommt natürlich nicht über Nacht”, sagt Steinlein. „Das ist oft der Traum von jungen Schauspielern, die zu Hunderten jeden Tag in L.A. ankommen und auch schnell wieder enttäuscht abreisen. Man muss Stück für Stück an sich arbeiten, Kontakte knüpfen und einfach dran bleiben”.

Die blonde Powerfrau spricht aus Erfahrung. Vor sieben Jahren verschlug es die Tanzlehrerin aus Nürnberg nach Kalifornien an eine private Filmschule, „weil mich Film einfach interessierte”. Mit etwas Glück landete sie ihren ersten Job als Skript-Supervisor, wo sie am Filmset darauf achten musste, dass die Szenen lückenlos gedreht wurden.

Vom Hollywoodfieber gepackt, siedelte Steinlein nach einem Jahr ganz um. Mittlerweile kennt sie sich hinter den Kulissen aus. Hartnäckig ging sie Klinken putzen, baute Kontakte mit Studios, Produktionsfirmen und Schauspielern auf. Heute bietet „Steinlein Productions” Workshops zur Talent-Förderung in den Bereichen Film, Schauspiel, Tanz, Gesang und Training für Visagisten an.

Steinlein bereitet gerade den nächsten „Workshop Hollywood” vor, einen vierwöchigen Intensivkurs im Sommer mit 20 bis 30 Schülern aus aller Welt. In den letzten zwei Jahren schickte der Filmförderungsverein MedienCampus Bayern je drei junge Filmschaffende aus Deutschland zum Training nach Hollywood. Mit Studenten aus Brasilien, Japan, Afrika und der Türkei ergab das ein „buntes Klassenzimmer”, erzählt Steinlein.

„Ich sorge dafür, dass sie die Profis kennenlernen, die ihnen zeigen was hier wirklich abläuft. Denn manchmal sind die Vorstellungen ein bisschen zu glamourös, gerade jetzt, wenn bei den Oscars der Rote Teppich ausgerollt wird. Das passiert nur einmal im Jahr, sonst ist das Filmgeschäft harte Arbeit”.

Steinlein kann mit Profis aufwarten. Beim letzten Workshop stand der Spezialeffekte-Künstler Volker Engel Rede und Antwort, der mit seinen Tricks für den Blockbuster „Independence Day” eine Oscar-Trophäe gewonnen hatte. Kameramann und Emmy-Preisträger Gary Milton gab Tipps für die Kameraführung.

Jennifer OKain, die jüngst mit Lindsay Lohan den Film „I Know Who Killed Me” drehte, übte mit den Studenten, wie man sich am Set verhält. Sam Hargrave und Thyr Harris, Stunt-Koordinatoren des Blockbusters „Fluch der Karibik”, gaben Einblick in die Stunt-Technik. Im Jahr davor hatten die Schüler das „große Glück” bei einer privaten Führung im Warner Studio George Clooney bei den Dreharbeiten von „Oceans 13” zuzuschauen, erzählt Steinlein.

Schauspiel-Ambitionen hat die 37-Jährige selbst nicht, denn sie hat bereits ihren „Traumjob” gefunden. „Hier zu leben und Schülern aus aller Welt zu vermitteln, welche Talente sie haben, damit erfülle ich mir meinen eigenen Traum”, meint Steinlein.

Der dreimonatige Streik der Drehbuchautoren, der den Betrieb in Hollywood bis Mitte Februar fast lahmlegte, konnte ihre Begeisterung nicht dämpfen. „Das war ein wichtiger Lernprozess, nicht die Flinte ins Korn zu werfen, sondern für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen”. Steinlein hat sich schon das nächste große Ziel gesteckt. Neben Einzelseminaren will sie ein ganzjähriges Filmtraining auf die Beine stellen. Das glaubt man der zupackenden Wahlkalifornierin aufs Wort.