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Köln: Wo ist eigentlich Harald Schmidt?

Köln : Wo ist eigentlich Harald Schmidt?

Einst galt er als scharfzüngigster Satiriker im deutschen Fernsehen, heute spielt er den Pausenclown in den „Traumschiff“-Filmen: Das klingt nach einem echten Absturz. Harald Schmidt würde das weit von sich weisen, und vermutlich zu Recht. Heute hat der 62-Jährige Schwabe, der in Köln wohnt, neben kleinen Rollen viel Zeit für sein Aktiendepot.

Seine Mitwirkung als Kreuzfahrtdirektor in den seichtesten aller TV-Schmonzetten hat garantiert nichts mit Geldnot zu tun. Deshalb bleibt es auch sein Geheimnis, warum er sich in der ZDF-Reihe als Knallcharge verdingt hat, denn mit Anspruch haben seine Darbietungen nichts zu tun; dabei hat er sein Handwerk immerhin an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart gelernt.

Zwanzig Jahre lang war dem in Nürtingen aufgewachsenen Schwaben in seiner „Harald Schmidt Show“ nichts heilig. Gerade in seinen ersten Jahren bei Sat.1 (1995 bis 2003) haben ihm seine Beleidigungen regelmäßig böse Schlagzeilen, einige Klagen sowie den Spitznamen „Dirty Harry“ eingebracht. Als der ungekrönte König der „Late Night Show“ später im „Ersten“ gemeinsam mit Oliver Pocher an diese Erfolgsjahre anknüpfen wollte, wirkten seine Witze bloß noch wie kalkulierte Tabubrüche. Gegen Ende, als er die TV-Karriere beim Bezahlsender Sky (2012 bis 2014) ausklingen ließ, war die Zahl der Zuschauer derart überschaubar, dass er sie auch namentlich hätte begrüßen können, ohne die Sendezeit allzu deutlich zu überschreiten. Dass die Show eingestellt wurde, lag vor allem am Sender: Sky verlängerte den auslaufenden Vertrag nicht.

Trotzdem waren nicht nur die Schmidt-Fans überrascht, als er seinen Abschied ankündigte und sich aus der Öffentlichkeit zurückzog. Das Bedauern war berechtigt, denn eine Persönlichkeit wie Harald Schmidt bringt das Fernsehen nur alle Jubeljahre hervor; und mittlerweile, da die Moderatoren kaum noch Ecken und Kanten haben dürfen, gar nicht mehr. Anfangs hofften seine Anhänger noch, es handele sich ähnlich wie 2003, als er Sat.1 verließ, bloß um eine „Kreativpause“. Mittlerweile dauert die vermeintliche Pause jedoch bereits sechs Jahre.

Untätig ist der frühere Kabarettist allerdings nicht; bei Spiegel-Online zum Beispiel kommentiert er montags bis freitags in einer kostenpflichtigen Videokolumne fünf Minuten lang, was ihn oder Deutschland (oder beide) bewegt; in diesen Tagen geht es selbstredend um Friseurbesuche, Geisterspiele und andere Corona-Themen. Dabei sitzt er entspannt im Garten, auf dem Sofa oder auch mal im Auto.

Ansonsten aber scheint sich Schmidt, mittlerweile 62, vor allem um sein Vermögen zu kümmern, wie er kürzlich in einem Interview – selbstredend ebenfalls im Spiegel – berichtete. Fünfzig Prozent seiner Ersparnisse hat er in Aktien investiert. Damit dürfte seine Risikobereitschaft deutlich über der des durchschnittlichen Sparkassen-Kunden liegen, zumal er sich ganz allein um die Depotverwaltung kümmert; Zeit genug hat er ja. Einem typischen Aktien-Junkie entspricht Schmidt, der sich in seinen Shows selbst gerne als Hypochonder dargestellt hat, allerdings nicht. Tatsächlich rechnet er angeblich täglich „mit dem Totalverlust“. Als die Kurse zu Beginn der Corona-Krise in den Keller gingen, habe er Angst gehabt, wieder auf Tournee zu müssen.

Natürlich war das bloß ein Scherz; mit Geld allein lässt sich Schmidt nicht mehr hinterm Ofen seines Domizils im Kölner Stadtteil Marienburg hervorlocken, wo der fünffache Vater mit seiner Lebensgefährtin residiert. Anders als Thomas Gottschalk hat es den begnadeten Satiriker, der für sein Schaffen alle wichtigen Fernsehpreise bekommen hat (aber auch den „Preis der beleidigten Zuschauer“), nie ins Ausland gezogen. Er meidet zwar konsequent den typischen Medienrummel, will aber „den alltäglichen deutschen Wahnsinn“ nicht missen. Wie vermögend er ist, erzählt Schmidt in dem Interview übrigens nicht. Seine Bemerkung, er fühle sich nicht reich, hat allerdings kaum Aussagekraft, denn im gleichen Atemzug beschreibt er, was er unter Reichtum versteht: „wenn man eine eigene Boeing, ein Milliardenvermögen oder einen Industriekonzern besitzt.“ All das treffe auf ihn nicht zu; aber er komme „ganz gut zurecht“.