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Winterzeit: Was Sie zur Zeitumstellung wissen müssen​

Nacht zum Sonntag : Was Sie zur Zeitumstellung wissen müssen

Der Winter kommt – zumindest fühlt es sich so an, wenn es nun wieder früher dunkel wird. In der Nacht zum Sonntag werden die Uhren zurückgestellt. Aber sollte die Zeitumstellung nicht schon Geschichte sein?

In der Nacht zum Sonntag ist die Sommerzeit zu Ende, die Uhren werden von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt. Bis zum 26. März 2023 gilt wieder die Normalzeit, auch Winterzeit genannt. Im Westen Deutschlands sollte die Sonne am Sonntag dann schon gegen 17.10 Uhr untergehen, im Osten sogar noch eine gute halbe Stunde früher.

In der Bundesrepublik Deutschland sowie fast zeitgleich in der DDR wurde die Sommerzeit im Jahr 1980 als Reaktion auf die Ölkrise eingeführt, um Energie zu sparen, indem das Tageslicht besser ausgenutzt wird. Kritiker zweifeln den Energiespareffekt jedoch immer wieder an. Doch wie funktioniert die Umstellung eigentlich?

Das Signal für die automatische Umstellung der Uhren in Deutschland geht von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt aus. Die Experten des Instituts sorgen dafür, dass über einen Langwellensender mit Namen DCF77 in Mainflingen bei Frankfurt/Main Funkuhren, Bahnhofsuhren und viele Uhren der Industrie mit dem Signal versorgt werden.

Die Polizei und der ADAC warnen mit Blick auf die Zeitumstellung vor Wildunfällen. Nach der Umstellung der Uhren seien mehr Menschen in der Dämmerung unterwegs, wenn auch Rehe, Hirsche und Wildschweine aktiv seien – und es passierten erfahrungsgemäß besonders viele Unfälle.

Auch auf die Gesundheit der Menschen hat die Zeitumstellung eine spürbare Auswirkung: Einer Befragung zufolge hatte fast jeder Dritte in Deutschland nach einer Zeitumstellung schon einmal körperliche oder psychische Probleme. Das zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit.

Der ermittelte Wert ist laut Krankenkasse der höchste der vergangenen zehn Jahre und in dem Zeitraum um acht Prozentpunkte gestiegen. Frauen leiden demnach mit 40 Prozent fast doppelt so häufig unter Gesundheitsproblemen im Zuge der Zeitumstellung wie Männer (23 Prozent). Nur noch 20 Prozent der Befragten hält laut Umfrage die regelmäßige Zeitumstellung noch für eine gute Idee. Besonders niedrig sei die Zustimmung im Osten. Fast jeder Fünfte sei nach der Zeitumstellung schon einmal zu spät zur Arbeit gekommen.

Doch ein rasches Ende der Zeitumstellung ist in der Europäischen Union nicht in Sicht. Warum eigentlich? Ein Sprecher der EU-Kommission sagte im Vorjahr: „Diese Frage zur saisonalen Zeitumstellung ist auch eine saisonale Frage, die wir zweimal im Jahr jeweils vor der Zeitumstellung erhalten.“ Wie schon zuvor, konnte er nur wiederholen, was er schon öfter sagte: „Der Ball liegt nun im Feld der Mitgliedsstaaten.“

2018 befragte die EU-Kommission die Bürger zu dem Thema. 84 Prozent waren für ein Ende des Wechsels zwischen Sommer- und Winterzeit. In Deutschland war die Zustimmung besonders groß. Der damalige Kommissionschef Jean-Claude Juncker verkündete noch im gleichen Jahr ein Ende der Zeitumstellung: „Die Menschen wollen das, wir machen das“, sagte er. Doch es gibt sie noch immer. Der Grund: Die EU-Länder müssen klären, ob sie dauerhaft Sommer- oder Winterzeit wollen. Bislang gibt es jedoch keine gemeinsame Position.

Also sorgt die Physikalisch-Technische Bundesanstalt weiter dafür, dass zweimal im Jahr die Zeit umgestellt wird. Das läuft automatisiert, wird aber in der Nacht überwacht. Zwar gibt es Backup-Systeme, aber um Verzögerungen zu vermeiden, wenn bei Problemen erst jemand aus dem Schlaf geklingelt werden müsste, hat ein Experte alles im Blick.

(dpa/cheb)