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Paris: Wer in Frankreich fährt, braucht bald einen Alkoholtester

Paris : Wer in Frankreich fährt, braucht bald einen Alkoholtester

Die Pariser Regierung verschärft ihren Kampf gegen den Alkohol am Steuer. Ab dem 1. Juli muss jeder motorisierte Verkehrsteilnehmer einen Alkoholtester mit sich führen.

Aber Vorsicht: Mit „jeder” sind nicht nur heimische Automobilisten und Motorradfahrer gemeint, sondern auch alle ausländischen Urlauber auf dem Weg in die Bretagne oder an die Côte dAzur! Wer demnächst bei einer Polizeikontrolle keines der vorgeschriebenen Geräte vorweisen kann, wird mit 11 Euro Bußgeld zur Kasse gebeten.

„Es sterben immer noch viel zu viele Menschen auf unseren Straßen und diese Maßnahme wird zur Senkung der Zahl der Todesopfer beitragen”, lautet die Überzeugung von Verkehrsminister Thierry Mariani. Der Politiker hätte genauso gut sagen können, dass viel zu viele Franzosen zu tief ins Glas blicken, bevor sie sich ans Steuer setzen. 2010 war bei 31 Prozent der insgesamt 3994 tödlichen Verkehrsunfälle in Frankreich Alkohol im Spiel. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum starben auf deutschen Straßen 3648 Menschen, doch nur in 9,4 Prozent der Todesfälle spielte Alkohol eine Rolle.

Gesetzlich vorgeschrieben werden in unserem Nachbarland künftig sogenannte „Alkohol-Schnelltester” sein, die man in den meisten Supermärkten, Apotheken und Drogerien finden kann. Ihr Stückpreis liegt zwischen 1,5 bis 2 Euro. Es handelt sich um die gleichen bekannten Pusteröhrchen, die allerorten von der Polizei verwendet werden und die sich bei Überschreitung des zulässigen Alkohol-Grenzwerts blau oder grün verfärben. In Frankreich herrscht übrigens genauso wie in Deutschland die 0,5-Promille-Grenze.

Während der ADAC die neue Vorschrift keineswegs als eine Schikane für Touristen bezeichnen will, wertete die britische Boulevardpresse die obligatorischen Alkoholtester à la française bereits als eine Beleidigung harmloser englischer Urlauber. Die Maßnahme sei in Bezug auf die disziplinierten britischen Automobilisten im besten Falle überflüssig - ähnlich wie die „Zwangseinführung” von Warnweste und Warndreieck auf französischem Territorium.

Aber Kritik regt sich nicht nur in den britischen Medien, wo man nicht für die „gallischen Säufer am Steuer” bezahlen will. Auch in Frankreich melden sich Bedenkenträger zu Wort. Sie verweisen darauf, dass die vorgeschrieben Pusteröhrchen einerseits nur als bedingt verlässlich gelten. Anderseits würden viele Autofahrer nicht berücksichtigen, dass sie erst 20 bis 30 Minuten nach dem letzten Schluck Bier oder Wein benutzt werden sollten. Diese Frist nämlich benötigt der konsumierte Alkohol, um tatsächlich im Blut und in der Atemluft anzukommen.

Die französische „Liga gegen die Gewalt auf Straßen” hält die neue Regelung sogar für völlig sinnlos. „Davon profitiert allein die Industrie, die solche Tester herstellt”, meint Liga-Vorsitzende Chantal Perrichon. Ihr zufolge wird ein Pusteröhrchen im Handschuhfach kaum jemanden davon abhalten, sich beschwipst an das Steuer zu setzen.

Deswegen drängt Perrichon stattdessen auf verschärfte Verkehrskontrollen, vor allem an Wochenenden und spät in der Nacht. Denn weil solche Kontrollen derzeit zu selten durchgeführt würden, sei die Gefahr, erwischt zu werden, für trinkende Autofahrer viel zu gering.