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Hannover: Wenn Herrchen arbeiten muss: Die bundesweit erste Kita für den Hund

Hannover : Wenn Herrchen arbeiten muss: Die bundesweit erste Kita für den Hund

Kaum hat Andrea Brandes die Leine von dem Halsband gelöst, rennt Oskar auch schon los. Ungeduldig steht er vor der Tür, hinter der seine Freunde auf ihn warten. Da ist das Frauchen uninteressant.

Auch ein „Tschüss Oskar” kann den quirligen Hund nicht von seinem Vorhaben abbringen - verabschieden will er sich nicht. Doch Andrea Brandes ist nicht wirklich traurig über die fehlende Sentimentalität ihres Hundes. So weiß sie, dass sich Oskar wohl fühlt und gut aufgehoben ist, wenn sie arbeiten geht. Ein bis drei Mal pro Woche bringt sie den Pudel-Mischling in die Hundetagesstätte in Hannover, die 2003 nach eigenen Angaben als erste Einrichtung dieser Art in Deutschland eröffnet wurde.

„Zuerst bringe ich mein Kind in die Kita und dann den Hund in die Huta”, sagt Brandes. 13 Euro pro Tag zahlt sie für die Unterbringung ihres Hundes. Für Hunde, die regelmäßiger kommen als Oskar, gibt es auch Zehner- oder Monatskarten, die dann bis zu 210 Euro kosten. Mit einem Hund hat die Chefin der Hundetagesstätte, Silvia Röhr, im Februar 2003 begonnen. Inzwischen ist eine ganze Horde draus geworden.

Bis zu 70 Hunde kommen an einem Tag in die Gewerbehalle in Hannover, wo sie von bis zu vier Mitarbeitern betreut werden. „Früher hat man den Hund meistens noch mit zur Arbeit nehmen können, aber das ist heute nicht mehr so einfach möglich”, erklärt Röhr die gestiegenen „Besucherzahlen” in ihrer Huta. Manche der vierbeinigen Gäste bleiben sogar über Nacht.

Die Besitzer machen sich meist zunächst ein Bild von der Hundetagesstätte und entscheiden dann, ob sie ihren Liebling in die Hände von Silvia Röhr und deren Kollegen geben. Inzwischen gebe es sogar Leute, die schon vor der Anschaffung eines Hundes in die Huta kommen, um sich die Räumlichkeiten anzusehen. „Viele sind froh, dass es so eine Einrichtung gibt”, sagt Röhr.

Schon vor der Anschaffung eines Hundes über dessen Aufenthalt in einer Hundetagesstätte nachzudenken, hält Thomas Schröder vom Tierschutzbund für absolut falsch. Eine Hundetagesstätte sei lediglich als Ergänzungsangebot zu sehen. „Wenn man schon vor der Anschaffung weiß, dass man sich nicht um den Hund kümmern kann, sollte man überlegen, ob ein Hund als Familienmitglied in Frage kommt. Vielleicht sind dann eher Aquarienfische als Haustiere geeignet”, sagt Schröder.

Ein Hund brauche eine feste Bezugsperson. Wenn das auf Dauer nicht gewährleistet sei, komme der Hund ganz durcheinander und werde nervös. „Das spiegelt sich dann auch im Verhalten des Hundes wider.” In den vergangenen Jahren hat sich nach Angaben Schröders der Trend zur Hundetagesstätte verstärkt. „Wir erleben das immer mehr. Wahrscheinlich ist das einfach eine Ausprägung unserer Dienstleistungsgesellschaft. Wenn das Angebot da ist, dann wird es auch nachgefragt”, sagt Schröder. Er rät Hundebesitzern dazu, sich eine Huta genau anzusehen, bevor man den Hund dort abgibt.

Dabei sei es auch wichtig, ob es für ruhigere Hunde eigene Räumlichkeiten gebe. In der Hundetagesstätte Hannover werden die Hunde in zwei Gruppen eingeteilt. Kleinere Hunde bleiben unter sich, die größeren kommen zusammen in eine andere Halle. „Die Kleinen würden sonst umgerannt”, erklärt Röhr. Am Anfang seien viele Hunde noch sehr scheu. Das lege sich dann aber meist sehr schnell, so dass viele Hunde, wie auch Oskar, gar keine große Verabschiedung mehr von ihren Herrchen brauchen.

„Die Hunde haben mit der Verabschiedung meist gar kein Problem. Das ist für die Besitzer schon schwieriger”, sagt Röhr. Die Tiere fühlen sich meist so wohl, dass sie auch abends noch nicht genug vom Herumtollen haben. Der Beauceron Merlin dreht sich beispielsweise abends immer demonstrativ um und sucht nach seinen Spielkameraden, wie Röhr berichtet. „Manche wollen eben gar nicht mehr nach Hause.”