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Mannheim: Weltgrößte Mumienausstellung: Keine „Leichenschau” à la Hagens

Mannheim : Weltgrößte Mumienausstellung: Keine „Leichenschau” à la Hagens

Sie gelten als „Brücken in eine andere Welt”: Mumien, vor dem Zerfall geschützte Leichen, haben schon immer die Fantasie der Menschen beflügelt. Die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim bereiten derzeit die nach eigenen Angaben weltweit größte Ausstellung zum Thema Mumien und Mumifizierung vor.

Die Sonderschau „Der Traum vom ewigen Leben”, die ab 30. September gezeigt wird, biete mit über 60 Mumienfunden aus allen Kontinenten eine einzigartige kultur- und naturgeschichtliche Gesamtschau, kündigte Museumsdirektor Alfried Wieczorek am Freitag an.

Die Vorarbeiten zu dem Projekt laufen seit 2004. Insgesamt 19 museumseigene mumifizierte Objekte hatten seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen gegolten. Erst hausinterne Umbau- und Sanierungsmaßnahmen brachten die in einem Kellerdepot gelagerten Mumien zum Vorschein.

„Die Mumien sind 2004 ein zweites Mal ausgegraben worden”, sagte Wieczorek. Mehr als 20 Wissenschaftler aus mehreren europäischen Ländern seien an der Untersuchung der Objekte beteiligt. Einen wesentlichen Fundus der Ausstellung bilden damit also die wieder entdeckten Objekte der Reiss-Engelhorn-Museen (rem) aus Mannheim selbst.

Zu sehen sein wird aber auch die aus dem 18. Jahrhundert stammende Porschabella-Gletscher-Leiche, die erst 1992 in den Schweizer Alpen aufgefunden wurde. Gezeigt werden überdies Moorleichen aus Schleswig-Holstein, wie etwa das „Mädchen von Windeby” aus dem Archäologischen Landesmuseum Schleswig. Am Freitag wurde erstmals auch eine weibliche peruanische Mumie aus dem 14. Jahrhundert präsentiert.

In Zusammenwirken mit der Theresienklinik in Mannheim wurden umfangreiche Untersuchungen mit modernsten Computer-Topographen (CT) vorgenommen. Museumschef Wieczorek legt jedoch Wert auf die Feststellung, dass man sorgsam und sehr zurückhaltend mit den wieder aufgefundenen Mumien umgegangen sei.

Einen Vergleich mit den „Leichenschauen” des umstrittenen Plastinators Gunther von Hagens wollte er nicht akzeptieren. Auch Hagens deutschlandweit erste Sonderschau mit plastinierten Leichen hatte Ende der 90er Jahre in Mannheim stattgefunden.

Die Mumien-Sonderschau in Mannheim wird vom 30. September bis zum 24. März 2008 dauern und anschließend in das Archäologische Landesmuseum Schloss Gottorf bei Schleswig wandern. Nahezu zeitgleich eröffnet Anfang Oktober 2007 im Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart eine Schau zum Thema „Unsterblichkeit” am Beispiel ägyptischer Mumien aus dem Land der Pharaonen.

Beide Museen, in Mannheim und Stuttgart, arbeiteten bei der Vorbereitung eng zusammen. „2007 wird das Mumienjahr in Baden-Württemberg”, sagte die Leiterin des Landesmuseums, Cornelia Ewigleben.