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Dortmund: Was die Deutschen besser können: Dortmunder Professor findet 160 Beispiele

Dortmund : Was die Deutschen besser können: Dortmunder Professor findet 160 Beispiele

Irgendwann fiel Professor Walter Krämer ein Buch mit dem Titel „Deutsche Unsitten” in die Hände. „Und da kam mir sofort die Idee, ein Kontrabuch zu schreiben.” Das hat der Dortmunder Professor für Statistik nun getan: „Wir können alles, sogar besser - Wo Deutschland wirklich gut ist” heißt das neue Werk des 59-Jährigen. Natürlich soll der Titel provozieren.

Doch bei Krämer geht es nicht nur um Besserwisser und Alleskönner. „Aber wir hören und lesen doch andauernd, was wir alles nicht können. Dabei können wir auf viele Dinge auch stolz sein”, betont der Verfasser.

Der Kindergarten zum Beispiel sei eine deutsche Erfindung, betont Krämer. „Oder die Deutsche Bundesbank”, listet Krämer weiter auf. Sie sei eindeutig die beste Zentralbank der Welt - auch in Zeiten von Finanz- und Wirtschaftsschwäche noch, meint der Professor.

160 Stich- und Schlagworte hat Walter Krämer zusammengetragen. Dabei geht es um das typisch Deutsche, und zwar auch mit allen komischen Eigenarten. „Wie die gemischte Sauna. Wildfremde Männer und Frauen nackt in einem Raum, das gibt es nur bei uns”, führt der Autor aus. Auch Brettspiele oder die Kehrwoche seien eindeutig deutsch.

Knapp zwei Jahre hat der Professor recherchiert - und manches Stichwort hat es ihm nicht leicht gemacht. Der „Kampfgeist” zum Beispiel. Wie oft hat die deutsche Fußballnationalmannschaft in Länderspielen hinten gelegen und dann doch noch gewonnen? „Ich habe mir alle Spiele von 1906 bis heute angeguckt und ausgewertet. Drei Wochen hat das gedauert”, erinnert sich der Wissenschaftler. Sein Ergebnis: Kein anderes Land hat eine solche „Aufholquote” wie Deutschland.

Natürlich hat er sich auch um die allseits bekannten deutschen Tugenden wie die Pünktlichkeit gekümmert. „Das ist durch und durch deutsch. Diplomaten, die bei der amerikanischen Botschaft in Berlin anfangen, bekommen zwei Dinge mit auf den Weg: In Deutschland muss man pünktlich sein und peinlich genau den Müll trennen.”

Auch Fleiß wird den Deutschen gerne nachgesagt. Der Professor ist der lebendige Beweis dafür, dass dies zutrifft. Hauptberuflich lehrt er Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Technischen Universität Dortmund. Zudem ist er Autor und hat so berühmte Bücher wie das „Lexikon der populären Irrtümer” geschrieben. In 16 verschiedene Sprachen wurde das übersetzt und mehr als eine Million Mal verkauft.

Nebenher erfreut er seine Studenten mit Werken wie „So lügt man mit Statistik” - sein erster Bestseller - und ganz nebenbei ist er auch noch Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache. Auch hier deckt er Irrtümer auf. „Zum Beispiel ist die Walnuss keine Nuss, die Erdbeere keine Beere und die Kaffeebohne keine Bohne”, verrät Krämer.

Als Wahrer der deutschen Sprache hat der Professor auch eine Wortpatenschaft übernommen, die der Verein vermittelt. Ihm „gehört” das Wort „Statistik”. Zehn Euro kostet so eine Patenschaft. Dafür hat sich Angela Merkel das Wort „Klimaschützerin” gesichert und Ministerpräsident Christian Wulff (beide CDU) ist erstaunlicherweise Pate für den „Bundeskanzler”.