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Bochum: Warum riecht Parfüm nicht bei jedem Menschen gleich?

Bochum : Warum riecht Parfüm nicht bei jedem Menschen gleich?

Die Suche nach einem passenden Parfüm ist oft schwierig. Gerne lässt man sich vom Duft der Nebensitzerin im Bus oder der besten Freundin inspirieren und kauft einfach genau das selbe Fläschchen.

Zu Hause dann das enttäuschende Ergebnis: Aus dem blumigen Hauch wird auf dem eigenen Handgelenk ein süßlich-gärender Gestank. „Warum sich ein Parfümduft bei verschiedenen Leuten unterschiedlich entwickelt, ist noch nicht abschließend erforscht”, sagt Hanns Hatt, Professor für Biologie an der Ruhr-Universität Bochum.

Es gebe aber bereits einige Anhaltspunkte für dieses Phänomen. „Jeder Mensch hat auf der Hautoberfläche eine Art Schutzfilm, der das Eindringen von Erregern verhindern soll. Er besteht aus Talg und Fetten. Aber auch Bakterien, Pilze, Viren und andere Kleinstlebewesen sind dort angesiedelt.”

Die Mischung dieser Mikroorganismen variiere von Mensch zu Mensch, da jedes Immunsystem unterschiedlich stark auf einige dieser kleinen Mitbewohner reagiere und sie an der Besiedelung hindere.

Die Bakterien auf der Hautoberfläche nehmen die meisten Fremdstoffe erst einmal in sich auf, verdauen sie und scheiden die Abfallprodukte wieder aus. Beim Parfüm-Duftstoff machen die Hautbakterien keine Ausnahme.

„Durch diesen Prozess entsteht beispielsweise der Geruch des Schweißes, der normalerweise geruchlos ist und erst in seiner Form als verdautes Abfallprodukt seine charakteristische Note entwickelt. Auch der Duft eines Parfüms kann durch die Bakterien nach dem gleichen Prinzip verändert werden”, erklärt Hatt.

Ein weiterer Faktor, der wahrscheinlich Auswirkungen auf die Entwicklung eines Duftstoffes hat, ist der Fett- und Wassergehalt der Haut. „Ein Parfüm besteht mitunter aus mehr als 100 verschiedenen Einzeldüften. Manche von ihnen sind fettlöslich. Trifft die Mischung also auf fettige Haut, lösen sich diese Duftbausteine besser als die anderen und riechen dadurch intensiver.”

Da die Talgdrüsen bei verschiedenen Menschen unterschiedlich ausgeprägt sind, kann so der Duft variieren. Zum Beispiel bei älteren Menschen, die oft trockenere Haut hätten, hafte Parfüm daher oft schlechter.

„Diese Veränderungsprozesse des Duftes auf der Haut brauchen ihre Zeit”, sagt der Biologe. Daher ändere sich auch der erste Eindruck nach dem Aufsprühen eines Duftes noch in den folgenden Stunden. Erst nachdem man ein Parfüm also einige Zeit auf der Haut getragen hat, kann man beurteilen, wie es wirklich riecht. Von allzu spontanen Kaufentscheidungen ist bei Duftwässerchen also abzuraten.

Und selbst wenn man seinen Lieblingsduft endlich auserkoren hat, ist die Suche mitunter nicht zu Ende: „Der Cocktail der Mikroorganismen und die Beschaffenheit der Haut ändern sich im Laufe des Lebens immer wieder”, sagt Professor Hatt.

„Deshalb kann ein Parfüm über die Jahre sogar an ein und derselben Person verschiedene Gerüche entwickeln.” Sich auf Lebzeiten einen einzigen Lieblingsduft zu bewahren ist also nicht nur aufgrund der Schnelllebigkeit der Modeparfüms eher unwahrscheinlich.