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Schliersee: Wann kommen Brunos Bären-Brüder?

Schliersee : Wann kommen Brunos Bären-Brüder?

Im Morgengrauen peitschten Schüsse über die Almwiesen. Nach wochenlanger Pirsch stellte am Morgen des 26. Juni vergangenen Jahres ein Team den Gejagten: Braunbär Bruno. Zwei Schüsse brachten ihn nahe der Kümpflalm im oberbayerischen Spitzingseegebiet zur Strecke.

Die Nachricht vom Tod des jungen Bären aus dem italienischen Trentino ging wie ein Lauffeuer um die Welt, schon kurz nach dem Abschuss waren internationale Medien mit ausführlichen Berichten online. Bruno war der Medienstar des vergangenen Sommers. Sogar sein Obduktionsbericht mit Gewicht, Größe und Mageninhalt wurde veröffentlicht - das Herz des zotteligen Herzensbrechers wog demnach 830 Gramm.

Mit seinen Eskapaden hatte „JJ1” - Erstgeborener von Mutter Jurka und Vater José - alle Sympathien auf sich gezogen. Im Internet wurden Wetten auf ihn abgeschlossen und Solidaritäts-T-Shirts mit Aufdrucken wie „JJ Guevara” oder „Mich kriegt ihr nie” angeboten. Seelenruhig legte Bruno unter den Augen von Kneipengästen vor einer Polizeiwache eine Rast ein - um sich dann aus dem Staub zu machen, bevor die für mehrere zehntausend Euro aus Finnland eingeflogenen Bärenjäger mit ihren Hunden auftauchten.

Während die Behörden Expertenrunden einberiefen und Pressekonferenzen gaben, marschierte Bruno mitten durch Ferienorte. Er erschreckte Urlauber, verspeiste Schafe und Hühner, knackte Bienenstöcke - und kam immer wieder ungestraft davon.

So frech wie Brunos Verhalten wirkte: Tatsächlich lief er wohl immer wieder um sein Leben - und legte dabei eine ordentliche Wegstrecke zurück. Auf seinem Weg aus dem norditalienischen Trentino ins bayerische Oberland überbrückte er ruck-zuck mal eben mehrere hundert Kilometer in schwierigstem Gelände. Allein die finnischen Bärenjäger waren ihm dann in Bayern insgesamt 500 Kilometer auf der Spur.

Für Experten nicht überraschend: Trotz ihrer plumpen Erscheinung gelten die Tatzentiere als äußerst flink und ausdauernd. Das zeigte Bruno auch bei seinem Zick-Zack-Kurs in Bayern. Auf seiner Suche nach Nahrung schlug er seinen Verfolgern immer wieder ein Schnippchen und legte bei seiner Wanderung über Stock und Stein erstaunliche Entfernungen zurück. Mehrere Dutzend Kilometer kann ein Braunbär nach Expertenmeinung durchaus innerhalb eines Tages zurücklegen. Doch Bruno wanderte meist nachts. „Er war der Mahatma Gandhi der bayerischen Wälder. Ein Bär, der höchstens für ein Schafsherz vom Weg der vegetarischen Tugend abkam”, schrieben Fans nach seinem Tod im Internet. „Der einsame Braunbär „JJ1” ließ den Staat mit all seinen Polizeihubschraubern und finnischen Jagdsöldnern machtlos zurück.” Und: „Er wurde zum Symbol der Freiheit, zum letzten Einzelkämpfer, der durch die engen Maschen unseres Staates schlüpfen konnte.”

Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) bekam nach dem Abschuss Morddrohungen. Der Tod des Bären „belastet mich sehr”, sagte der Minister damals. „Aber hätte die Politik warten sollen, bis jemand zu Tode kommt?” Es sei nicht auszudenken, was geschehen wäre, hätte der Bär ein Kind angefallen. Bärenexperten hatten für den Abschuss plädiert, weil der Bär die Scheu vor Menschen verloren hatte und damit zur Gefahr geworden war.

Noch lange nach seinem Tod schlug Brunos Tod Wellen. Unter anderem verlangte die Regierung in Rom die Rückgabe des Kadavers. Bruno habe zum Wiedereingliederungsprojekt in der Adamello-Brenta-Gruppe gehört und sei somit Eigentum des italienischen Staates. Doch Schnappauf lehnte ab, die Medien bis hin zur BBC berichteten von diplomatischen Verwicklungen wegen des toten Tieres. Bis heute liegt Bruno tiefgefroren in einer Kühlkammer - der Ort ist unbekannt. Bis zum Herbst soll er präpariert und ausgestopft werden, um dann wissenschaftlich fundiert in einem Museum gezeigt zu werden.

Nicht ausgeschlossen, dass schon bald wieder ein Bär seine Tatzen auf bayerischen Boden setzt - vielleicht sogar ein Bruder Brunos. Vor kurzem haben sich seine jüngeren Geschwister JJ3, JJ4 und JJ5 von Mutter Jurka getrennt, und die beiden männlichen Jungbären sind auf Wanderschaft. Ein junger Bär ist derzeit in Graubünden in der Schweiz unterwegs. In Bayern sieht man sich für einen neuen Zuwanderer gerüstet.