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Berlin/Köln: Wahr oder falsch? Beauty-Mythen auf dem Prüfstand

Berlin/Köln : Wahr oder falsch? Beauty-Mythen auf dem Prüfstand

Es ist meistens etwas dran an Großmutters Ratschlägen. Oder es lässt sich zumindest nachvollziehen, warum Großmutter früher so dachte. Aber viele bekannte Beauty-Empfehlungen halten einer Überprüfung durch Fachleute nicht stand. Wahr oder falsch - hier sind einige solcher Mythen. Ihren Wahrheitsgehalt zu kennen, kann im Bad helfen.

Mascara macht die Wimpern brüchig: Das ist Unsinn, sagt der Visagist René Koch aus Berlin. Die Tusche enthalte Pflegestoffe, die die Wimpern schützen. Die richtige Handhabung sei wichtig: „Die Wimpern erst mit der Wimpernzange biegen und dann tuschen”, rät der Experte. „Nur ungeschminkt sind die Wimpern elastisch.” Außerdem empfiehlt Koch dringend das abendliche Abschminken, sonst könnten die Wimpern tatsächlich nachts brechen. Grund dafür sei aber dann der Kontakt mit dem Kissen - und nicht die Wimperntusche.

Häufige Rasur lässt die Haare schneller wachsen: Gerade bei der Bein- oder Intimrasur ist es nicht erwünscht, dass die ersten Stoppeln schon am nächsten Tag wieder kratzen. Wer es glatt lieber mag, muss aber nicht damit rechnen, bei regelmäßiger Rasur mit der Zeit noch häufiger rasieren zu müssen: „Eine Rasur hat keinen Einfluss auf die Wachstumsgeschwindigkeit der Haare”, sagt die Ärztin Madeleine Schunter vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen in Berlin.

Es komme einem lediglich so vor, dass die Haare nach der Rasur schneller wachsen, da die Stoppeln nicht glatt an der Haut liegen. Das Wachstum sei zwar bei jedem Menschen individuell, und im Sommer wachsen die Haare etwas schneller als im Winter. Aber eine Rasur beschleunige das Wachstum nicht.

Nagellack schadet den Nägeln: Früher waren nach dem Entfernen des Nagellacks bisweilen Verfärbungen sichtbar. „Die Farben sind in die verschiedenen Schichten des Nagels eingedrungen”, erklärt Brigitte Sterz vom Bundesberufsverband der Fachkosmetiker (BfD) in Ennepetal (Nordrhein-Westfalen). Aber durch einen Unterlack könnten Verfärbungen verhindert werden. Für eine schonende Entfernung von Lack rät Monika Ferdinand vom Bundesverband Deutscher Kosmetiker/innen aus Bexbach im Saarland zu einem acetonfreien Nagellackentferner.

Unter Make-Up gehört eine Feuchtigkeitscrème: Brigitte Sterz persönlich würde niemals ein Make-up ohne Feuchtigkeitscreme auftragen. Sie führt dafür mehrere Gründe an: Zum einem sorgt die Feuchtigkeitscreme für einen ebenmäßigen Untergrund. Zum anderem enthalte ein reines Make-up keine Pflegestoffe, die die Haut aber dringend benötigt. „Eine Creme legt sich auf die Haut und bindet das Make-up”, erklärt die Expertin. Unter eine getönte Feuchtigkeitscreme hingegen muss nicht noch eine Extra-Schicht Creme. Sonst entstehe ein Fettglanz auf der Haut, sagt Schunter. Denn beide Cremes enthalten Pflegestoffe.

Mehr als einmal in der Woche peelen schade der Haut: Ein Peeling soll die Haut reinigen und von abgestorbenen Partikeln befreien. Schunter warnt vor zu häufiger Anwendung. Denn wenn die Haut zu häufig gepeelt wird, könnten wertvolle Fette aus ihr gelöst werden. Daher sollte bei normaler Haut nicht mehr als einmal in der Woche zur Rubbel-Lotion gegriffen werden.

Tägliches Haarewaschen ist schlecht: „Für die tägliche Haarwäsche geeignet” steht heute auf vielen Shampoo-Flaschen. Das dürfen Sie mittlerweile ruhig glauben, sagt Franz-Josef Küveler, Art Director des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks in Köln. „Die Produkte sind mittlerweile sehr mild. Da ist die tägliche Wäsche kein Problem mehr.” Mehr Vorsicht sei bei besonderen Shampoos gegen Fett und Schuppen angebracht. Sie könnten den Säureschutzmantel angreifen.

Rasierte Augenbrauen wachsen nicht mehr nach: Diese Sorge ist „völlig unnötig”, sagt Schunter. Die Rasur lässt die Haarwurzel unberührt, daher würden die Haare immer wieder nachwachsen.

Lippenbalsam macht süchtig: Gegen spröde und raue Lippen hilft Lippenbalsam. Da die Lippen keine eigenen Talgdrüsen besitzen, können sie sich selbst nicht fetten. „Wir empfinden es also als sehr angenehm, Lippenbalsam zu benutzen”, erklärt Schunter. Es könne daher sein, dass wir diesem Gefühl immer wieder nacheifern. Eine körperliche Abhängigkeit ist aber ausgeschlossen.

Glänzendes Haar durch viele Bürstenstriche: Dass das Haar gekämmt werden muss, damit es ordentlich aussieht, ist nachvollziehbar. Aber glänzt es umso mehr, je mehr es gebürstet wird? Das stimmt, sagt Küveler. „Das Haar sollte mit einer Naturborstenbürste mit der Wuchsrichtung gekämmt werden, dann kommt der Glanz.” Schlecht verarbeitete Bürsten mit scharfen Kanten können dagegen sogar Schäden am Haar anrichten.