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Corona in Frankreich: Vorwürfe gegen Macron

Corona in Frankreich : Vorwürfe gegen Macron

Angesichts der Krise hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eigentlich „nationale Einheit“ gefordert. Doch das Geständnis der Ex-Gesundheitsministerin Agnès Buzyn, die für den Wahlkampf ums Pariser Rathaus abgezogen wurde, gegenüber „Le Monde“, dieser sei eine „Maskerade“ gewesen, denn sie habe die Regierung schon sehr früh auf die Gefahr des Coronavirus hingewiesen, sorgt weiter für Aufruhr. Hat diese schnell genug gehandelt?

Zu „nationalem Zusammenhalt“ hatte Emmanuel Macron angesichts der Covid-19-Krise die Franzosen aufgefordert als am Montagabend einen weitestgehenden Hausarrest ankündigte. Mindestens zwei Wochen soll dieser andauern. Dennoch kamen inzwischen Zweifel auf, ob der französische Präsident ausreichend früh gehandelt hat. Geschürt hat sie ausgerechnet die frühere Gesundheitsministerin Agnès Buzyn mit erschütternden Bekenntnissen, die die Zeitung „Le Monde“ öffentlich gemacht hat.

Mitte Februar war Buzyn aus dem Kabinett ausgeschieden, um bei den Kommunalwahlen für die Präsidentenpartei La République en marche (LREM) als Pariser Bürgermeisterin zu kandidieren. Nach einem enttäuschenden Ergebnis beim ersten Durchgang der Wahlen am 15. März – der zweite ist vorerst ausgesetzt – erklärte Buzyn, sie sei verzweifelt gewesen, ausgerechnet beim beginnenden Ausbruch des Virus den Posten zu wechseln: „Ich wusste, dass die Tsunami-Welle vor uns lag.“ Bereits im Januar, sagte Buzyn, habe sie den Präsidenten und Premierminister Édouard Philippe vor möglichen Auswirkungen des Virus gewarnt, die eine „Maskerade“ gewesen sein. Dabei hatte sie selbst noch Ende Januar die Bevölkerung mit der Aussage beruhigt, die Risiken einer größeren Verbreitung des Coronavirus seien gering. Buzyn bedauerte inzwischen den Ausdruck „Maskerade“. Philippe wiederum verteidigte sich, man habe sich strikt an die Ratschläge der Experten gehalten. Diese hätten nichts gegen die Durchführung der ersten Wahlrunde einzuwenden gehabt.

Dennoch reichten drei Ärzte aufgrund von Buzyns Interview nun Klage gegen sie sowie gegen den Premierminister ein: Diese hätten es unterlassen, rechtzeitig ausreichende Maßnahmen zu treffen. Es sind nicht die einzigen Vorwürfe, mit denen die Regierung konfrontiert ist. Auch musste Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye einräumen, dass es „logistische Schwierigkeiten“ bei der Lieferung von ausreichend Masken für das medizinische Personal gegeben habe: Viele Krankenhäuser klagen über Mangel.

In zahlreichen französischen Krankenhäusern, deren Notaufnahmen seit Jahren am Limit arbeiten, wächst der Druck. Die Zahl der Menschen, die Intensivbetten brauchen, steigt exponentiell an. Ärzte warnen bereits vor Engpässen. „Wir haben keine Kapazitäten mehr. Es ist ein permanenter Kampf, noch freie Betten zu finden“, sagte Jean-François Cerfon, Präsident des regionalen Mediziner-Zusammenschlusses im Elsass. Drei sehr harte Wochen stünden ihm und seinen Kollegen bevor. Mindestens.