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Frankfurt/Main: Von volkstümlichen „Ausfahrten” zum feuchtfröhlichen „Vatertag”

Frankfurt/Main : Von volkstümlichen „Ausfahrten” zum feuchtfröhlichen „Vatertag”

Seit frühesten Zeiten zieht es die Menschen an bestimmten Tagen wie Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam hinaus ins Grüne. So ist der Himmelfahrtstag - dem kirchlichen Festtagskalender zufolge der vierzigste Tag nach Ostern - nicht erst in christlicher Zeit zur Gelegenheit für Bergwanderungen und Spaziergänge, Bergmessen und Prozessionen geworden.

In den traditionellen Volksbräuchen markiert der Himmelfahrtstag den Übergang vom Frühling in den Sommer. Eine alte Bauernregel empfiehlt daher: „Nun Pelz und Muff verwahrt - der Herr hält Himmelfahrt!” Spätestens an diesem Tag verschwinden dann auch die letzten düsteren Gestalten und Dämonen, die im jahreszeitlich geprägten Brauchtum mit Stroh und Zottelgewand den Winter darstellten, und machen damit den farbenfroh gekleideten Sommermädchen Platz.

Diese übernehmen mit Blumen, Bändern und frischem Grün geschmückt das Regiment des Sommers. In den vornehmlich protestantischen Gebieten Hessens und im benachbarten Thüringen war es üblich, so genannte Himmelfahrtskräuter zu sammeln, denen die gleiche Heil- und Segenskraft nachgesagt wurde wie den in katholischen Gegenden zu Palmsonntag geweihten Weidenkätzchen.

Bereits vor Sonnenaufgang machten sich am Himmelfahrtstag insbesondere die Mädchen und Frauen auf den Weg, um - möglichst ohne ein Wort miteinander zu wechseln - frisches Wasser schöpfen zu gehen und ihr Gesicht damit zu waschen. Diese Prozedur sollte ihnen - altem Volksglauben zufolge - „ewige” Schönheit bescheren oder zumindest vor Sommersprossen schützen.

Vielerorts war es zudem Brauch, dass sich im Laufe des Tages ganze Dorfgemeinschaften an traditionellen Treffpunkten einfanden, um sich gemeinsam zu vergnügen. Damit wurde schon vieles von dem vorweggenommen, was den Himmelfahrtstag seit einigen Jahrzehnten auch zum „Vatertag” gemacht hat. Böse Zungen behaupten gar, dass sich in den Vatertagsbräuchen ohnehin nur ein höchst weltliches Relikt der aus heidnischer Zeit überlieferten Flurprozessionen erhalten habe.

Seinerzeit wurden in deren Verlauf mit Geschrei und Gejohle die letzten vermeintlichen Unholde aus der wachsenden Saat vertrieben. Anschließend traf man sich - ähnlich wie bei den zünftigen Herrenpartien - zu einem feuchtfröhlichen Umtrunk im Wirtshaus.

Allerdings blieb auch die Kirche an diesem Tag nicht untätig. Während heutzutage am Himmelfahrtstag die Saison für die unter dem Motto „Kirche im Grünen” stattfindenden Gottesdienste eröffnet wird, luden die Pfarrherren von einst im Anschluss an die Prozessionen und die frühmorgendlichen Ausflüge zu einem Ereignis besonderer Art in die örtliche Pfarrkirche ein.

Einer alten aus dem 16. Jahrhundert stammenden Tradition folgend, wurde vornehmlich im süddeutschen Raum und in Österreich die Himmelfahrt Christi bildlich dargestellt. War dies ursprünglich ein Zugeständnis der Geistlichkeit an die des Lesens unkundige Bevölkerung, so entartete dieser Brauch im Laufe der Zeit immer mehr zu einer allgemeinen Volksbelustigung.

Zunächst wurde während eines feierlichen Gottesdienstes in katholischen Kirchen eine Luke im Deckengewölbe des Kirchenschiffes geöffnet, aus der zwei hölzerne Engel herabgelassen wurden. Hatten die beiden Statuen die auf einem Tisch im Mittelgang des Gotteshauses stehende Figur des Auferstandenen erreicht, wurde diese ebenfalls an einem Seil befestigt und gemeinsam mit den beiden Engeln zur Deckenluke hinauf gezogen.

Damals - wie vereinzelt in Südtirol auch noch heute - waren die Augen der Gottesdienstbesucher auf die entschwebende Christusfigur gerichtet: Denn waren die drei Holzfiguren auf dem Dachboden verschwunden, „regnete” es für gewöhnlich durch das so genannte „Heiliggeistloch” : Blumen, Heiligenbildchen, Oblaten und Früchte, aber auch Nüsse und Kastanien prasselten auf die erwartungsvoll ausharrende Gemeinde hinunter.