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Frankfurt a.M.: Viele Männer sehen Frauen immer noch als Störfaktor in der Führungsriege

Frankfurt a.M. : Viele Männer sehen Frauen immer noch als Störfaktor in der Führungsriege

Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann - sie alle stehen derzeit für „Frauenpower” in Deutschland, denn diese Frauen haben es bis nach oben geschafft.

„Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer”, sagt hingegen Claudia Menne, beim Deutschen Gewerkschaftsbund für den Bereich Frauenpolitik zuständig. Mit der Masse der Frauen hätten sie wenig zu tun. Menne verweist darauf, dass es mit der Siemens-Managerin Barbara Kux momentan nur eine Frau im Vorstand eines DAX-Konzerns gebe.

Nimmt man die Vorstände der 100 größten deutschen Unternehmen außerhalb des Finanzsektors unter die Lupe, dann kommt man nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zu folgendem Ergebnis: Unter den 526 Vorstandsmitgliedern waren im Untersuchungszeitraum Ende 2008 sieben Frauen. Und obwohl laut Studie in den Bereichen Bank- und Kreditwesen über die Hälfte der Angestellten weiblich sind, ist bei Banken und Versicherungen nur rund jedes 50. Mitglied der Geschäftsführung eine Frau.

Soziologe Carsten Wippermann vom Heidelberger Unternehmen Sinus Sociovision machte sich im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf die Suche nach Gründen. Er und sein Team befragten 40 männliche Führungskräfte in der Wirtschaft. „Wie sehen Sie Frauen, die in Führungspositionen sind oder auf dem Weg dorthin?”, lautete die Leitfrage.

Vordergründig drückten alle Männer Wohlwollen und Anerkennung gegenüber beruflich erfolgreichen Frauen aus. „Wenn man die Männer dann aber etwas länger reden ließ und die Vertrauensbasis da war, dann kamen die Männer sehr bald darauf zu sprechen, was alles gegen Frauen spricht”, sagt Wippermann: Frauen könnten den Spagat zwischen Familie und Beruf nicht schaffen, könnten die Rolle der Führungsposition nicht authentisch spielen, hieß es beispielsweise - Wippermann bekam vieles zu hören.

Der Soziologe macht drei Typen von Männern aus, die weiblichen Chefs skeptisch gegenüberstehen. Typ eins ist konservativ und lehnt Frauen allein wegen ihres Geschlechts als „Störfaktor in der Führungsriege” ab. Typ zwei gibt sich vordergründig aufgeschlossen, sagt aber: „Vorstand ist einfach eine besondere Sportart, man muss schnell Gewinne machen und mal gut, mal böse sein.” Die Gesellschaft, so die Befragten, erlaube den Frauen aber solche Rollenwechsel nicht. Rollenbilder seien nicht das Problem, meint hingegen Typ drei. Es gebe auf dem Arbeitsmarkt aber zu wenig Frauen, die sich die Karrierebelastungen antun wollten oder eine kontinuierliche Berufsbiografie hätten. „Diese drei Denkmuster gibt es oft in ein- und demselben Unternehmen, sie wirken dadurch insgesamt wie ein Sperrriegel gegen Frauen in Führungspositionen”, sagt Gesellschaftsforscher Wippermann.

Die Globalisierung könnte unter Umständen die „deutschen Männerriegen” auflockern, glaubt Wippermann: „Und wenn so viele Frauen einen Hochschulabschluss haben, können wir es uns am Wirtschaftsstandort Deutschland tatsächlich leisten, die besten Fachkräfte nicht an der Spitze zu haben?”

Angelika Gifford hat es nach oben geschafft. Jüngst erhielt die 44-Jährige die Auszeichnung „Managerin des Jahres 2009” des Gütersloher Bäckereikonzerns Mestemacher. Gifford gehört zur Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland, ist verheiratet und hat einen Sohn. Auch sie weiß, dass Frauen in Deutschland Karriereprobleme haben, dazu müsse man sich nur die Statistiken anschauen.

Doch warum hat es dann bei ihr geklappt und bei anderen Frauen nicht? Gifford beschreibt es mit einem Bild: „Heute steht eine Tür halb offen. Männer stoßen sie auf und sagen: Hier bin ich, das kann ich. Frauen trauen sich in der Regel weniger zu und zögern, die Tür aufzustoßen.” Zu einer Frauenkarriere gehören ihrer Erfahrung nach aber auch ein passender Arbeitgeber sowie ein unterstützender Partner im Hintergrund. Ihr Rat an Frauen: „Seid mutig!”