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Frankfurt: Unicef-Geschäftsführer: Wir sind in einem desolaten Zustand

Frankfurt : Unicef-Geschäftsführer: Wir sind in einem desolaten Zustand

Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs sieht den deutschen Zweig des UN-Kinderhilfswerks in „einem desolaten Zustand”. In einem internen Brief an Vorstandsmitglieder habe er erklärt, die Organisation sei derzeit „nicht zu führen”, berichtet die „Frankfurter Rundschau”.

Unicef-Sprecher Rudi Tarneden bestätigte diese Darstellung am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (kna). Nach Angaben der Zeitung gibt es wegen der angeblichen Spenden-Affäre im UN-Kinderhilfswerk massive Kritik aus den Reihen der 8000 ehrenamtlichen Spendensammler. Die FR zitiert aus Briefen von Arbeitsgruppen aus Ulm und Schwerin, in denen die freiwilligen Mitarbeiter ihre „große Enttäuschung, Wut und Zorn” zum Ausdruck bringen und den Rücktritt des Geschäftsführers fordern.

Laut Zeitung plant Garlichs ab Montag mit der ehrenamtlichen Vorsitzenden des Hilfswerks, Heide Simonis, Gespräche mit Unicef-Gruppen vor Ort. Im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur sagte Tarneden, bei den Kritikern aus den Arbeitsgruppen handele es sich lediglich um „Einzelstimmen”. Die Mehrheit der Gruppen stünden hinter dem Vorstand. „Bei aller Kritik und Verunsicherung sind sie empört über die einseitige und unsachliche Berichterstattung”, so der Sprecher.

Ende November hatte die FR berichtet, jahrelang seien beträchtliche Summen beim deutschen Zweig des UN-Kinderhilfswerks unter anderem in Beraterverträge geflossen, ohne dass der Vorstand davon im Einzelnen informiert worden sei. Daraufhin war Geschäftsführer Garlichs öffentlich unter Druck geraten; das Verhältnis zu Simonis ist belastet, zumal die frühere Ministerpräsidentin den Rücktritt Garlichs gefordert hatte.

Laut Unicef hat der Vorstand dem Geschäftsführer Mitte Januar das Vertrauen ausgesprochen, da unabhängige Wirtschaftsprüfer keine Verschwendung von Spendengeldern festgestellt hätten.