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Hamburg: Ungewöhnliche Berufung: Deutsche ist seit sieben Jahren Königin in Ghana

Hamburg : Ungewöhnliche Berufung: Deutsche ist seit sieben Jahren Königin in Ghana

Ihr Reich ist so groß wie Rheinland-Pfalz, ihr Volk zählt mehr als 200.000 Menschen. Vor fast sieben Jahren wurde aus der Hamburger Unternehmerin Cornelia von Wülfing die Monarchin Mamaga Nyonuviaga Akosua I. (Königin des Fortschritts) „Seitdem ist nichts mehr so, wie es war”, sagt von Wülfing, Regentin in Alavanyo, einer Region des westafrikanischen Landes Ghana.

„Wenn ich damals gewusst hätte, was auf mich zukommt, hätte ich es nicht gemacht. Die Verantwortung hat mich anfangs fast erdrückt.” Ihre Liebe zu Afrika entdeckte die Geschäftsfrau auf ihren ersten Reisen vor mehr als 20 Jahren. Später importierte sie afrikanische Heilpflanzen nach Deutschland und leistete mit einem Teil ihres Gewinnes Entwicklungshilfe in Ghana.

Eines Tages kam dann ein Anruf aus Alavanyo. Von Wülfing wurde eröffnet, dass sie für das Amt der Königin vorgeschlagen worden sei. „Zunächst war ich fassungslos und wollte aus Angst vor der Verantwortung ablehnen”, erinnert sie sich. Dann sei ihr aber bewusst geworden, dass sie den Menschen als Königin viel effektier helfen könnte.

Einige Monate später war es so weit: In einer traditionellen Zeremonie wurde sie gekrönt. Bei dem Ritual galt es zum Beispiel, durch das Blut einer frisch geschlachteten Ziege zu schreiten - das sollte die neue Monarchin unverwundbar machen. Bekleidet mit einem farbenprächtigen Gewand - „nur Angehörige königlicher Familien dürfen sich die Schulter bedecken” - saß sie auf einem kunstvoll geschnitzten Holzthron, als ihr die Königin einer Nachbarregion die goldene Krone aufsetzte.

Als erste ausländische Königin in Ghana nahm von Wülfing ihre unbezahlte Arbeit auf. Offenbar höchst erfolgreich: Vor kurzem wurde ihr Reich vergrößert und die 53-Jährige zur „Paramount Queen” gewählt. „Jetzt bin ich die Königin mit dem höchsten Hoheitsgebiet Ghanas”, erklärt sie.

An vieles kann sie sich jedoch bis heute nur schwer gewöhnen. „In Ghana bin ich nie alleine. Selbst wenn ich nur einen Schritt mache, ist stets mein Hofstaat dabei.” Doch für solcherlei Einschränkungen werde sie bestens entlohnt: „Die Dankbarkeit der Menschen ist das Schönste an meiner Arbeit.”

Ihr Leben zwischen den Welten habe sie inzwischen gut organisiert, erklärt die in Deutschland verheiratete Mutter einer Tochter. Ihr Hamburger Büro ist geschmückt mit zahlreichen Afrika-Mitbringseln. Die 53-Jährige selbst ist im westlichen Business-Outfit gekleidet. Krone und Ornat trage sie nur in Ghana, wo sie fünf bis sechs Mal im Jahr mehrere Wochen verbringe. Über ihr Volk will sich die Monarchin aber nicht erheben: „Ich sehe das absolut als ein Miteinander.”

Ihre Hauptaufgabe bestehe vor allem darin, in Deutschland Spendengelder zu sammeln, um die Menschen vor Ort zu unterstützen. 2000 gründete von Wülfing die Hilfsorganisation „Alavanyo e.V.”, bei der sich auch Prominente wie der Schauspieler Horst Janson engagieren. Von den Spenden konnten unter anderem ein Kindergarten, zwei Schulen und ein Mädchenwohnheim gebaut werden. Ein zusätzliches Patenschaftsprojekt ermöglicht inzwischen fast 100 ghanaischen Kindern eine Krankenversorgung sowie eine Ausbildung.

So manch einem „ihrer” Ghanaer wurde auch schon in Deutschland geholfen. 2002 wurde der krebskranke 16-Jährige Sitsofe in einer Klinik im nordrhein-westfälischen Krefeld operiert. Sein Landsmann Togbe wurde im schleswig-holsteinischen Ahrensburg an der Bandscheibe behandelt.