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Rain am Lech: Uli, der Lebensretter: Der kleine Held von Rain am Lech

Rain am Lech : Uli, der Lebensretter: Der kleine Held von Rain am Lech

Geistesgegenwärtig hat er reagiert, der elfjährige Uli Stegmair aus dem schwäbischen Rain am Lech - und ist damit zum Lebensretter seiner Mitschüler geworden: Wie fast jeden Tag wird Uli am Donnerstagmorgen als einer der letzten Wartenden vom Schulbus aufgesammelt. Er setzt sich zum Anton, dem 71-jährigen Busfahrer aus dem Raum Augsburg, mit dem er befreundet ist.

Die hinteren Plätze im Schulbus sind mit etwa 70 plappernden und scherzenden Schulkindern voll besetzt, in etwa 20 Minuten soll die Schule beginnen. Uli ist auf dem Weg zur Realschule - da passiert es.

Um 7.44 Uhr, so der Polizeibericht, sackt Anton in seinem Fahrersitz zusammen und verliert das Bewusstsein. Der Bus macht sich selbstständig, überquert die Straße und rollt auf einen fünf Meter tiefen Abhang zu, der nur mit einer rund 30 Zentimeter hohen Leitplanke gesichert ist. Uli erkennt die Situation blitzschnell und reißt den linken Hebel am Fahrersitz, die Handbremse, nach oben. Der Bus rollt in die Planke, bremst und bleibt über dem Abhang stehen, mit einem Vorderrad schon in der Böschung. Ohne Ulis Geistesgegenwart wäre der Schulbus mit Sicherheit den Abhang hinunter gestürzt. Nicht auszumalen mit welchen Folgen.

„Mein Uli ist technisch gewieft, der hat beim Mitfahren zugeschaut und gelernt, wie das geht”, erzählt Vater Eduard nach dem glücklichen Ausgang. „Der Uli ist ein robuster Kerl und danach gefasst in die Schule gegangen. Ich habe ihn dann aber abgeholt”, sagt der Vater, der einerseits sehr erleichtert ist, dass nichts passiert ist, dann aber doch so verwirrt ist, dass ihm der Geburtstag vom Uli nicht mehr einfällt. Erst auf Nachfrage bei Ulis Mutter erinnert er sich wieder: „Am 26. Oktober 1995 ist er geboren”, sagt er und lacht verlegen.

Um den Anton hat sich Uli große Sorgen gemacht. Als er erfährt, dem Busfahrer gehe es nach dem Schwächeanfall wieder besser und es bestehe keine Lebensgefahr, ist er erleichtert, dass „der Anton wieder in Ordnung ist”. Und ein bisschen Stolz ist Vater Eduard schon auf seinen kleinen Helden von Rain am Lech. „Wir haben daheim eine kleine Nebenerwerbs-Landwirtschaft und einen Lkw, da ist der Uli oft mitgefahren, der kennt sich bei technischen Sachen gut aus”, erzählt der Vater, im Hauptberuf Freiberufler in der IT-Branche, weiter.

Er selbst sei vor 30 Jahren mit derselben Buslinie täglich zur Schule gefahren, nie sei etwas passiert, auch jetzt nicht, Gott sei Dank, sagt er. Den Uli will Vater Eduard vom Medienrummel fern halten, „der soll seine Ruhe haben”. Ulis achtjährige Schwester Sabine wird mächtig stolz auf ihren Bruder sein.