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Tricksereien in Vereinen: Fußballtrainer als Schwarzarbeiter

Tricksereien in Vereinen: Fußballtrainer als Schwarzarbeiter

Aachen/Rosenheim. Beim Kampf gegen Schwarzarbeit nimmt der Zoll zunehmend auch Sportvereine ins Visier. In der jüngsten Vergangenheit habe es mehrfach Hinweise auf finanzielle Tricksereien bei Sportvereinen gegeben, sagte Zoll-Sprecher Manfred Mayr: „Das scheint durchaus verbreitet zu sein.”

So wurde zu Beispiel in einem Fall ein Trainergehalt in Höhe von 1200 Euro auf drei 400-Euro-Jobs aufgeteilt, um die Sozialversicherungsbeiträge zu sparen. Bisweilen stecke auch ein Sponsor dem Trainer oder Spielern Geld in bar zu. Oder die Vereinskasse werde so unordentlich geführt, dass Prämien entnommen werden können, ohne dass es in den Büchern auffällt.

Inzwischen sei es üblich, auch in niedrigeren Spielklassen die Fußballtrainer zu entlohnen, sagte Mayr: „Umsonst arbeitet heute keiner mehr, der eine Trainerlizenz besitzt.” Dagegen sei auch nichts einzuwenden, wenn nur die Regeln eingehalten würden. Wenn aber eine Mannschaft sich durch Schwarzgeld einen besseren Trainer leiste, sei das Wettbewerbsverzerrung. Hinzu komme der Schaden für den Staat und die ehrlichen Steuerzahler.

„Das ist einfach unfair, sowohl im sportlichen wie auch im gesellschaftlichen Sinne”, sagte Mayr. Er ermahnte die Sportvereine, „die eigene Abrechnungspraxis bei der Beschäftigung von Angestellten, insbesondere von Trainern und Übungsleitern, zu prüfen”.

Steuerberater Horst Lienig, der vom bayrischen Landessportverband als Experte engagiert wurde, verwies in Rosenheim im Gespräch mit dem Deutschen Depeschendienst darauf, dass nicht immer böse Absicht hinter steuerlichen Verstößen stecke: „Das ist sehr häufig einfach Unkenntnis der Vereinsverantwortlichen.”

Gerade wenn eine Mannschaft frisch aufgestiegen sei und dort mit neuen Anforderungen an die Spielerqualität und die Bezahlung konfrontiert werde, fehle oft die Professionalität in der Buchhaltung. Zudem sei das Steuerrecht einfach zu kompliziert. Der Unterschied zwischen Aufwandsentschädigung und Lohn sei nicht immer so leicht zu verstehen.

Auf die Spur kommt der Zoll den sportlichen Schwarzarbeitern nach Angaben von Fahnder Mayr meist durch Neider aus den Vereinen selbst. „Da gibt es immer wieder Unzufriedene, die uns mit sehr detaillierten Informationen versorgen”, berichtete er. Es könne sich also keiner sicher fühlen.