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Hamburg: Trauermarsch für getöteten Gastschüler zieht durch Hamburg

Hamburg : Trauermarsch für getöteten Gastschüler zieht durch Hamburg

Ein Trauermarsch für den vor knapp einer Woche in den USA erschossenen Gastschüler Diren ist am Freitag durch Hamburg gezogen. 600 Angehörige, Freunde und Mitschüler des getöteten 17-Jährigen schlossen sich ihm laut Polizei an.

Sie trugen ihre Trauer weitgehend schweigend auf die Straße und hielten Banner mit Aufschriften wie: „Kein Haus und Hof kann wichtiger sein als ein Menschenleben” oder „Amerika kann hier nicht weiterhin Cowboy spielen” in die Höhe. Auch kritische Forderungen waren zu sehen: „Wir fordern eine gerechte Strafe” oder „Legaler Mord?!”. Ein 19-jähriger Freund sagte vor Beginn des Marsches jedoch: „Wir sind hier zu trauern, wir wollen nicht gegen Politik demonstrieren.” Immer wieder brandeten beim Marsch gemeinsame „Diren, Diren”-Rufe auf.

Angehörige der Familie und enge Freunde gingen vorneweg. Sie trugen schwarze T-Shirts mit der Aufschrift „Du wirst immer in unserem Herzen weiterleben”. Einer von ihnen hielt einen herzförmigen Blumenkranz vor der Brust. Dahinter war auf vielen Plakaten eine Botschaft immer wieder zu lesen: „Was nicht ist, das kann noch werden” - Direns letztes Status-Update im Messenger-Dienst Whatsapp, wie der 19-jährige Freund erklärte.

Vor dem US-Generalkonsulat legten die Angehörigen einen Blumenkranz aus roten Rosen vor dem Stahlgitter am Eingang nieder und zündeten Tee- und Grablichter an. Eine junge Nachbarin sagte vor einer Schweigeminute ein Gedicht auf: „Wie gutmütig du warst, hast du bewiesen. Jetzt bist du ein Engel und kannst fliegen.” Ein weiterer Freund sprach durch das Megafon zur versammelten Trauergemeinde: „Du warst der Beste, du warst ein unglaublich schlauer Mensch. Wenn wir jetzt einen Schutzengel haben, dann bist du das.”

Diren war in der Nacht zum Sonntag in Missoula im US-Bundesstaat Montana in der Garage eines Fremden erschossen worden. Vereinskollegen und Freunde veranstalteten bereits am Mittwochabend in Hamburg-Altona ein Benefiz-Fußballspiel, zudem wurde für die Familie ein Spendenkonto eingerichtet. Inzwischen seien so insgesamt rund 30.000 Euro zur Deckung von Reise- und möglichen Gerichtskosten zusammengekommen, sagte der Freund weiter.

Zu einem weiteren Benefizspiel will der FC St. Pauli am kommenden Mittwoch (18.30 Uhr) im Stadion Hoheluft gegen den SC Teutonia 1910 - Direns Heimatverein - antreten. Die Einnahmen kommen der Familie des 17-Jährigen zu Gute, wie der FC St. Pauli mitteilte.

Wann Direns Leiche nach Deutschland am Wochenende überführt wird, sei noch nicht klar, sagte ein Onkel von ihm der Nachrichtenagentur dpa am Rande der Trauerfeier. Zudem erklärte er, dass die Mordkommission in Deutschland ihre Ermittlungen aufnehmen und die Leiche untersuchen wolle. Dies hätten die Ermittler am Freitag der Familie mitgeteilt.

(dpa)