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Hamburg: Tragödie verhinderte Titel: Von Trips erster deutscher Formel-1-Star

Hamburg : Tragödie verhinderte Titel: Von Trips erster deutscher Formel-1-Star

Er war der erste deutsche Formel-1-Star, stammte aus der selben Gegend wie Michael Schumacher, und er war auf dem besten Wege, erster deutscher Weltmeister in der „Königsklasse” zu werden: Doch die Tragödie von Monza verhinderte 1961 den Triumph von Wolfgang Graf Berghe von Trips.

Als der 33 Jahre alte Rheinländer im vorletzten Saisonlauf am 10. September 1961 tödlich verunglückte, stand Deutschland unter Schock. Der schnelle Reichsgraf hatte mit seinen Erfolgen eine Begeisterung bei seinen Landsleuten für den Grand-Prix-Sport ausgelöst, wie es sie seit den Erfolgen der Silberpfeile in den Jahren 1954/55 nicht mehr gegeben hatte. Posthum wurde von Trips, der am Sonntag (4. Mai) vor 80 Jahren in Köln geboren wurde, zum „Sportler des Jahres” gewählt.

Von Trips hatte seine Karriere 1950 im Sattel einer BMW 500 R51 begonnen. 1954 stieg er - zunächst unter dem Pseudonym „Axel Linther” startend - auf vier Räder um. 1957 wurde er Mitglied der Scuderia Ferrari. Doch zunächst setzte der legendäre „Commendatore” Enzo Ferrari den Deutschen nur sporadisch ein. Seinen Ruf als vorbildlicher Sportsmann unterstrich von Trips 1957 während der Mille Miglia, als er seinem Teamkollegen Piero Taruffi den Sieg überließ. Er attackierte den führenden Italiener auf den letzten Kilometern nicht, weil der sich wegen eines Defekts nicht zur Wehr setzen konnte.

Von Trips galt allerdings nicht nur als ausgesprochen fairer Pilot. Gelobt wurde er auch wegen seines Mutes. Schwere Unfälle in Monza - 1960 bei Tests und während des Grand Prix 1958 - sowie 1957 auf dem Nürburgring hatten ihm den Spitznamen „Count Crash” eingebracht. Vor einem Rennen auf der Berliner Avus bat ihn seine Mutter in einem Brief: „Übertreibe nichts, ziehe in der schrägen Kurve einen breiten Gürtel an, sei nicht leichtsinnig.” 1960 wurde von Trips WM-Sechster, „Der Spiegel” widmete ihm eine zwölfseitige Titelstory.

In der folgenden Saison griff er nach den Sternen. Gemeinsam mit seinem amerikanischen Teamkollegen Phil Hill beherrschte „Taffy” - wie ihn die Briten wegen seiner Tapferkeit nannten - die Formel-1- Szene. Der Ferrari Tipo 156 war der Konkurrenz überlegen. Am 22. Mai gewann von Trips im niederländischen Zandvoort seinen ersten Grand Prix. Mitte Juli schlug er im verregneten Aintree zu, wo er den britischen WM-Lauf für sich entschied.

Von Trips reiste im September als Titelanwärter zum siebten und vorletzten WM-Lauf des Jahres nach Italien. 33 WM-Punkte hatte er auf seinem Konto. Phil Hill lag vier Zähler zurück. Von Berghe hielt dem nervlichen Druck in Monza stand und sicherte sich erstmals eine Pole Position. Er hatte sogar die Ruhe, am Mittag des Renntages für eine deutsche Zeitung im Mailänder Stadtverkehr einen VW 1500 zu testen.

Kurz nach dem Start des Rennens kollidierte der Ferrari des Rheinländers vor der „Parabolica” mit dem Lotus des Schotten Jim Clark. Der rote Bolide schleuderte eine Böschung hinauf, wo er zweimal gegen den Sicherheitszaun schlug, hinter dem sich die Fans drängten. Von Trips, der während des Crashs aus dem Cockpit katapultiert wurde, und elf Zuschauer starben. Vier weitere erlagen später ihren schweren Verletzungen.