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Weilheim: „Tränen lügen nicht”: Schlagersänger Michael Holm wird 65

Weilheim : „Tränen lügen nicht”: Schlagersänger Michael Holm wird 65

Noch rufen die Veranstalter an. „Natürlich frage ich mich: Wollen die Leute dich überhaupt noch hören? Wenn keiner mehr anruft, ist Schluss”, sagt Michael Holm („Tränen lügen nicht”). Aber seine Düsseldorfer Managerin Christiane Wagner hat auch 30 Jahre nach den großen Erfolgshits alle Hände voll zu tun.

Bis zu 50 Auftritte im Jahr absolviert der seit den 1970er Jahren bekannte Schlagersänger („Mendocino”) noch heute. Am 29. Juli feiert der im oberbayerischen Weilheim lebende Sänger seinen 65. Geburtstag.

Seit Ende der 1960er Jahre war der schlaksige Mädchenschwarm mit dem smarten Lächeln mit 21 Singles in den deutschen Verkaufscharts vertreten, sieben Titel schafften es in die Top 10. Songs wie „Barfuß im Regen” oder „Musst Du jetzt gerade gehen, Lucille” wurden von Millionen Menschen unter der Dusche gesungen. Mit „Tränen lügen nicht” hielt er sich lange auf Platz 1 der Charts.

Michael Holm kommt am 29. Juli 1943 unter dem bürgerlichen Namen Lothar Walter in Stettin in Pommern auf die Welt. Zwei Jahre später findet die Familie in Erlangen eine neue Bleibe. Zu Hause wird viel musiziert, die vier Geschwister nehmen den Flöte spielenden kleinen Bruder mit in Konzerte mit klassischer Musik. „Seitdem schwärme ich für die Musik von Johann Sebastian Bach”, erinnert sich Michael Holm.

Vom ersten selber verdienten Geld kauft sich der Gymnasiast eine Schlaggitarre. Er gründet eine Band und zieht mit RocknRoll durch die Kneipen. Heimlich schreibt er mit 15 seine ersten Lieder. 1961 erscheint die erste Solosingle „Das Lied von der Liebe”.

1964 steht er mit Nana Mouskouri und Heidi Brühl auf der Bühne. Zwar lässt der Erfolg mit einem selbst gesungenen Titel auf sich warten, aber als Texter, Komponist und Produzent hat er bereits mit Anfang 20 so viel Erfolg, dass er das Jurastudium an den Nagel hängt.

Als er seine Sängerkarriere 1969 schon aufgeben will, gelingt ihm mit der deutschen Version von „Mendocino” der Durchbruch. Nur ein Jahr später heimst er damit zwei Goldene Schallplatten ein und ist mit Songs wie „Baby, du bist nicht allein” Stammgast in den Hitparaden. Auch der Schlager „Fiesta Mexicana” von Rex Gildo stammt aus seiner Feder. Bis heute hat Michael Holm nach eigenen Angaben über 800 Titel geschrieben - Sänger wie Howard Carpendale, Peter Maffay, Mary Roos oder Drafi Deutscher waren die Interpreten.

Eine Südamerikareise animiert Michael Holm 1978 zur Gründung der Instrumentalgruppe Cusco, mit der bis heute fast 20 Alben entstehen. „Die schönen Erfahrungen dieser Zeit habe ich in romantische Musik umgesetzt”, sagt Michael Holm zu den überwiegend am Synthesizer entstandenen Kompositionen.

In den 1980er Jahren zieht er sich von der Bühne weitgehend zurück, verlegt sich ganz auf das Texten, Komponieren und Produzieren, etwa 1998 für Guildo Horn. Doch 2004 kehrt Michael Holm mit dem Soloalbum „Liebt Euch!” als Interpret eigener Lieder zurück, 2007 erscheint die CD „Mal die Welt”.

Zur gegenwärtigen Talentsuche im Fernsehen wie der Sendung „Deutschland sucht den Superstar” hat Michael Holm eine „ambivalente Haltung”. Zwar seien viele Talente mit tollen Stimmen zu hören. „Aber die Art und Weise, wie einer kurzfristig aufgepumpt und die Luft dann wieder ausgelassen wird, ist die andere Sache.” Das schnelle „Ex-und-Hopp-Denken ist kontraproduktiv”. Ohne den Namen Dieter Bohlen in den Mund zu nehmen, sagt Michael Holm, dass ihn „der teils entwürdigende Umgang” der Juroren mit den Teilnehmern anwidert. „Das geschieht doch nur, um Skandale zu produzieren.”

Er selbst hat es bisher ganz ohne Skandale geschafft, im Showgeschäft präsent zu bleiben. „Nichts ist so langweilig wie der Skandal von gestern”, sagt Michael Holm über die Affären so manches Kollegen. Lieber geht er ins Fitnessstudio. „Da walke ich in einer Stunde den ganzen Körper durch.”

Und dann ist da noch die Familie, mit der er seit 1989 in Weilheim lebt. „Ich bin glücklich verheiratet und habe zwei hübsche Kinder, die noch dazu gescheit sind”, schwärmt der Familienmensch, ehe er in den Zug nach Köln steigt - der nächste Auftritt wartet. Denn noch wollen ihn seine Fans ja hören.