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Hamburg: „Thor Steinar”: Naziladen auf Hamburgs Shoppingmeile

Hamburg : „Thor Steinar”: Naziladen auf Hamburgs Shoppingmeile

Die Fußgängerzone nahe Rathaus und Binnenalster ist schon am Vormittag belebt. Viele Passanten und Touristen gucken im Vorbeigehen verwundert zum Eingang der HSH Nordbank Shopping Passage in Hamburg.

Zehn Polizeibeamte bilden dort einen Riegel. Hinein darf nur, wer nicht nach linker Szene aussieht oder seinen Personalausweis vorzeigt. Im Inneren der Passage stehen Beamte vor dem am Donnerstag eröffneten Laden „Brevik”. Ein Geschäft, das ausschließlich Kleidung der in der rechten Szene beliebten Marke „Thor Steinar” verkauft.

„Das ist ungeheuer peinlich”, räumt Christian Buchholz, Sprecher der HSH Nordbank, ein. Die Passage ist im Besitz der Bank, die Geschäftsräume werden von einem Tochterunternehmen vermietet. Erst eine halbe Stunde vor der geplanten Eröffnung habe die Bank erfahren, dass sich hinter dem Mieter Protex die Marke „Thor Steinar” verbirgt. Wie in der Vergangenheit Vermieter in Berlin, Leipzig und Magdeburg fühlt sich nun auch die Bank arglistig getäuscht.

Auch in der Fußgängerzone sind am Freitag Polizeibeamte im Einsatz. Nachdem am Vortag rund 100 Demonstranten der linken Szene in der Passage protestiert und die vorübergehende Schließung des Ladens erreicht hatten, sprechen die Beamten nun Platzverweise an Gruppen ab drei Leuten aus, die nach alternativer Szene aussehen.

Auch Mitarbeiter benachbarter Geschäfte sind fassungslos, dass der links-alternativen Klientel der Zugang zu der Passage verweigert wird, während die rechte Kundschaft im „Thor Steinar”-Laden einkaufen darf. „80 Prozent unserer Kunden sind linkes Publikum”, sagt der Mitarbeiter eines Ladens für Gothic-Bekleidung und Fanartikel des traditionell linken Fußballclubs FC St. Pauli. „Hier sind viele links-alternativ und Ausländer”, erzählt die Friseurin einer Salonkette. Vor der Eröffnung seien bei „Brevik” die Scheiben abgehängt gewesen.

Eine Polizeisprecherin streitet eine Ungleichbehandlung von Angehörigen der linken und rechten Szenen ab. „Jeder darf rein- und rausgehen”, sagt sie. Nur Störer würden des Platzes verwiesen.

Die Firma Protex setzt offenbar bewusst auf die Ahnungslosigkeit der Vermieter. Die Geschäftsführung mietet Räume unter verschiedenen Namen an. Das Unternehmen firmiert auch unter dem Namen Mediatex, im Magdeburger Hundertwasserhaus hatte „Thor Steinar” im Juli 2007 unter der Firmenbezeichnung „Uwe Meusel Factory” einen Laden angemietet.

Meusel ist wiederum Geschäftsführer der Brandenburger Unternehmen Mediatex und Protex, von denen die Marke hergestellt und vertrieben wird. Im Brandenburger Verfassungsschutzbericht 2007 heißt es, „das Tragen von Thor Steinar dient als identitätsstiftendes Erkennungszeichen unter Rechtsextremisten”.

„Das ist eine sehr peinliche Panne”, sagt Banksprecher Buchholz. Eine „Panne”, die teuer werden kann. In Leipzig wird eine Räumungsklage gegen „Thor Steinar” nicht vor Oktober entschieden, in Magdeburg wird seit über einem Jahr vor Gericht verhandelt.

Von der HSH Nordbank wurde Protex nun angeblich mit einem Dreijahresvertrag mit Option auf Verlängerung ausgestattet. Die Bank verhandelt mit dem unliebsamen Mieter. Darüber, ob sie notfalls bereit ist, ihn abzufinden, wird offiziell noch geschwiegen.