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Dettenhofen: Tabakschnupfen: Wer niest, ist draußen

Dettenhofen : Tabakschnupfen: Wer niest, ist draußen

„Schnupfer fertig machen, Dose öffnen, fertig, los!” Wenn dieses Signal ertönt, wissen die Mitglieder des Schnupfclubs (SC) Dettenhofen im bayerischen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen genau, was zu tun ist.

Fünf Gramm Schnupftabak, etwa ein Esslöffel voll, sollen innerhalb einer Minute in die eigene Nase befördert werden. Und das am besten, ohne zu krümeln.

In den vergangenen Wochen haben Dettenhofens Schnupfclub-Chef Christian Knauer junior und seine Schnupfkollegen Hermann Siegl, Johann Angermayr und Richard Ilg regelmäßig trainiert, um für die Bayerischen Schnupfmeisterschaften am Samstag in Dettenhofen fit zu sein. Die Schnupfer finden sich zweimal wöchentlich abends zum „Trainingslager” in der Vereinsgaststätte „Hackl” ein. In dieser Woche ist Meisterschaftsendspurt.

Zahlreiche Fotos, Urkunden und Teller an den Wänden künden beim „Hackl” von der bereits 44-jährigen Geschichte des SC Dettenhofen. Eine große Vitrine voller polierter Pokale zeugt von den vielfachen Erfolgen des Clubs. Stolz präsentiert Knauer einen kleinen goldenen Pokal von 1967. Damals gewann Willy Amrehn für den SC die erste Deutsche Schnupfmeisterschaft.

Beim Training sitzt SC-Vorstand Knauer hinter der Waage und befüllt die Schnupftabakdosen. Für die Meisterschaften übernimmt allerdings der Präsident des Schnupfverbands Deutschlands, Alfons Lechler, persönlich das Befüllen der Dosen. Damit auch alles korrekt abläuft, denn „das mit dem Bescheißen ist immer so eine Sache”, berichtet Knauer.

Knauers Schnupfkollegen Angermayr und Ilg starten schließlich den ersten von drei Trainingsdurchgängen. Beide müssen sich ein sogenanntes Latzl um den Hals hängen. Die dünne Plastikserviette mit dem Vereinswappen darauf wird auf den Tisch gelegt und soll dazu beitragen, dass auch ja kein Krümelchen Tabak ungesehen verschwindet.

Als „Geheimwaffe” kleben sich die Wettkämpfer außerdem einen spitzen künstlichen Fingernagel aus Kupfer auf. Damit komme man besser in die Ecken der Tabakdose, erklärt Siegl. Dann wird es spannend: Die Konkurrenten klopfen schon mal den Tabak in eine der hinteren Ecken der Dose. Als dann das Signal ertönt, beginnen die Schnupfer, sich den Tabak wie wild in die Nase zu schieben. Die Stoppuhr läuft. Die Gesichter der Männer verzerren sich. „Manchmal kommt es auch zu Tränen, wenn der Tabak zu weit nach oben in die Nase gelangt”, erklärt Knauer. Er hat die Stoppuhr genau im Blick und gibt die verbleibenden Sekunden an: „30, 45, 55, aus!”

Angermayr und Ilg halten inne. Sie dürfen jetzt nur noch den Rest auf dem Fingernagel in die Nase ziehen. Die Anstrengung steht ihnen in Form eines Tabakbarts ins Gesicht geschrieben. Während die beiden Schnupfer sogleich den Raum verlassen, um den Tabak loszuwerden, machen sich Siegl und Knauer an die Auswertung der Ergebnisse.

Zunächst werden sogenannte Sauberkeitspunkte vergeben, höchstens 20 an der Zahl. Je weniger Tabak beim Schnupfen daneben gegangen ist, desto mehr Punkte können erzielt werden. Anschließend werden die Tabakreste aus der Dose und von der Serviette akribisch eingesammelt und gewogen. Die vergebenen Sauberkeitspunkte werden durch 100 geteilt und mit der geschnupften Menge addiert. Angermayr schlägt Ilg mit 4,96 zu 4,95. Bei den Meisterschaften selbst kann man nur innerhalb einer Mannschaft von sechs Wettkämpfern antreten. Frauen sind mit etwa zehn Prozent in gemischten oder reinen Damenteams vertreten.

„Beim Schnupfen kommt es vor allem auf Übung, Training, Geschicklichkeit und die Vermeidung von Fehlern an”, erklärt Knauer. Schlecht sei zum Beispiel, wenn einem der Tabak wieder aus der Nase fällt. Und wer niesen müsse, werde disqualifiziert.