Münster: Spurensuche nach Amokfahrt in Münster geht weiter

Münster : Spurensuche nach Amokfahrt in Münster geht weiter

Nach der Amokfahrt mit insgesamt drei Toten in Münster wollen die Ermittler eine Art Bewegungsprofil des 48-jährigen Todesfahrers erstellen. „Wir konzentrieren uns jetzt mit unseren Untersuchungen insbesondere darauf, ein möglichst umfassendes Bild über das Verhalten des Täters in den Vorwochen zu erhalten”, sagte der Polizeipräsident von Münster, Hajo Kuhlisch. So wollten die Ermittler dessen Motivation für die blutige Tat verstehen.

Am Sonntag war bekannt geworden, dass der gebürtige Sauerländer wegen psychischer Probleme Kontakt zum Gesundheitsamt in Münster hatte und suizidale Gedanken formuliert hatte. Bei dem blutigen Zwischenfall vor einem Lokal in der belebten Innenstadt wurden am Samstag rund 20 Menschen verletzt.

Spurensicherung arbeitet am Tatfahrzeug. Bei der Amokfahrt mit einem Kleintransporter wurden zwei Menschen getötet. Anschließend erschoss sich der Täter selbst. Foto: David Young

Laut Polizei schweben noch zwei der Verletzten in Lebensgefahr. Insgesamt waren bei der blutigen Tat am Samstagnachmittag rund 20 Menschen verletzt worden. Die NRW-Opferschutzbeauftragte Elisabeth Auchter-Mainz will im Laufe des Montags mit den Betroffenen und den Verletzten in Münster zusammenkommen. Über ihren Sprecher rief sie dazu auf, die unschuldigen Betroffenen einer Tat wie in Münster nicht zu vergessen.

Der Tatwagen wird abgeschleppt. Foto: Marius Becker

„Nach einer tragischen und blutigen Tat wie dieser ist es wichtig, den Opfern die Hilfe anzubieten, die sie benötigen, kurzfristig und auch auf lange Sicht”, sagte der Sprecher des zuständigen NRW-Justizministeriums, Peter Marchlewski, der dpa. „Opfer sind unschuldig. Und sie geraten auch in der Diskussion über eine solche Tat zu schnell in Vergessenheit.”

Blumen und eine Kerze vor dem Restaurant Kiepenkerl in der Altstadt von Münster. Foto: Marcel Kusch

Auchter-Mainz werde die Gespräche in Münster im Vertrauen und nicht öffentlich führen, betonte ihr Sprecher weiter. „Wir wollen zeigen, dass das Land und die Landesregierung für die Opfer da sind, wenn die Kameras weg sind.”

Bundesinnenminister Horst Seehofer neben dem Brunnen an der Gaststätte „Großer Kiepenkerl” in der Altstadt von Münster. Foto: Marcel Kusch

Nach Angaben der Polizei gibt es weiterhin keine Hinweise auf ein politisches Motiv für die Amokfahrt oder auf weitere Täter. Der Täter, ein Industriedesigner, sei bereits mit Suizid-Gedanken aufgefallen. Ende März habe er eine Mail an mehrere Bekannte geschrieben, teilte die Polizei mit. „Aus dem Inhalt ergaben sich vage Hinweise auf suizidale Gedanken, aber keinerlei Anhaltspunkte für die Gefährdung anderer Personen.” Nach Medienangaben hatte der Mann in der Mail und auch in einem langen Schreiben, das in seiner weiteren Wohnung im sächsischen Pirna gefunden wurde, über Schuldkomplexe, Zusammenbrüche und Ärztepfusch geklagt.

Polizisten stehen am frühen Morgen in Münster in einer Gasse vor einer Absperrung. Foto: Marcel Kusch

Der Polizeipräsident von Münster, Hajo Kuhlisch, sagte, die Ermittler gingen daher davon aus, „dass die Motive und Ursachen in dem Täter selber liegen”. Nach dpa-Informationen stammt der Mann aus dem sauerländischen Olsberg, er wuchs in Brilon auf und lebte seit längerer Zeit in Münster.

Fahrzeuge der Rettungsdienste in Münster. Foto: Bernd Thissen

Nach Ansicht des Kriminologen Christian Pfeiffer zeigt der Täter von Münster alle Merkmale eines Amokläufers. Der Mann sei offenkundig „ein einsamer Wolf ohne soziale Bindung und sozialen Erfolg”, sagte Pfeiffer der „Nordwest-Zeitung” (Montag) in Oldenburg. Aus so einer Ohnmachtserfahrung könne sich der Wunsch nach Macht entwickeln. „Der Amokläufer möchte Herr über Leben und Tod anderer Menschen sein, möchte die Panik in ihren Augen sehen, wenn er sie mit tödlicher Wucht angreift”, sagte Pfeiffer. „Das soll ihn entschädigen für all die Niederlagen und Demütigungen, für die er andere verantwortlich macht.”

Das Tatfahrzeug am Ort des Geschehen. Foto: David Young

Nach den Bildern aus Münster suchen auch die Einwohner der Stadt weiter nach Erklärungen. „Die Menschen haben jetzt gemerkt, dass es auch für sie ein Restrisiko gibt. Nicht nur Berlin oder München - nein, es kann auch uns in Münster treffen, das haben die Menschen jetzt begriffen”, sagt der Münsteraner Psychologe Steffen Fliegel.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) forderte Kommunen auf, selbst vor Ort zu prüfen, wie ihre Innenstädte gesichert werden könnten. „Absolute Sicherheit gibt es einfach nicht”, sage Reul der in Heidelberg erscheinenden „Rhein-Neckar-Zeitung” (Montag). „Wir können nicht jede Gewalttat verhindern, müssen aber wachsam sein.”

Derweilt verdichten sich die Hinweise darauf, dass es sich um einen Einzeltätet handelt. „Es sieht ganz so aus, dass es sich um einen psychisch labilen und gestörten Täter handelt, der offensichtlich schon länger darüber nachgedacht hat, sich das Leben zu nehmen”, sagte der t Reul am Montagmorgen im Deutschlandfunk. Es würden zwar nach wie vor auch mögliche andere Hintergründe geprüft. „Aber es spricht schon sehr, sehr viel dafür, dass es ein Einzeltäter war.”

Bei einem Gespräch mit dem WDR 5 fügte Reul außerdem hinzu, Dder Amokfahrer von Münster habe keinen eigenen Waffenschein besessen, als er sich nach der blutigen Tat in seinem Wagen erschoss. „Er hatte keinen Waffenschein. Es war keine ordnungsgemäß erworbene Waffe”, sagte der NRW-Innenminister.

Der 48 Jahre alte Amokfahrer sei bereits auffällig gewesen und der Polizei bekannt, weil er kleinere Straftaten begangen habe. Auch wussten die Gesundheitsbehörde vom angeschlagenen Zustand des Mannes, der diesen laut Polizei auch in einem Schreiben an Bekannte beschrieben hat. Aber: „Wenn jemand darüber nachdenkt, sich das Leben zu nehmen, ist dadurch nicht automatisch daraus zu schließen, dass er auch anderen Menschen Gewalt antun wird”, sagte Reul.

(dpa)