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Rom: Spritzige Spionage-Komödie mit Starbesetzung

Rom : Spritzige Spionage-Komödie mit Starbesetzung

Die Fans und die Kritiker lagen George Clooney und Brad Pitt zu Füßen: Bei der Weltpremiere auf dem Filmfestival von Venedig gab es Ende August begeisterten Beifall - und schon kurz darauf bescherte „Burn After Reading” den Regisseuren Joel und Ethan Coen ihr bestes Startergebnis in den USA.

Jetzt kommt die amüsante Fingerübung der Oscar-gekrönten Brüder aus Minneapolis mit dem einzigartigen Duo Clooney-Pitt auch in die deutschen Kinos: eine schwarze Spionage-Komödie über Geheimagenten, Sex als Droge, Geldgier, Fitness-Wahn und fixe Schönheitsideen. Ein hochkarätiges Team von Darstellern, denen man im Film den enormen Spaß ansieht, den sie bei den Dreharbeiten gehabt haben müssen, kann sich hier richtig ausleben und dabei auch schon mal schauspielerisch überziehen. Wem verzeiht man das, wenn nicht diesen Regie-Meistern?

Sicher, auch in diesem Coen-Werk fließt Blut, es gibt Leichen. So muss der dümmliche, aber blendend aussehende blonde Fitnesstrainer Chad Feldheimer (Brad Pitt) gehörig leiden. Aber „Burn After Reading” („Wer verbrennt sich hier die Finger?”) bleibt eine Komödie am Rand der politischen Farce. Die Coen-Brüder lieben die Abwechslung: Ihre Posse über Deppen und Depressionen, über Mauscheleien und Marotten folgt auf den brutalen Thriller „No Country For Old Men”.

Und das ist der Stoff für diese leichtere und gut portionierte Kost der Coens: Der gefeuerte CIA-Agent Ozzie Cox (John Malkovich) widmet sich neben dem Alkohol seinen „Memoiren”, die in die Hände der Fitnesstrainerin Linda Litzke (Frances McDormand) fallen. Die wittert sofort Geld für ihre langersehnte Schönheitsoperation. Man könnte den CIA-Agenten ja erpressen oder irgendwie anders Kapital daraus schlagen.

Dazwischen funkt dann allerdings der sexuell recht umtriebige Finanzbeamte Harry Pfarrer (Clooney). Die ganze Sache läuft ziemlich aus dem Ruder, und auch die Russen kommen ins Spiel - schließlich spielt das Kuddelmuddel mit den aneinandergereihten Pointen rund um die amerikanische Hauptstadt Washington, diese von Intrigen, Krisen, schrägen und überspannten Typen geprägte Schaltzentrale der Nation.

Die turbulente Komödie gehört zur ihrer „Idioten-Trilogie”, wie Joel und Ethan Coen es nennen. Dazu zählt auch „O Brother, Where Art Thou?” von 2000 - ebenfalls mit George Clooney, der sich zum Schein deshalb schon Sorgen um seinen Ruf machte. „Idioten-Trilogie” wohl deshalb, weil ein ganzer Strauß von Midlife-Problemen in „Burn After Reading” mit nicht gerade intelligenten Mitteln angegangen wird.

Clooney als sexbesessener Womanizer und Pitt als leicht debiler Muskelfachmann im Fitness-Studio - dieses fantastische Duo gibt den Ton an und zieht andere Stars wie Tilda Swinton, John Malkovich und Frances McDormand (Joel Coens Ehefrau) problemlos mit. Das erfolgsverwöhnte Brüderpaar meinte in Venedig, unverbindlich und locker wie meist: „Wir wollten einfach nur ein Spy-Movie machen.”

In kurzen, knackigen Szenen, in einem Verwirrspiel um Wahn und Wirklichkeit ergibt das Puzzle ein irritierendes Fazit. „Wenn man wüsste, was man falsch gemacht hat, könnte man es das nächste Mal besser machen.” Warum aber gibt es so viele deutsch klingende Namen in dem Film? Auch darauf konnten - oder wollten - die Coen-Brüder in Venedig nicht klar antworten. Sie sonnten sich in der Gewissheit, eine weitere ihrer launigen Komödien hingelegt zu haben. Diese können, wie „The Ladykillers” mit Tom Hanks zeigte, größere Kassenknüller sein als ihre dramatischen Kultfilme „Fargo” oder „The Big Lebowski”.

Die allerdings haben nicht nur aus Sicht eingefleischter Coen-Fans längst Filmgeschichte geschrieben.