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Engelskirchen: Senioren schütten dem Christkind ihr Herz aus

Engelskirchen : Senioren schütten dem Christkind ihr Herz aus

Was sie sich wünschen, kostet meist nichts: Gesundheit, Kraft oder einfach eine Antwort. „51766 Engelskirchen” lautet die Postadresse des Christkinds, wohin diese Wünsche gehen. Im weihnachtlichen Postamt kommen täglich bis zu 20 große Kisten gefüllt mit hunderten Briefen an: lange und kurze, bunte und blanke, mit und ohne Basteleien.

Vor allem Kinder schicken ihre Herzenswünsche, träumen von Zimmer-Aufräum-Maschinen, Digitalkameras und guten Noten. Doch auch immer mehr Senioren greifen zum Füller. „Das hat sehr stark zugenommen”, sagt Britta Töllner, Koordinatorin des Christkind-Büros. Auf rund ein Drittel sei die Zahl der Briefe von älteren Menschen in den vergangenen Jahren gestiegen.

Es sei die Einsamkeit, der Wunsch, einen Brief zu bekommen, sich seine Sorgen von der Seele schreiben zu können oder einfach die Bitte, den Enkelkindern Post vom Christkind zu schicken, erzählt Töllner. „Sie schreiben, obwohl sie natürlich wissen, dass es das Christkind nicht gibt.”

Nicht nur Einzelne, auch Senioren-Turngruppen oder Senioren-Heime bitten um die weihnachtlichen Antwortbriefe mit Engelstempel und Weihnachts-Sondermarke. „Mit den Briefen bewahren sie sich ihre Erinnerungen an die Kindheit”, sagt Birgit Müller, die seit zwölf Jahren zur Postengel-Crew des Christkinds zählt.

99 Jahre war die Älteste, die jemals einen Brief zur beliebtesten Christkind-Adresse in Deutschland nach Engelskirchen bei Köln geschickt hat. Gestrickte Socken lagen dabei - als Dank für die Briefe des Christkinds und seine fleißigen Engel-Helfer. Auch Kekse und Strohsterne stecken öfter drin.

„Von dem Wunsch einer alten Damen waren wir einmal so gerührt, dass wir ihr eine Puppe als Erinnerung an Kindheitstage geschickt haben”, erzählt Sylvia Blesing, Beauftragte des größten deutschen Weihnachtsmann-Postamtes in Himmelpfort (Brandenburg). Normalerweise verschickten Weihnachtsmann und Christkind nur ihre liebevoll gestalteten Antwortbriefe.

Rund 260 000 Briefe landeten 2005 in Himmelpfort, in Engelskirchen kamen im vergangenen Jahr etwa 100 000 Wunschzettel an. Kinder, Jugendliche wie Senioren schreiben - mit stetig steigender Tendenz, wie es von den Postämtern heißt. „Ich bekomme hier die Weihnachtsfreude pur mitgeliefert”, erzählt Birgit Müller, die in der Adventszeit dem Christkind in Engelskirchen hilft, täglich hunderte Postsendungen zu öffnen. „Die Briefe geben mir das Gefühl, dass hinter dem Weihnachtsfest mehr als Kommerz steckt.”

Während sich Kinder vor allem Spielzeug unterm Weihnachtsbaum erhofften, stünden bei den Älteren nicht bezahlbare Wünsche wie Gesundheit an erster Stelle, erzählt die 46-Jährige Christkind- Helferin. Doch auch in den Kinderwünschen zeige sich verstärkt der Wunsch nach Harmonie, Geborgenheit und Frieden - ganz im Sinne der Botschaft des Weihnachtsfestes.