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Hagen: „Selber-Schlagen” wörtlich genommen: Christbaum-Klau nimmt zu

Hagen : „Selber-Schlagen” wörtlich genommen: Christbaum-Klau nimmt zu

Die Schilder „Weihnachtsbäume zum Selber- Schlagen”, die an vielen Christbaum-Kulturen im Sauerland stehen, nehmen offenbar viele Menschen allzu wörtlich. „Wir finden schon häufiger frisch abgeschnittene Bäume in Straßennähe”, sagt Weihnachtsbaumproduzent Dirk Heimhard aus Hagen.

Der Schaden durch nächtliche Weihnachtsbaum-Diebe halte sich zwar in Grenzen, aber schätzungsweise jeder 1000. Baum verschwindet aus Heimhards Kulturen, ohne dass die Kasse klingelt.

Regelmäßig in der Dämmerung dreht Heimhard deshalb noch eine Runde durch seine Kulturen. „Ich fahre ohne Licht und achte auf Taschenlampen.” Sieht er aber wirklich einen Lichtkegel in der Dunkelheit, hätten die Betreffenden meist eine Ausrede parat. „Die sagen dann, dass sie einen Baum aussuchen wollen und dann auf den Hof zum Bezahlen kommen.”

Problematischer als diese Fälle ist für die Produzenten der professionelle Weihnachtsbaum-Klau. „Ich glaube, dass sich so mancher fliegende Händler in den Schonungen eindeckt”, vermutet Heimhard, der im Landesverband Gartenbau die Christbaum-Produzenten vertritt. Denn bereits mehrfach sind in diesem Jahr aus dem Kulturen gleich dutzendweise frisch geschlagene und bereits verpackte Tannenbäume abtransportiert worden.

Vor kurzem hatten sich Unbekannte in Lennestadt zugeschlagen: Aus zwei Schonungen wurden insgesamt 70 verkaufsfertig eingenetzte Bäume gestohlen. In der vergangenen Woche hatten Christbaum-Diebe in Marsberg das Tor zu einer umzäunten Schonung aufgebrochen und 15 Nordmanntannen abgesägt und mitgenommen. „Da liegt es schon auf der Hand, dass das ein gezielter Diebstahl war, um die Bäume zu verkaufen”, vermutet ein Sprecher der Polizei in Meschede.

Während Heimhard hofft, mit seiner Präsenz in der Schonung Diebe abzuschrecken, haben viele seiner Kollegen im Sauerland sich mit dem „Schwund” abgefunden. Für den Chef vom Tannenhof Tacke in Nachrodt-Wiblingwerde sind Christbaum-Streifen ein Rechenexempel: „Ich nehme lieber einen Verlust von 50 Euro in Kauf, als dass ich Personalkosten von mehreren Hundert Euro habe.”

Auch sein Kollege Martin Nieder aus Bestwig klingt frustriert. „Ich habe schon häufiger von meinem Verkaufsstand aus einen Lichtkegel in der Schonung gesehen. Aber wie soll ich da hinterher kommen.” Selbst, wenn man einen der Christbaum-Diebe erwische und anzeige, stelle die Staatsanwaltschaft das doch wegen Geringfügigkeit wieder ein.