1. Panorama

Die drei ???: Seit 40 Jahren auf der Jagd nach Bösewichten

Die drei ??? : Seit 40 Jahren auf der Jagd nach Bösewichten

Fans aller Altersklassen geraten ins Schwärmen, wenn „Die drei Fragezeichen“ ihre Fälle lösen. Bei der aktuellen Live-Tour sind große Arenen regelmäßig bis auf den letzten Platz ausverkauft. Woran liegt diese Begeisterung?

„Darf ich Ihnen unsere Karte zeigen?“ Wenn Sätze wie dieser für kollektive Begeisterungsstürme sorgen, dann können drei Personen nicht weit sein: Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews – „Die drei Fragezeichen“ aus Rocky Beach. Sie lösen seit mittlerweile 40 Jahren spannende Kriminalfälle.

Zum 40. Geburtstag sind die drei Detektive aus der fiktiven Stadt in der Nähe von Los Angeles auf großer Arena-Tour, vielmehr die Sprecher, die dem Trio seit 40 Jahren ihre Stimme leihen: Oliver Rohrbeck (Justus), Jens Wawrczeck (Peter) und Andreas Fröhlich (Bob). An gleich zwei Abenden in Folge lauschten jetzt jeweils rund 14.000 Fans in der Lanxess-Arena dem eigens für die Live-Tournee konzipierten Hörspiel „Die drei Fragezeichen und der dunkle Taipan“.

Es ist ein bunt gemischtes Publikum in der Arena. 60-Jährige sind ebenso gekommen wie Mitt-Vierziger, die von den drei Detektiven seit der Kindheit begleitet werden, und die wiederum haben den „Virus“ an ihre Kinder weitergegeben – und sie auch gleich mitgebracht. Sie alle werden an diesem Abend zum Jubiläum mit auf eine Zeitreise genommen. Schon nach dem Gänsehaut-Intro geht’s los. Eine alte Bekannte verschafft Justus, Peter und Bob einen neuen Fall. Es ist Allie Jamisson aus der Folge Nummer 25, „Die drei Fragezeichen und die singende Schlange“ aus dem Jahr 1981. Damals wie heute leiht Katrin Fröhlich Allie Jamisson ihre Stimme. Die Namensgleichheit ist kein Zufall: Katrin Fröhlich ist die Schwester von Andreas Fröhlich.

Im Laufe des aktuellen Falls treffen die drei Detektive unter anderem noch auf das Aztekenschwert („Die drei Fragezeichen und das Aztekenschwert“, Folge 23, 1981), Java-Jim samt Malayenkris („Die drei Fragezeichen und der Phantomsee“, Folge 2, 1979) und den Zauberspiegel („Die drei Fragezeichen und der Zauberspiegel“, Folge 16, 1980). Großer Jubel brandet bei den „Zeitreisen“ auf, aber das Bühnenstück funktioniert auch, wenn man die alten Folgen nicht kennt. Die „Insider“ machen die Aufführung für die Fans jedoch zweifelsohne zu einem besonderen Erlebnis.

Schon 2002 in Aachen

„Die drei Fragezeichen und der dunkle Taipan“ stammt aus der Feder von Andreas Fröhlich, wie schon „Master of Chess“, das erste Stück, das die drei Detektive vor Publikum live präsentieren. Im Jahr 2002 treten sie unter anderem im Aachener Audimax auf, vor ein paar Hundert Zuschauern. Nun füllen sie die großen Arenen der Republik. Die drei Detektive stehen nicht alleine auf der Bühne. Katrin Fröhlich ist bereits erwähnt. Dazu kommen Schauspieler Tim Grobe und Sprecher Matthias Keller, die sich kleinere Rollen teilen. Für die Musik sorgt Valentin Rövenstruck, und auch die Geräusche, wie Schritte im Kies, Telefonanrufe und das Öffnen einer Flasche, werden live auf der Bühne gemacht. Jörg Klinkenberg heißt der Mann, der, genau wie Rövenstruck, das ganze Stück über auf der Bühne neben den drei Detektiven verbringt. Klinkenberg hat Justus, Peter und Bob schon bei den vergangenen Tourneen begleitet. Fehlt noch der Erzähler. Nach dem Tod von Helmut Krauss (Herr Paschulke aus Löwenzahn) übernimmt Michael Prelle diese Rolle jetzt mit seiner ruhig-brummenden Erzählerstimme. Seine Stimme ist aus vielen Hörbuchproduktionen und aus dem Radio bekannt, sein Gesicht taucht regelmäßig im Tatort und Polizeiruf 110 auf.

Mehr als die Fragezeichen

Auch „Die drei Fragezeichen“ sind selbstredend nicht nur als Justus, Peter und Bob im Einsatz. Oliver Rohrbeck ist nicht nur der erste Detektiv Justus Jonas, sondern auch mit seinem eigenen Label deutschlandweit mit Live-Hörspielen im Einsatz, die Geräusche dafür entwirft er allesamt selbst. Und er ist die Synchronstimme Ben Stillers. Jens Wawrczeck ist, neben seiner Rolle als zweiter Detektiv Peter Shaw als Hörbuchinterpret unterwegs und ist unter anderem als Synchronsprecher in King of Queens und Two and a Half Men zu hören. Andreas Fröhlich ist die deutsche Stimme der Schauspieler Edward Norton und John Cusack. Er sprach auch das Wesen Gollum in „Herr der Ringe“.

Aber wie funktioniert ein solches Hörspiel über 40 Jahre mit denselben Sprechern, schließlich sind Justus, Peter und Bob in 40 Jahren nicht 40 Jahre gealtert? „Natürlich: Wenn man die ersten Folgen hört, klingen wir wirklich inzwischen wie unsere Väter“, sagte der 56-jährige Jens Waw­rczeck kürzlich anlässlich der Premiere von „Feuriges Auge“, der 200. Folge. „Aber wir haben diese wirklich sehr unterschiedlichen Stimmen. Und die haben sich dann eigentlich in diesem Verhältnis nicht verändert. Darum funktioniert die Dynamik immer noch.“ Andreas Fröhlich, wie Oliver Rohrbeck 54 Jahre alt, ergänzt: „Bei den „Drei Fragezeichen“ wird eigentlich mittlerweile gar nicht mehr genannt, wie alt sie in Wirklichkeit sind. Aber wir gehen davon aus, dass sie so um die 19, 20 Jahre alt sind.“ Die Sprecher sind inzwischen Mitte 50. Stimmtraining machte ihren Alterungsprozess zu großen Teilen wett. Und Fröhlich fügt hinzu: „Graue Haare kann man nicht hören.“

Mehr als nur Sprecher der Hörspielreihe (v.l.): Oliver Rohrbeck, Andreas Fröhlich und Jens Wawrczeck. Foto: dpa/Christian Hartmann

Den Fans ist ohnehin egal, wie alt die Detektive und die Sprecher sind. Und es spielt auch keinerlei Rolle, dass sie auch anno 2019 noch mit Walki-Talkis unterwegs sind und dass sie eigentlich immer Ferien haben, wenn ein Fall ansteht.

Vor all der Romantik macht aber auch die Kommerzmaschinerie nicht Halt. Die Ticketpreise für einen Auftritt in einer großen Arena stehen denen von Topbands in nichts nach, Fan-Shirt, Kapuzenpulli, Schlüsselanhänger & Co. sind keine Schnäppchen. Aber wer ein echter Fan ist… Viele Fans wollen sogar die Folgen nach wie vor auf MC hören. Deswegen kommt „Die drei Fragezeichen“ im Jahr 2019 parallel auf Audiokassette heraus. „Alleine bei jeder Neuheit verkaufen wir nach wie vor zwischen 8000 und 10.000 MC. Das ist der Wahnsinn, weil es sonst eigentlich gar keine Produkte mehr als MC gibt“, erläutert Sony-Music-Manager Arndt Seelig .

Das Bühnenstück ist weit mehr als eine Lesung. Licht, Ton, Musik und ein paar Special Effects, wie Nebelschwaden und der Einsatz von Feuer, gehören dazu. Zum großen Finale etwa schweben Justus, Peter und Bob eingesperrt in einem Käfig über der Bühne. Auf zwei großen Leinwänden links und rechts neben der Bühne sind die Akteure groß zu sehen, so dass alle im Saal einen guten Einblick bekommen. Der Spaß kommt ebenfalls nicht zu kurz, etwa bei spontanen Scherzen: „Wir sind 16 Jahre alt – seit 40 Jahren“, sagt Andreas Fröhlich. Kurz danach wird der Geräuschemacher aufs Korn genommen und herausgefordert. Er besteht problemlos und hat den Applaus auf seiner Seite.

Nun gibt es immer wieder Fans, die befürchten, dass Justus, Peter und Bob irgendwann das Ermitteln endgültig einstellen. 2005 ist es nach einem Urheberrechtsstreit zwischen Buch- und Hörspielverlag beinah vorüber. Drei Jahre dauert der Streit. Es gibt in der Zeit eine neue Serie: „Die Drei“ – nichts für eingefleischte Fans. In dieser treten Rohrbeck, Fröhlich und Waw­rczeck unter den amerikanischen Originalnamen auf: Jupiter Jones, Pete Crenshaw und Robert Andrews. Am 13. Februar 2008 gibt es dann die erleichternde Nachricht für die Fans: Die Verlage haben sich geeinigt.

Und wie geht es nach 2019 weiter? Auch darauf gibt es in Köln eine Antwort. Auf Susanne Fröhlichs Frage, ob es der letzte Fall der drei Detektive aus Rocky Beach gewesen sei, antwortet Oliver Rohrbeck: „Wir übernehmen jeden Fall!“