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München: Schlechtes Wetter auf Bestellung: Pitt Rotter sorgt für Filmeffekte

München : Schlechtes Wetter auf Bestellung: Pitt Rotter sorgt für Filmeffekte

„Köln brennt, und der Rhein tritt über die Ufer” - das wäre eine Drehbuchzeile nach Pitt Rotters Geschmack. Denn in einem solchen Fall könnte der 56 Jahre alte Experte für Spezialeffekte aus dem Ostallgäu sein ganzes Repertoire aufbieten. „Ich mache alles was brennt, stinkt und explodiert, außerdem Schnee, Regen, Wind und viel Technik.”

In seinem 400 Quadratmeter großen Keller im Münchner Süden hat er fast jedes Wetter auf Lager.

Rotters Effekte werden unter anderem für „Tatort” -Produktionen, „Siska” oder „Polizeiruf 110” gebucht. „Pitt beherrscht sein Handwerk definitiv”, sagt Aufnahmeleiter Björn Grünler, der schon unzählige Male schlechtes Wetter oder ein flammendes Inferno bestellt hat. „Wenn es zum Beispiel am ersten Tag von Tatort-Dreharbeiten regnet und danach nicht mehr, kann er uns helfen”, sagt Grünler.

„Vor ein paar Jahren war vor allem mein Regen gefragt”, erinnert sich Rotter. Der künstliche Niederschlag kommt bei ihm aus Düsen auf einem Stativ. Das meiste Zubehör kauft Rotter fertig ein, so hat er etwa einen Zulieferer aus Österreich, der „super Einschusszünder” liefert. „Und kürzlich bin ich für eine Blendgranate zum „Tatort” - Dreh nach Baden-Baden gefahren”, sagt Rotter.

Gelegentlich geht es auch ins Ausland, für den türkischen Spielfilm „Pars - Operation Kirsche” arbeitete Rotter „bei 50 Grad im Schatten”. Im bayerischen Filmgeschäft lief das Jahr für ihn ruhig an, aber „jetzt scheint sich hier wieder was zu bewegen”.

In einer Ecke des Kellers lagert auch im Hochsommer Kunstschnee in allen Varianten, Schneevlies, Flocken aus Zellulose und eine Substanz, die wie Waschpulver aussieht. „Unter Wasser wird da der schönste Schneematsch draus”, sagt Rotter und demonstriert diese Verwandlung gleich unter dem Wasserhahn. Billig ist dieser „Quellschnee” allerdings nicht: „Ein Kilo kostet 40 bis 45 Euro.” Rotters Schnee hat unter anderem im Doris Dörrie-Film „Nackt” für Winteratmosphäre gesorgt und auch schon im ARD-Olympiastudio. „Die hatten 2000 Schneebälle geordert, alles Handarbeit”, erzählt Rotter. „Mein Schnee ist eben viel sauberer und hält länger als der echte.”

Zum Film kam der gebürtige Marktoberdorfer (Ostallgäu) 1972. „Ich begann als Kabelträger bei der FSM, der späteren Bavaria Film, mein Bruder war dort Kameramann.” Nach einiger Zeit stieg Rotter zum Requisiteur auf, interessierte sich da aber schon mehr für die Spezialeffekte. Er eignete sich bei einem Sprengbetrieb und bei der Feuerwehr die nötigen Kenntnisse an und erwarb schließlich einen sehr umfassenden Sprengschein, mit dem es Rotter richtig krachen lassen konnte.

Derzeit sind Körpereinschüsse und Explosionen seine häufigsten Aufträge. „Der Jaguar XJ ist zum Beispiel ein Auto, das ich schon mindestens zehn Mal hochgejagt habe.” Warum es gerade dieser Wagen so vielen Drehbuch-Autoren angetan hat, kann Rotter nicht sagen. Meist schickt man ihm die Drehbücher zu und lässt sie auf Umsetzbarkeit prüfen. Mit Hollywood-Produktionen könne man in Deutschland aber nicht mithalten: „Die haben oft 300 Leute für Spezialeffekte am Set, bei uns sind es selten mehr als drei.” Und nicht alles was die Regisseure gerne hätten, sei auch bezahlbar.

An den Kellerwänden hängen einige Fotos von Modellen, die Rotter vor 20 Jahren für die Werbung gebaut hat. Ketchup-Flaschen, die mittels Mechanik über den Tisch laufen oder Autos im Miniaturformat, die durch Wände fahren. „So etwas wird heute meist am Computer gemacht”, stellt Rotter fest. Wie echt seine Effekte auch auf ihn selbst wirken können, hat er vor kurzem in der Arztserie „Dr. Stefan Frank” gemerkt: „Wir haben eine Operation am offenen Herzen simuliert, ich habe fleißig Blut reingepumpt, aber als das dann im Fernsehen lief, musste ich bei der Szene wegschauen.”