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Hamburg/Frankfurt/Main: Schlag und Marlene: Mit dem Sommer kommen neue Hosenformen

Hamburg/Frankfurt/Main : Schlag und Marlene: Mit dem Sommer kommen neue Hosenformen

Mehrere Saisons lang zwängten sich Modebewusste in enge Röhrenjeans. Schmal waren die angesagten Formen, knackig die Schnitte. Jetzt weicht dieses Stildiktat langsam auf - mit dem Sommer kommen wieder weitere Formen, zum Beispiel Schlaghosen im Hippie-Stil der 1970er Jahre.

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Aber während es unten herum flattern darf, bleiben die Oberteile eng und taillenbetont. Denn im Mittelpunkt des neuen Looks stehen gar nicht die Beine - die Taille soll die Blicke auf sich ziehen.

„Man hat sich mittlerweile einfach sattgesehen - jetzt kommt die Freiheitsliebe zurück”, erläutert Petra Vogel, Stylistin von der Agentur m4motion in Hamburg. Die Auswahl bei den Jeansformen wird in diesem Frühjahr und Sommer daher wieder breiter.

„Selten war die Vielfalt an neuen Formen so groß wie in diesem Frühjahr”, schreibt die in Frankfurt erscheinende Branchenzeitschrift „Textilwirtschaft” - und die Modellpalette sei „so groß wie nie”. Wer mit der Mode geht, tue es Popstars, Topmodels und Fußballergattinnen gleich und greift jetzt zur Schlaghose. Sie ist bis zum Knie eng, unten dann weit ausgestellt - „eine Drehung um 180 Grad” im Vergleich zu den vorangegangenen Saisons, in denen das Beinkleid knackeng sein musste.

Trendige Jeanslabel wie Meltin Pot aus Italien, das australische Label 18th Amendment oder 7 for all mankind haben die neuen Formen im Programm, ebenso Marken wie Closed oder Sisley, aber auch große Anbieter wie Otto in Hamburg proklamieren den neuen Look. „Die Röhre verliert an Dominanz”, hat auch Stilberater Andreas Rose aus Frankfurt beobachtet. Trendbewusste greifen ihm zufolge jetzt zur „Flared Jeans” im Stil der 70er Jahre - von hell bis dunkel, auch in dezent verwaschener Optik.

Dazu tritt als „Fashion-Statement dieser Saison” Rose zufolge die sogenannte Marlene-Hose. Sie wurde durch Marlene Dietrich als Provokation bekannt, als Frauen noch zwangsläufig Röcke zu tragen hatten, um der Konvention zu entsprechen. Jetzt erlebt die Hose mit dem weiten, rundgebügelten Bein, mit geradem Schnitt und großer Fußweite von bis zu 54 Zentimetern ein Revival. Die Beine fallen weich in fließenden Viskose- oder Wollstoffen, und es gibt sie mit oder ohne Umschlag, erläutert Rose.

Mit der neuen Luftigkeit am Bein verändert sich auch der Rest der Erscheinung. So wandert die Taille ein Stück nach oben. „Hohe, schmale Taillen zeichnen die neue Silhouette aus”, sagt Rose. Und während zu den engen Hosen vor allem weite Oberteile getragen werden, etabliert die neue Hosenmode den umgekehrte Fall.

„Zum weiten Beinkleid unbedingt ein enges Oberteil kombinieren”, rät Rose. „Sonst wirkt die Figur zu voluminös.” Er empfiehlt Tuniken, bei großer, schlanker Statur kommen auch kurz geschnitten Blazer infrage. „Oben herum wird es wieder enger. Und außerdem gilt: Unbedingt die Taille betonen”, sagt auch Vogel. Manche Stücke machen das von ganz allein. Denn viele der aktuellen Hosen haben einen hohen Bund, manche gehen bis weit über die Taille zum Bauchnabel hoch. „Das ist wichtig bei diesem Wandel der Silhouette: Der Fokus liegt auf der Taille, da muss es eng sitzen.” Das gelte auch für die Marlene-Hose: „Das Oberteil darf nicht über Taille und Hüfte fallen. Es soll oben herum nicht flatterig aussehen.”

Angesagt bleiben daher zu den neuen Hosen zum Beispiel breite Gürtel, die den Blick zusätzlich auf die Körpermitte ziehen. Kombinieren lassen sich dazu etwa Ballerinen, die auch zur Röhre gut passen, rät Vogel. Die neuen Hosen bringen aber auch lang vergessene Schuhe zurück: „Mit der Schlaghose kommen auch hohe Plateauschuhe wieder.” Denn hohe Keil- und Plateau-Absätze verlängern das Bein optisch, wie Rose erklärt. Nicht für jeden ist das etwas: So ist Rose der Ansicht, für kleinere Frauen seien die neuen Hosen eher nichts.

„Vielleicht sollte man die ganz hohe Taille mit einem breiteren Becken eher nicht anziehen”, sagt Vogel. „Für die Marlene-Hose muss man aber nicht unbedingt schlank sein”, findet sie. Anders als der extravagante Auftritt im Hippie-Stil passt sie auch ins Büro: „Dazu lässt sich dann gut eine weite Bluse, zum Beispiel im aktuellen Stil mit Puffärmeln, kombinieren.” Und mit einem lässigen T-Shirt wird sie straßen- und ausgehtauglich.

(dpa)