1. Panorama

Magdeburg: Rücksichtsloser Schießbefehl des DDR-Regimes

Magdeburg : Rücksichtsloser Schießbefehl des DDR-Regimes

Die Magdeburger Außenstelle der Birthler-Behörde hat 46 Jahre nach Beginn des Mauerbaus offenbar ein brisantes Dokument entdeckt. Nach einem Bericht der „Magdeburger Volksstimme” (Samstagausgabe) belegt die siebenseitige Dienstanweisung einer 1968 wegen der Flucht vieler Grenzsoldaten von Ost nach West gebildeten „Einsatzkompanie” des Ministeriums für Staatssicherheit vom 1. Oktober 1973, wie rücksichtslos das Schießen befohlen worden sei.

In dem Papier steht den Angaben zufolge wörtlich: „Zögern Sie nicht mit der Anwendung der Schusswaffe, auch dann nicht, wenn die Grenzdurchbrüche mit Frauen und Kindern erfolgen, was sich die Verräter schon oft zu nutze gemacht haben.” Der bis 1985 bestehenden Einsatzkompanie hätten zuletzt rund 60 hauptamtliche Inoffizielle Mitarbeiter im besonderen Einsatz (HIME) angehört, die als normale Soldaten getarnt, aber von der Stasi bezahlt worden seien, hieß es weiter.

Der Außenstellen-Leiter Jörg Stoye spricht nach Angaben des Blattes von einem aufsehenerregenden und höchst bedeutsamen Fund. Bisher habe es in den offiziellen DDR-Akten einen so deutlichen Schießbefehl, der keinerlei Einschränkung des Schusswaffengebrauchs vorsehe, nicht gegeben.

Vor 46 Jahren, am 13. August 1961, war in Berlin mit der Errichtung der Mauer zwischen Ost und West begonnen worden. Stacheldraht, eine Betonmauer, Elektrozäune, Wachtürme und Wachposten sowie Selbstschussanlagen und Minenfelder entlang der 1378 Kilometer langen Demarkationslinie trennten die zwei Teile Deutschlands von da an für mehr als 28 Jahre. Am 9. November 1989 fiel die Mauer.