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Romy Schneider: Alles auf der Leinwand - nichts im Leben

Romy Schneider: Alles auf der Leinwand - nichts im Leben

Frankfurt a.M. „Ich kann nichts im Leben - aber alles auf der Leinwand”, hat Romy Schneider (1938-1982) einmal gesagt. Ein Satz, der wie ein Motto über ihrem Leben stehen könnte.

Einem Leben, das reich war an beruflichen Erfolgen, an Bewunderung und Verehrung durch ihre Fans, aber auch an Schicksalsschlägen, Selbstzweifeln und Angriffen von Presse und Öffentlichkeit. Einem Leben, dem sie gegen Ende nicht mehr gewachsen war. Ihr früher Tod am 29. Mai 1982, im Alter von 43 Jahren, machte Romy Schneider vollends zum Mythos.

Geboren wird sie am 23. September 1938 als Rosemarie Albach in Wien. Ihre Eltern, beide Schauspieler, trennen sich schon vier Jahre nach der Geburt der Tochter. Sie wächst von ihrem elften Lebensjahr an im Internat auf. Als Weg aus der Einsamkeit entdeckt sie schon damals das Theaterspielen.

Wenn Rosemarie auf der Schulbühne steht, geht sie ganz und gar in ihren Figuren auf. Ihre Mutter Magda Schneider ist es schließlich, die ihr mit 14 Jahren zu ihrer ersten Filmrolle verhilft. In „Wenn der weiße Flieder wieder blüht” (1953) spielt sie Magdas Filmtochter.

1955 erlebt Romy Schneider dann ihren kommerziellen Durchbruch mit ihrem ersten „Sissi”-Film. Die Rolle der österreichischen Kaiserin Elisabeth an der Seite von Karlheinz Böhm verhilft der jungen Schauspielerin zu Weltruhm. Aber sie legt sie auch für Jahre auf den Typ der bezaubernden Prinzessin fest. Schon bald hat sie genug von diesem süßlichen Image, aber Produzenten und Eltern drängen sie zu zwei Sissi-Fortsetzungen (1956/57).

1958 spielt Romy Schneider ihre erste Charakterrolle, in dem Drama „Mädchen in Uniform”. In einem preußischen Internat sollen aus den Schülerinnen mit strengen Erziehungsmethoden spätere Soldatengattinnen gemacht werden. Lediglich eine Lehrerin (Lilli Palmer) zeigt Wärme und Mitgefühl. Manuela (Romy Schneider) sieht in ihr einen Mutterersatz. Doch die entstehende Nähe wird von den anderen Erzieherinnen fehlinterpretiert und führt beinahe zur Katastrophe.

In diesem Film emanzipiert sich Romy Schneider erstmals künstlerisch von ihrem Sissi-Image. Er weist auffällige Parallelen zu ihrem Leben auf: Sie spielt nicht nur eine Internatsschülerin, sondern auch noch eine, die nur glücklich ist, wenn sie Theater spielen kann. Im gleichen Jahr dreht sie das erste Mal in Frankreich, verliebt sich in Alain Delon, zieht 1959 nach Paris.

Ein Schritt, den die deutsche Öffentlichkeit ihr Jahrzehnte lang nicht verzeiht. Sie gilt als Verräterin. Das deutsche Publikum will sie nicht in anspruchsvollen Rollen sehen, die sie nun überwiegend spielt, sondern immer nur als „Sissi”.

1963 führt eine erste Lebenskrise zu einem Suizidversuch. Auch der berufliche Erfolg bleibt aus. Mit „Der Swimmingpool” (1968) feiert sie dann international ihr Comeback, arbeitet nun mit namhaften Regisseuren wie Luchino Visconti und Claude Chabrol. Zu ihrem Lieblingsregisseur aber wird Claude Sautet, mit dem sie fünf Filme dreht. Der erste, „Die Dinge des Lebens” (1969), wird einer ihrer größten Erfolge. Romy Schneider verkörpert hierin eine Frau zwischen zwei Männern.

1966 heiratet sie den Schauspieler und Regisseur Harry Meyen, Sohn David kommt zur Welt. Eine zweite Ehe geht sie 1975 mit ihrem Sekretär Daniel Biasini ein, Tochter Sarah wird geboren. Auch diese Verbindung hält nicht, die Ehe wird 1981 geschieden. Wenige Wochen später stirbt David im Alter von 14 Jahren, als er einen Zaun mit scharfen Spitzen hinaufklettern will und abrutscht.

Die Schauspielerin, die schon seit Jahren immer wieder zu Alkohol und Tabletten gegriffen hat, soll sich von diesem Schicksalsschlag nicht mehr erholen. Fünf Monate nachdem sie ihren letzten Film „Die Spaziergängerin von Sans-Souci” abgedreht hat, stirbt Romy Schneider 1982 an Herzversagen.

Dem Druck der Öffentlichkeit, den Nachstellungen der Presse, die noch ihr Privatestes ans Licht zerrte, hatte sie nichts mehr entgegenzusetzen. „Ich bin zu kaputt, um mich noch richtig zu wehren”, sagte sie kurz vor ihrem Tod.

Auch ihre Rollen waren immer düsterer geworden. In ihren letzten fünf Filmen starb Romy Schneider den Filmtod. So auch in „Death Watch - Der gekaufte Tod” (1979) einem Drama von Bertrand Tavernier. Sie spielt darin eine Schauspielerin, der gesagt wird, dass sie nur noch kurze Zeit zu leben hat. Für viel Geld willigt sie ein, während ihrer letzten Wochen für eine Reality-TV-Show gefilmt zu werden. Aber sie entflieht den Kameraleuten, nicht ahnend, dass alles nur ein makabres Spiel ist.

Am Schluss des Films bringt sie sich um. Romy Schneider spielt die scheinbar Todgeweihte mit großer Stärke, aber auch mit großer Zerbrechlichkeit: eine Schauspielerin, die von den Medien in den Tod getrieben wird.