Berlin: Retter im Kampf gegen die Flammen: Feuerwehrleute

Berlin: Retter im Kampf gegen die Flammen: Feuerwehrleute

Feuerwehrleute gelten oft als Helden. Jedes Kind kennt das rote Feuerwehrauto und das Martinshorn. Entsprechend hoch ist das Prestige der Einsatzkräfte: Sie haben den Beruf mit dem höchsten Ansehen in Deutschland.

Das hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes ergeben. Der Job ist aber kein Kinderspiel - denn beim Einsatz geht es oft genug um Leben und Tod.

„Feuerwehrleute müssen Allrounder sein”, sagt Ludwig Geiger, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes in Berlin, der rund 1,3 Millionen berufsmäßige und freiwillige Feuerwehrleute vertritt. Für Heldentum haben die meisten wenig übrig: Sie sehen sich eher als Helfer und Dienstleister.

Auf die Leiter krabbeln und „Wasser marsch” rufen - so einfach sind viele Einsätze leider nicht. „Wir werden mit Leid, Tod und Elend konfrontiert”, gibt Ausbilder Peter Sommer von der Berliner Feuerwehr zu bedenken. Die meisten Einsätze seien Rettungsdienste. Deutlich seltener geht es darum, Brände zu löschen, Wasser aus Kellern zu pumpen oder sich um Unfälle zu kümmern. Auch Katzen von Bäumen holen ist höchst selten ein Job für die Feuerwehr. „Bei Kosten zwischen 500 und 1000 Euro für den Einsatz einer Drehleiter wartet man, bis die Katze Hunger bekommt”, erzählt Sommers Kollege, der Brandmeister Stefan Ehricht.

Arbeit gibt es bei Berufs- und Werkfeuerwehren. Aber auch Aufsichtsbehörden und Feuerwehrschulen beschäftigen hauptamtlich Feuerwehrleute. Die meisten arbeiten etwa als „Truppmann” oder Sachbearbeiter im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst, die Chefs kleinerer Dienststellen und Einsatzleiter im gehobenen Dienst. Im höheren Dienst sind etwa Amts- und Referatsleiter tätig.

Der Beruf ist eine Männerdomäne. Frauen müssen bei den anstrengenden Einsätzen mithalten können. „Ich sollte genauso fit sein wie die Kollegen”, sagt Susanne Klatt, Vorsitzende des Netzwerkes Feuerwehrfrauen in Dortmund. Feuerwehrfrauen sollten den Umgangston in Männerteams zumindest akzeptieren können. „Es ist ein bischen wie Arbeit im Ausland. Dort muss man sich auch integrieren, ohne sich zu verbiegen.”

Bei der Feuerwehr wird nicht jeder genommen. Der Vorsatz „Ich will Feuerwehrmann werden!”, wie man ihn vom kleinen Drache Grisu aus dem Trickfilm kennt, geht also keineswegs immer in Erfüllung. Der obligatorische Sporttest beendet das Rennen für viele Kandidaten. Bewerber müssen bei den Aufnahmeprüfungen außerdem Autoreifen wechseln, Holzlatten nach Augenmaß im rechten Winkel zusammennageln, auf 30 Meter hohe Drehleitern klettern oder eine schwere Übungspuppe per Krankentrage transportieren. Für die höheren Laufbahnen können Vorträge gefordert sein oder Assessment-Center eingesetzt werden.

Darüber hinaus müssen Bewerber zur amtsärztlichen Untersuchung. Gute Blutwerte sind dabei ebenso wichtig wie das Belastungs-EKG. Fremdsprachenkenntnisse sind erwünscht. Als Landesbeamte müssen Feuerwehrleute einen ausgezeichneten Leumund vorweisen. Die Tätigkeit in der Freiwilligen oder der Jugendfeuerwehr ist willkommen, kürzt die Ausbildung aber nicht ab. Alle Stufen müssen durchlaufen werden, für den höheren Dienst sogar an wechselnden Dienststellen bundesweit.

Die formalen Voraussetzungen sind je nach Bundesland unterschiedlich. Ein Abschluss als Rettungssanitäter oder im Handwerk ist für den mittleren Dienst gern gesehen. Ein Studium in einer technischen oder naturwissenschaftlichen Fachrichtung braucht es für den gehobenen und höheren Dienst. Die Berliner Feuerwehr will ab 2010 einen Ausbildungsweg für Jugendliche ohne Berufsabschluss erproben. In Nordrhein-Westfalen laufen ähnliche Modellversuche.

Die Ausbildung dauert 18 bis 24 Monate. Zu Beginn erhalten angehende Feuerwehrleute zwischen 820 Euro und 1100 Euro - je nach Laufbahn und Bundesland. Danach ist die Anstellung nicht sicher, denn die Berufsfeuerwehren bilden zunehmend nach Bedarf aus, erläutert Ludwig Geiger. Einheitlich geregelt ist das Gehalt der Feuerwehrbeamten: Es gelten die jeweiligen Tarifverträge für den mittleren, gehobenen oder höheren Dienst. Zudem gibt es Zulagen.

Trotz 24-Stunden-Schichten und einer 48-Stundenwoche inklusive Bereitschaftszeiten schätzt Susanne Klatt den Beruf als familienfreundlich ein. „Nach einer Schicht sind meist zwei Tage frei.” Auch Teilzeitarbeit ist möglich. Sie würde den Beruf wieder wählen. Ein Grund dafür sei, dass die Arbeit immer abwechslungsreich bleibt: „Kein Einsatz ist wie der andere.”

Bei der Feuerwehr gibt es bislang nur wenige Frauen: Ihr Anteil bei der Berufsfeuerwehr beträgt 1,28 Prozent, wie das Netzwerk Feuerwehrfrauen errechnet hat. 550 Frauen arbeiten hauptamtlich in dem Beruf. Bundesweit haben die Feuerwehren in Deutschland mehr als 1,3 Millionen Mitglieder. Rund 100 Städte haben laut dem Deutschen Feuerwehrverband in Berlin eine Berufsfeuerwehr mit insgesamt 27 600 Kräften. Dazu kommen rund 30 000 Mitarbeiter privater Feuerwehren und mehr als eine Million freiwillige Feuerwehrleute.

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