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Rom: Retter geben Hoffnung auf Lawinen-Überlebende nicht auf

Rom : Retter geben Hoffnung auf Lawinen-Überlebende nicht auf

Mit dem Mute der Verzweiflung suchen die Retter am verschütteten italienischen Berghotel Rigopiano nach weiteren Überlebenden.

Allerdings konnte die Feuerwehr am Sonntagabend zunächst nur eine traurige Nachricht verbreiten: Die Helfer hatten ein weiteres Todesopfer gefunden, damit erhöhte sich die Zahl der Toten auf mindestens sechs. Die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, es handele sich bei dem sechsten gefundenen Opfer um einen Mann. Noch immer wurden 23 Menschen vermisst - die Zahl hatte sich am Nachmittag zunächst auf 24 erhöht. Ein Überlebender hatte berichtet, dass wohl ein Mitarbeiter in dem Hotel gewesen sei, der bislang nicht zu den Vermissten gezählt worden war.

Durch viele Meter Schnee müssen sich die Lebensretter am Hotel Rigopiano durcharbeiten. Foto: The National Alpine Cliff and Cave Rescue Corps

Die Helfer suchten weiter fieberhaft nach möglichen Überlebenden - auch vier Tage nach dem schweren Unglück. Bis Sonntagabend wurden neun Menschen lebend aus Trümmern und Schnee gezogen. Zwei überlebten, weil sie zum Zeitpunkt des Unglücks nicht im Hotel waren.

Rettungskräfte bringen ein gerettetes Kindern in ein Krankenhaus nach Pescara. Foto: Claudio Lattanzio

Im Wettlauf gegen die Zeit versuchen die Spezialisten, Handy-Signale unter Schnee und Geröll zu orten und Vermisste so zu lokalisieren. Die oberste Krisenmanagerin des nationalen Zivilschutzes, Immacolata Postiglione, beschrieb dieses Vorgehen als „chirurgischen Eingriff”, der ein weiteres Einstürzen des fast völlig zerstörten Gebäudes verhindern solle.

Das von einer Lawine verschüttete Hotel bei Farindola in den Abruzzen. Foto: Vigili del Fuoco

Papst Franziskus sandte eine Dankesbotschaft an die Einsatzkräfte: „Ich möchte all jenen Mut machen, die sich mit so viel Großzügigkeit an den Rettungsarbeiten beteiligen”, sagte das Kirchenoberhaupt nach dem Angelus-Gebet vor 20 000 Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom. „Danke für Eure Nähe, für Eure Arbeit, für Eure konkrete Hilfe. Grazie.”

Ein Fenster des von der Katastrophe getroffenen Hotels. Foto: Italian Finance Police

Die Lawine hatte am Mittwoch das auf 1200 Metern Höhe am Fuße des Gran-Sasso-Massivs gelegene Vier-Sterne-Hotel nach einer Erdbebenserie verschüttet und große Teile mitgerissen. Trümmer und Möbel wurden in bis zu 400 Metern Entfernung vom Hotel gefunden.

Ein ialienischer Feuerwehrmann sucht in dem von einer Lawine großteils verschütteten Hotel nach Überlebenden. Foto: Italian Firefighters

Am Freitagvormittag waren dann die ersten Überlebenden entdeckt worden. Sie hatten mehr als 40 Stunden in dem zerstörten Gebäude unter Schneemassen ausgeharrt. Italienische Medien zitierten die Mutter eines geretteten sechsjährigen Mädchens mit den Worten: „Wir haben es schon nicht mehr geglaubt, wir hatten keine Hoffnung mehr.” Der erste Satz der sechsjährigen Ludovica nach der Rettung sei gewesen: „Ich möchte meine Kekse haben.”

Ein überlebender Jugendlicher wird aus dem von einer Lawine verschütteten Hotel Rigopiano in Farindola geborgen. Foto: Italienische Feuerwehr

Die tödliche Lawine war nach den Worten von Alpenexperte Valerio Segor zwar nur mittelgroße - sie habe aber eine solche Wucht gehabt, dass nicht einmal Stahlbeton ihr hätte standhalten können. Die Lawine hatte demnach eine Masse von 50 000 Tonnen, sei 500 Meter breit und bis zu 100 Stundenkilometer schnell gewesen, sagte er laut Nachrichtenagentur Ansa.

Die Lawine hatte am Mittwoch das Vier-Sterne-Hotel komplett verschüttet und Teile mitgerissen. Foto: Italian Firefighters

„Es war wie eine Bombe”, sagte Hotelgast Vincenzo Forti, der wie seine Freundin gerettet wurde. Experten der Forstpolizei verglichen die Wucht der Lawine mit der von 4000 Lkw. Gemeinsam mit zwei weiteren sei er auf etwa einem Quadratmeter Platz eingeschlossen gewesen. „Wir haben uns umarmt und von Schnee ernährt. In der Nähe hörten wir die Stimmen eines Mannes und mehrerer Kinder,aber wir konnten nicht mit ihnen Kommunizieren”, erzählte Forti. „Wir hatten riesige Angst und haben gebetet.”

Auch andernorts in Mittelitalien ist die Not groß: Wegen des vielen Schnees sind Tausende Haushalte seit Tagen ohne Strom, einige Orte sind von der Außenwelt abgeschnitten. Die Menschen in den Abruzzen werden zudem seit August immer wieder von starken Erdbeben heimgesucht - am Mittwoch trafen vier Erdstöße der Stärke über 5 die Region. Experten rechnen mit weiteren Beben.

(dpa)