1. Panorama

Geiselwind: Rekord-Duell: Dauerfahren in der Achterbahn

Geiselwind : Rekord-Duell: Dauerfahren in der Achterbahn

Zwischen Himmel und Erde, in Loopings und Spiralen liefern sich seit Samstag zwei „Extremsportler” einen ungewöhnlichen Wettkampf im bayerischen Freizeitland Geiselwind. Auf der Jagd nach einem neuen Weltrekord, wollen Stefan Seemann aus dem oberpfälzischen Hirschau und der gebürtige Hesse Frank Roessler mit dem Künstlernamen „Benji le Fakir” fast ununterbrochen Achterbahn fahren.

Ziel ist es, Seemanns alten Rekord von neuneinhalb Tagen und damit 4431 einzelnen Fahrten vom Vorjahr zu knacken. Obwohl die beiden Mitstreiter gleich in der ersten Nacht vom Regen überrascht wurden, waren sie nach rund 24-stündiger Fahrt noch guter Dinge. „Es geht ihnen gut. Sie lachen oft”, sagte Robert Müller, Assistent der Geschäftsführung, am Sonntag.

„Beide wollen 14 Tage plus X schaffen”, sagte Michael Mensinger, Geschäftsführer des Freizeitlandes vor dem Startschuss des Wettbewerbs. Dies entspreche rund 7000 Runden in der Bahn mit dem bezeichnenden Namen „Boomerang”. Tag und Nacht werden sich die beiden Wagemutigen für ihren Rekordversuch und einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde in der rot-gelben Parkattraktion durchschütteln lassen.

„Es ist wie im Schleudergang: Wir fahren mit 80 Stundenkilometern Spitzengeschwindigkeit”, sagte der 34-jährige Titelverteidiger Seemann. Es geht vorwärts, rückwärts und pro Fahrt sechs Mal kopfüber. Maximal vier Minuten stehen die signalroten Wagen zwischen den Fahrten still. Die Sitze und Lehnen haben die beiden für ihre Schleuderfahrt individuell präpariert: Sie sind auf Schaumstoff und bunt gestreifte Sofakissen gebettet.

Essen, Trinken und Umziehen wird, so gut es geht, während der Fahrt erledigt. Aufs Duschen müssen die Rekordanwärter jedoch verzichten. „Nachts zum Schlafen setze ich einen Motorradhelm zur Stabilisierung auf”, kündigte „Benji” an. Wer als erster freiwillig oder aus medizinischen Gründen aussteigt, hat verloren.

Vor dem Start gab der selbst ernannte „King of Rollercoaster” Seemann seine Prognose ab: „Wer während der Fahrten nicht schlafen kann, wird verlieren”. Stefan Seemann habe einen gewissen Erfahrungsvorteil, gesteht sein inzwischen befreundeter Mitstreiter ein. So weiß Seemann von Halluzinationen und gewisser Orientierungslosigkeit nach dem vierten Tag seiner früheren Rekordfahrt zu berichten. In 221 Stunden sei er damals mit 16 Stunden Schlaf ausgekommen.

Als Vorbereitung haben die Männer in den vergangenen Wochen ein Fitnessprogramm absolviert, vor allem Hals- und Rückenmuskulatur trainiert. Schließlich müsse die Wirbelsäule bei jeder Fahrt das Fünffache der Erdanziehungskraft aushalten, so „Benji le Fakir”. Durch unzählige Testfahrten hätten beide den Fahrverlauf des „Boomerang” verinnerlicht, um Verletzungen zu vermeiden, sagte Parkchef Mensinger.

Ein zehnköpfiges Team, bestehend aus Ärzten, Sanitätern und Technikern, stehe den Fahrern ständig zur Seite. Gutes Zureden motiviere jedoch ab einem gewissen Punkt nicht mehr. „Dann hilft nur noch der reine Wille zum Durchhalten”, sagte der gelernte Webdesigner Seemann. Bei dem Rekordversuch, der „aus einer Bierlaune geboren” worden sei, gehe es jedoch vor allem um den Spaß an extremen Herausforderungen.

Zugleich soll mit der Aktion aber auch Geld für den Verein „Power- Child” gesammelt werden, sagte Mensinger. Unter dem Slogan „Nein heißt Nein” fördert die Organisation unter der Schirmherrschaft der Schauspielerin Veronica Ferres die Prävention und Aufklärung von Kindesmissbrauch. Vor der imposanten Achterbahn steht eine vier Meter hohe Säule, in die das Parkpersonal nach jeder Fahrt zwei Euro einwerfen wird.