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Durban: Prüder Monarch: Südafrikas Zulu-König kämpft gegen nackte Tatsachen

Durban : Prüder Monarch: Südafrikas Zulu-König kämpft gegen nackte Tatsachen

König Goodwill Zwelithini ist empört. „Isilo - der König der KwaZulu” ist in Südafrika der ungekrönte Herrscher über acht Millionen Zulus. Und einige davon bereiten Majestät arge Sorgen.

Denn der vollbärtige Monarch, der sein royales Auge beim traditionellen Schilfgras-Tanz alljährlich mit Wohlgefallen auf den barbusigen Jungfrauen ruhen lässt, will bei ihnen keine nackten Po- Backen mehr sehen. Aber einige der jungen Frauen, die ihm am 13. September im Enyokeni-Palast ihre Aufwartung machen sollen, widersetzen sich offen seiner jüngsten Anweisung.

„In diesem Jahr will ich beim Schilfgras-Tanz keine einzige Jungfrau mehr sehen, die ihr Hinterteil nicht bedeckt hat”, ordnete der König zu seinem 60. Geburtstag an. Die aus allen Teilen der Provinz anreisenden Jungfrauen sollten das Hinterteil stattdessen keusch im traditionellen, perlenbesetzten Umutsha-Gürtel oder einem Sarong schwingen. Doch trotzig erklärten junge Frauen wie die 22- jährige Phili Dlamini: „Selbst wenn wir das tun würden: Wie viele von uns können sich das in so kurzer Zeit leisten? Ich bin dagegen!”

Der seit 1971 regierende exzentrische Zulu-Herrscher schreckt nicht vor der Kontroverse zurück. Vor allem nicht, wenn es um den Höhepunkt im Veranstaltungskalender des größten und wohl auch traditionsbewusstesten Volksstammes Südafrikas geht, den vom Steuerzahler mit rund zwei Millionen Rand (knapp 200.000 Euro) subventionierten Schilfgras-Tanz. Das farbenfrohe Fest knüpft an Jahrhunderte alte Traditionen an und war 1992 wieder eingeführt worden. Des Monarchen Argumentation: Es sei im Rahmen einer moralischen Erneuerung ein Beitrag zur Bekämpfung der Aids-Epidemie, die in Südafrika so heftig wütet wie in sonst kaum einem anderen Land.

Und bei dem Tanz geht es darum, die Keuschheit der Teilnehmerinnen zu feiern. Da stört es Majestät auch nicht, wenn seine Untertanen offen ein Gesetz brechen, dass den umstrittenen Jungfräulichkeitstest für Mädchen unter 16 Jahren verbietet. Ein trotziger König Zwelithini hatte erklärt: „Wir als Zulu-Nation können uns nicht erzählen lassen, was wir mit unserer Kultur machen sollen! Es gibt kein Ministerium, bei dem wir um Erlaubnis bitten werden, um unsere Kultur und Tradition aufrecht zu erhalten!”

Vergangenes Jahr hatte Majestät mit einem „Hose-runter”-Appell strenge Sitten bei dem Fest eingeführt, bei dem bis zu 30.000 Jungfrauen spärlich bekleidet defilieren. In Jeans gewandete Zuschauerinnen, die dem Spektakel beiwohnen wollten, wurden vor die Wahl gestellt, sich ihrer Beinkleider zu entledigen oder abzureisen.

Dem vom südafrikanischen Steuerzahler mitfinanzierten Zulu-Monarch Zwelithini, der sich im benachbarten Gebirgs-Königreich Swasiland gerne vom höfischen Glanze des umstrittenen Königs Mswati III inspirieren lässt, kommt im demokratischen Südafrika eigentlich nur eine repräsentative Rolle als Hüter der Tradition zu. Dennoch versucht er unablässig, diese Rolle politisch weiter auszubauen. Nachdem er seine Macht lange Zeit durch den - diese Woche 80 Jahre alt gewordenen - Zulu-Prinzen und Chef der Inkatha-Freiheitspartei, Mangosuthu Buthelezi, abgesichert hatte, wittert er nun Morgenluft durch den neuen Präsidenten der Regierungspartei ANC, Jacob Zuma.

Denn der bekennende Zulu hält die Tradition seiner Heimat hoch - und gilt als nächster Präsident des Landes, sofern er den drohenden Korruptionsprozess bis zur Wahl im kommenden Jahr politisch übersteht. Und mehr Unterstützung kann der Zulu-Herrscher mit dem Hang zur Verschwendungssucht gebrauchen.

Immer wieder machte er Schlagzeilen, weil er durch royale Prachtentfaltung, seine Vorliebe für PS-starke Autos und viele Frauen das Budget überschreitet. Vier Millionen Euro zahlt ihm KwaZulu-Natals Provinzregierung jährlich als Apanage. Doch nun sollen die riesigen königlichen Ländereien zum Unterhalt des Monarchen, seiner sechs Frauen und 27 Kinder beitragen. Zudem ist ein Fonds zur Finanzierung des royalen Hofstaats geplant.