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Berlin: Premiere mit Panne: Als der Bildschirm bunt wurde

Berlin : Premiere mit Panne: Als der Bildschirm bunt wurde

Mit einem symbolischen Knopfdruck begann am 25. August 1967 die farbige Fernsehwelt in deutschen Wohnstuben. Allerdings gab es in diesem historischen Moment vor 40 Jahren eine Panne, als der Bundesaußenminister und Vizekanzler der Großen Koalition, Willy Brandt, auf der 25. Deutschen Funkausstellung in Berlin von Schwarz-Weiß auf bunte TV-Bilder umstellen sollte.

Auf dem Rednerpult war die rote Knopfattrappe, die Brandt vor 1200 hochrangigen Gästen für die Umschaltung drücken musste. Doch der im Übertragungswagen für den Wechsel zuständige Techniker war nervös und schaltete auf Farbe, „als Willys Daumen noch in der Schwebe war”, wird der damalige SFB-Bildingenieur Peter Schögel in einer Chronik zitiert.

„Am Freitagvormittag, 10.57 Uhr, begann in der Bundesrepublik die Ära des Farbfernsehen”, meldeten die Nachrichtenagenturen. Dies war genau drei Minuten früher als ursprünglich geplant. Gesendet wurde dann mit dem PAL-System (Phase Alternating Line) des Ingenieurs Walter Bruch. Das System setzte sich später weltweit gegen das US- System NTSC und das französische Secam durch.

Noch während der Eröffnungsfeier strömten Scharen in die Messehallen, um den historischen Augenblick in der deutschen Rundfunk- und Fernsehgeschichte mitzuerleben, berichten Chronisten. Als sich dann das Bild von schwarz-weiß in farbig wandelte, gab es Ah-Rufe und Beifall.

Der „Goldenen Schuss” mit dem beliebten Entertainer Vico Torriani eröffnete die Farbfernsehwelt. Doch es kamen nur wenige Zuschauer in den Genuss, bunte Bilder daheim zu genießen. Denn anfangs gab es nur einige tausend verkaufter Geräte. Der Rest der Bevölkerung guckte weiterhin in schwarz-weiß oder stand an den Schaufenstern von Fernsehfachgeschäften, um die europäische Neuerung zu bestaunen. Denn Farbfernsehen gab es bisher nur in den USA, Kanada und Japan. Kurz nach der Einführung in Westdeutschland sollten Frankreich, Großbritannien und die Sowjetunion nachziehen.

Die Industrie forderte von den Sendern eine breite Palette an farbigen Sendungen, um die Attraktivität ihrer Geräte zu steigern. ARD und ZDF aber waren zurückhaltend mit einem Farbvollprogramm. Es gab ja anfangs nur wenige Haushalte mit den neuen Geräten und die Umrüstung der Studios auf Farbsendung war nicht billig. Farbfernseher waren Luxusartikel, für die umgerechnet 1000 bis 1250 Euro bezahlt wurden, eine damals enorm hohe Summe. Heute hat die Industrie ähnliche Forderungen an die Sendeanstalten: deutlich mehr Sendungen in der hochauflösenden Qualität HDTV, wofür die Sender auch viel Geld investieren müssen.

Die Nachfrage nach Farbfernsehgeräten stieg in kurzer Zeit deutlich an. Nach Angaben der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik waren im Juli 1969 von den über 15 Millionen TV-Geräten in der Bundesrepublik 450 000 Farbfernseher. Im Jahr 1969 wurden bereits 500 000 Farbempfänger produziert, zwei Jahre später waren es rund 1,7 Millionen. Heute setzen sich Innovationen mit deutlich höherer Geschwindigkeit am Markt durch. Der DVD-Recorder verdrängt viel schneller den Videorecorder und flache TV-Geräte sind unaufhaltsam auf dem Vormarsch.

Die DDR zog am 3. Oktober 1969 farbig nach. Mit der Einführung des zweiten DDR-Fernsehprogramms war die Ausstrahlung auch in Farbe möglich. Es wurde aber nicht mit PAL, sondern wie in der Sowjetunion mit dem Secam-System gesendet. Als offizieller Starttermin wurde der 7. Oktober terminiert, der 20. Jahrestag der DDR-Gründung.