1. Panorama

München/Innsbruck: Pipeline-Planer schickt auch Ältere gern in die Wüste

München/Innsbruck : Pipeline-Planer schickt auch Ältere gern in die Wüste

Sie planen Öl-Pipelines in Kasachstan, verlegen Wasserrohre in Saudi-Arabien oder konstruieren Tunnel in New York. Für die Mitarbeiter der Ingenieurfirma ILF sind Abenteuergeist und Reiselust fast so wichtig wie das fachliche Know- How.

Als eines der größten familiengeführten Ingenieurbüros in Deutschland mit mehr als 1200 Beschäftigten ist ILF bei unzähligen Projekten im Ausland dabei. Das große Maß an Mobilität erreicht das deutsch-österreichische Unternehmen aber nicht durch besonders viel junge Ingenieure, sondern durch eine ganze Schar älterer Mitarbeiter. Mehr als ein Viertel der Beschäftigten ist älter als 50 Jahre, der älteste aktive Ingenieur schon 80.

„Eine Firma profitiert von erfahrenen Mitarbeitern, die den Markt und die Branche praktisch in- und auswendig kennen”, sagt Geschäftsführer Andreas Kohler. Das Bundeswirtschaftsministerium zeichnete ILF vor wenigen Wochen wegen seines Engagements bei der Beschäftigung Älterer als „Unternehmen mit Weitblick” aus.

Auch Firmenmitgründer Adolf Feizlmayr denkt trotz seines Alters von 70 Jahren noch nicht an die Rente. Er steht dem Unternehmen als Senior Partner noch immer zur Seite. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Pius Lässer hatte er die Firma „Ingenieurgemeinschaft Lässer-Feizlmayr” (ILF) Ende der sechziger Jahre in Innsbruck aus der Taufe gehoben. Duch die Mitarbeit an Planung und Bau der Transalpinen Ölleitung machte sich das Duo einen Namen und eröffnete sein zweites Büro in München. „Von dort aus ging es in die ganze Welt”, sagt Feizlmayr. Heute gehört das Unternehmen zu den führenden Pipeline-Planern weltweit und macht mit den vier Geschäftsbereichen Öl und Gas, Energie, Wasser und Umwelt sowie Bau und Infrastruktur einen Umsatz von 120 Millionen Euro.

Zu den spektakulärsten Projekten gehörte der Bau der Pipeline Baku-Tbilisi-Ceyhan. Die fast 1800 Kilometer lange Öl-Leitung beginnt in Baku, Aserbaidschan, auf Meereshöhe, gelangt nach Georgien und steigt dort im Südkaukasus erstmals auf über 2000 Meter an. In der Türkei erklimmt sie am Berg Kara Dag fast 2900 Meter, um danach über Hochebenen und über weitere Gebirge, durch Granit, Sandstein und Karst, über Erdbebengräben, Bergrücken und zuletzt über den Taurus am Mittelmeer unweit der türkisch-syrischen Grenze zu enden.

Wer an derartigen Projekten mitarbeitet, kann an den Wochenenden nicht nach Hause zur Familie fliegen - und oft nicht einmal in der Heimat anrufen. Mitarbeiter mit kleinen Kindern lassen sich daher ungern auf diese Abenteuer ein. Berufsanfänger reizen die Projekte zwar umso mehr - aber ganz ohne Erfahrung geht es nicht. „Unsere Kunden sehen sich die Lebensläufe der Mitarbeiter sehr genau an”, sagt Kohler. Er stellt deshalb bei komplexen Auslandsprojekten oft Teams aus jung und alt zusammen. Bei den älteren Mitarbeitern sind die Kinder aus dem Haus und der Beruf rückt wieder in den Mittelpunkt.

Die körperlichen Strapazen stecken die ergrauten Ingenieure locker weg. „Die meisten sind sehr fit”, sagt Kohler. Auch sprachlich gibt es kaum Probleme. „Inzwischen sprechen alle ganz gut Englisch”, erläutert er. Notfalls bereitet eine Sprachlehrerin sie auf die Auslandseinsätze vor. Trotzdem findet das Unternehmen auf dem leergefegten Arbeitsmarkt nie genügend Personal. „Wir könnten auf Anhieb 60 oder 70 Ingenieure einstellen”, sagt Kohler. Bewerbungen, so sagt er, sind ausdrücklich willkommen. Altersbeschränkung: Keine.