1. Panorama

Berlin: Philosophen sinnieren über die Simpsons

Berlin : Philosophen sinnieren über die Simpsons

Wenn Homer Simpson aus der schrägen Comic-Serie hirnlos Bier in sich hineinschüttet, seinen Kindern Burger und Steaks wegfrisst und Ehefrau Marge mit seiner Blödheit vor den Kopf stößt - ist das dann Unterhaltung auf unterem Niveau oder richtig gute Satire?

Zumindest ist die Fernsehserie für zwölf Philosophen der anerkanntesten US-amerikanischen Universitäten Anlass, in elf Essays über „Die Simpsons und die Philosophie” nachzudenken. Und dabei kommen sie - um das schon mal vorweg zu nehmen - zu dem Schluss: Homer (Simpson, nicht der berühmte Grieche der Antike) ist, wenn man trotzdem lacht!

Es hat etwas Rührendes, wenn sich hochrangige Wissenschaftler etwa mit einem Trottel wie Homer Simpson auseinander setzen und ernsthaft überlegen, ob dieser trotz all seiner negativen Eigenschaften auch aristotelische Tugenden in sich vereint. Jein, lautet die klare Antwort. Weiter kommen sie zu dem Schluss, dass Baby Maggie - obwohl stumm und selten mal mehr als statistisches Beiwerk - für die Serie wichtig ist. Und mit der Person der klugen Lisa wird die Intelligenz in den USA positioniert - obwohl ihr in der Gesellschaft (im Simpsons-Hort Springfield wie im gesamten Land) aber eher ein unterer Stellenwert eingeräumt wird.

Die Autoren befinden weiter, dass der rotzfreche Simpson-Spross Bart - ähnlich tumb wie sein Erzeuger - eine Daseinsberechtigung im philosophischen Sinne hat, und zwar für die Frage: Entwickelt er sich zum Übermenschen nach Friedrich Nietzsche, oder ist er einfach nur ein böses Kind, wie es laut Serienmacher und Ex-Philosophie- Student Matt Groening einige gibt, zumindest in Springfield, jenem amerikanischen Durchschnittsstädtchen, das mit seiner seltsamen Einwohnerschaft selbst zum Untersuchungsobjekt der Serien- begeisterten Experten geworden ist.

Ja, und dann ist dann noch Marge, die kluge, praktische und nette Frau Simpson. Wer denkt, Marge kommt bei den Autoren am besten weg, der irrt. Auch sie wird gnadenlos analysiert. Und kritisiert. Denn ihre Unfähigkeit zur Kritik - selbst, wenn es dabei um das Wohl ihrer Kinder geht - lässt sie oft gar nicht gut dastehen. Dennoch gestehen die Wissenschaftler den weiblichen Mitgliedern des Simpson-Clans generell Intelligenz zu, den männlichen hingegen vor allem Beschränktheit, gepaart mit Instinkt und - zumindest bei Homer - einer ordentlichen Portion Lebenslust.

Natürlich bekommen auch die anderen „tragenden” Protagonisten der Simpsons ihr Fett weg - angefangen beim bigotten Ned Flanders bis hin zum fiesen Mr. Burns, der Verkörperung des Ur-Kapitalisten. Alle Personen werden den weltanschaulichen Betrachtungen der Autoren unterzogen und stehen metaphorisch für eine Gesellschaftsordnung und ihre Mitglieder.

Das Buch ist eine köstliche Sammlung tiefgründiger Gedanken zu absurden Personen und schrägen Szenarien. Und gerade zur richtigen Zeit auf den Markt gekommen, um sich den intellektuellen Hintergrund für den aktuellen Kino-Film „Die Simpsons” anzueignen.