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Winterberg: Orkan-Tourismus im Sauerland: Mit dem Sturzhelm in den Wald

Winterberg : Orkan-Tourismus im Sauerland: Mit dem Sturzhelm in den Wald

Eine besondere Art des Tourismus macht Förstern nach dem verheerenden Orkan Kyrill in den Wäldern des Sauerlandes zusätzliche Arbeit und Sorgen: Schaulustige wollen die Verwüstungen durch den Sturm mit eigenen Augen erkunden.

„Die wissen nicht, in welche Gefahr sie sich begeben”, sagte Adalbert Koch vom Forstamt Schmallenberg am Donnerstag. Immer wieder würden Förster oder Rothaarsteig-Ranger Leichtsinnige des Waldes verweisen.

Nach dem Orkan war ein generelles Betretungsverbot für die Wälder im Sauer- und Siegerland ausgesprochen worden. „In Winterberg sind sogar schon Extrem-Erkundler gesehen worden, die mit dem Sturzhelm in die Wälder gehen”, berichtete Winfried Borgmann von der dortigen Touristik-Information. Die meisten Urlaubsgäste seien aber einsichtig, wenn man sie auf die Verbote hinweise.

Derzeit wird geprüft, ob zumindest einzelne Wanderwege und Loipen mit kleineren Waldpassagen kurzfristig wieder frei gegeben werden können. Denn selbst wenn seit Donnerstag viele Lifte laufen: Nicht wenige Urlauber kommen eigens zum Winterwandern ins Sauerland. „Es treibt schon ziemlich komische Blüten”, sagte Koch. Die Betroffenen hätten „Null Unrechtsbewusstsein”.

Dabei seien die Gefahren vielfältig: Die umgestürzten Bäume liegen zum Teil wild durcheinander und stehen unter Spannung. Viele Bäume stehen noch, haben aber durch den heftigen Sturm schon Schäden an den Wurzeln. „Die können jederzeit umfallen”, sagte Rothaarsteig-Ranger Fred-Josef Hansen. „Die Menschen erleben den umgestürzten Wald als statische Angelegenheit und können die Gefahren nicht erkennen.”

Völlig unverständlich ist für ihn, wie unbedarft auch Eltern oder Großeltern das Leben von Kindern aufs Spiel setzen. „Ich habe in einer Sturmfläche mit dicken Fichtenstämmen ein Elternpaar mit einem Zweijährigen gesehen”, berichtet er. Sie hätten sich „das nur mal ansehen” wollen. Auch eine Rentnerin mit ihrem Enkel verwiesen Hansens Kollegen aus dem Wald: „Die wurde erst einsichtig, als wir ihr vor dem Kind klar gemacht haben, dass sie sich strafbar macht.”

Neben Einheimischen und Urlaubern, die trotz des Verbots in den Wäldern unterwegs sind, hat auch Hansen „eine Minderheit, die extra kommen, um sich das anzusehen”, ausgemacht. Er geht davon aus, dass große Teile der Wälder im Sauerland noch für längere Zeit gesperrt bleiben. Die Aufräum-Arbeiten würden noch intensiviert und die Arbeit der großen Maschinen berge weitere Gefahren für Spaziergänger.

„Den Leuten ist offenbar auch nicht klar, dass wegen des Betretungsverbotes im Wald niemand mehr versichert ist”, sagte Martin Reuther vom Hochsauerlandkreis. Und wenn etwas passiert, könne ein Unfall auch schnell finanziell Existenz bedrohend sein, sagte Hansen: „Die Kranken- und Unfallversicherungen haben angekündigt, in solchen Fällen zu prüfen, ob sie leistungspflichtig sind.”