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Oldenburg: „Ohne Mampf kein Kampf”: Amt in Oldenburg verpflegt die ganze Truppe

Oldenburg : „Ohne Mampf kein Kampf”: Amt in Oldenburg verpflegt die ganze Truppe

Bei der Bundeswehr ist es am Montagvormittag um die Wurst gegangen. Und zwar um den Typ Tiefkühl-Bratwurst, der demnächst in den rund 320 Truppenküchen tausendfach auf den Grill kommen soll.

Welche Wurst dabei das Rennen macht, bestimmen Mechthild de Vries und ihre Kollegen. Die drei Ernährungswissenschaftler und ein Koch sitzen im „Sensorikraum” des Verpflegungsamtes der Bundeswehr in Oldenburg.

Dort ist alles weiß - Wände, Tische, Teller. Nichts darf vom heutigen Testobjekt, der Wurst, ablenken. „Die ist zu pfefferbetont”, moniert de Vries, ein neues Stück auf ihre Gabel spießend. In diesem Raum habe ihr Team allein im vergangenen Jahr 1577 Lebensmittel überprüft. Egal, ob in Afghanistan oder Deutschland: Fast alles, was bei den Soldaten auf den Teller kommt, muss durch die Prüfung der Oldenburger Zivilisten.

„Die Bundeswehr ist der größte Privatverbraucher Deutschlands”, erläutert der Chef für Einkauf und Qualität im Verpflegungsamt, Dirk Zillmer. Pro Jahr trinke die Truppe 160 Tonnen Kaffee und esse 450 Tonnen Nudeln. „Da stehen die Firmen natürlich Schlange.” Im vergangenen Jahr seien Großaufträge im Wert von rund 16 Millionen Euro vergeben worden. Sie liefen alle für ein Jahr. Wer zum Bundeswehr-Lieferanten werden will, muss de Vries und ihre Kollegen mit Qualität überzeugen. Die Tests richten sich nach den Standards der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Alle Produkte sind anonymisiert, um das Testurteil nicht zu beeinflussen.

Lebensmittel, die in die engere Wahl kommen, müssen mindestens eine Güte erreichen, die einer Bronze-Medaille der DLG entspricht. „Nach dieser Vorauswahl entscheidet vor allem der Preis, wer den Zuschlag bekommt”, sagt die Chefin der 89 Mitarbeiter des Amtes, Uta Sinteck. Das Verpflegungsamt stützt sich auf drei Außenstellen im rheinland-pfälzischen Gillenfeld, im bayrischen Kempten und in Berlin.

Knapp 4000 Tonnen Lebensmittel - von A wie Apfelkompott bis Z wie Zucker - werden ständig vorgehalten. Jede Lieferung sorgt für eine „Umschichtung” im Bestand. Nur wenige schnell verderbliche Güter kaufen die Küchen direkt vor Ort hinzu. Das gelte auch für die Auslandseinsätze, erklärt der Leiter der Lager, Falk Ohlenbusch. 7300 Tonnen lieferte das Verpflegungsamt im vergangenen Jahr im ganzen Inland aus. Der eigene Fuhrpark aus 13 Lastwagen legte dabei mehr als 624.000 Kilometer zurück - was einer Strecke 16 Mal um die Erde entspricht. 2400 Tonnen seien ins Ausland gegangen - auf dem Land-, See- oder Luftweg.

Dass die Bundeswehr in diesen Massen Waren hortet, muss so sein - weil die Logistik auch auf den Verteidigungsfall ausgelegt ist. Wenn die 50.000 deutschen Soldaten der Krisenreaktionskräfte mobil machen müssten, kann das Verpflegungsamt die Truppe nach eigenen Angaben 30 Tage lang aus dem bestehenden Lagerbestand versorgen.

In den Lagerhallen hinter dem „Sensorikraum”, in dem de Vries und ihre Kollegen noch immer die neue Bratwurst der Truppe suchen, ackern die Arbeiter an Fließbändern. Einige von ihnen halten eine Revolution in Händen: Denn die seit Jahrzehnten in der Truppe übliche „Einmann- Packung”, „EPa” genannt, wird von Sommer dieses Jahres an ergänzt. Erstmals in ihrer Geschichte wird es bei der Bundeswehr eine „Gruppenverpflegung” im Paket für 20 Soldaten geben. Ohlenbusch schwärmt von „höherer Vielfalt und längerer Erstversorgung”, die in den Feldküchen nun möglich werde.

Ein Bestand von 150.000 solchen Paketen baut das Verpflegungsamt derzeit auf. Der für diesen Bereich zuständige Bundeswehr-Sprecher Jürgen Quensell begrüßt die Neuerung: „Die Verpflegung beeinflusst die Moral der Truppe entscheidend. Das ist vor allem bei Auslandseinsätzen so”, betont er. Und verweist auf eine Redensart: „Ohne Mampf kein Kampf.”