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Wien: Österreich: „Der Papst am Handy”

Wien : Österreich: „Der Papst am Handy”

Für das Großereignis geht die österreichische Kirche neue Wege: „Der Papst am Handy” heißt der Service, der die Gläubigen der Alpenrepublik auf den Besuch des katholischen Kirchenoberhaupts einstimmen soll. Tag für Tag erhalten Interessierte eine SMS mit einem Papst-Zitat aufs Handy, außerdem werden ein Bild des Pontifex und Klingeltöne verschickt - vom Glockengeläut des Stephansdoms bis hin zur Melodie von „Großer Gott, wir loben Dich”.

In knapp vier Wochen wird Benedikt XVI. in Wien erwartet, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Mit einem gewissen Stolz verweisen die österreichischen Bischöfe darauf, dass der Besuch vom 7. bis 9. September die einzige europäische Auslandsreise des Papstes in diesem Jahr ist. Dies sei ein „großes Privileg für unser kleines, aber von Benedikt XVI. geliebtes Land”, schwärmte kürzlich der Wiener Kardinal Christoph Schönborn.

Und die österreichische Kirche scheut keine Mühen, um das Ereignis in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Neben der Handy-Aktion sollen in diesen Tagen 2000 Großplakate mit dem Papst-Konterfei aufgestellt werden, vor allem an den Verkehrsknotenpunkten, entlang der Autobahnen und in Grenznähe. Zusätzlich sollen 600 Leuchttafeln dafür sorgen, dass es „unübersehbar” wird, „dass der Papst Österreich besucht”, wie es hieß.

In einem „Papstshop” im Internet gibt es jetzt schon T-Shirts, Fleece-Jacken, Taschen, Bücher und „Mariazeller Schmankerl” zum Papstbesuch zu kaufen. Und auch die Jugend hat sich etwas einfallen lassen, um im gesamten Land auf die Reise des Pontifex aufmerksam zu machen: Die Radrundfahrt „Giro di Papa” quer durch Österreich, über den bayerischen Marienwallfahrtsort Altötting bis nach Mariazell, das Benedikt XVI. am 8. September aufsuchen will.

Die 850-Jahr-Feier des österreichischen Wallfahrtsorts ist der eigentliche Anlass des Besuchs: Der Papst kommt als Pilger. Mindestens 30.000 Gläubige werden in Mariazell zum Gottesdienst unter freiem Himmel erwartet - der angeblich „größten Feier, die je rund um die Basilika stattgefunden hat”. Sonderzüge sollen die Pilger in den Wallfahrtsort bringen. Darüber hinaus wird der Papst am 9. September im Wiener Stephansdom eine Messfeier zelebrieren und die Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz bei Wien besuchen.

Zum Auftakt seiner Reise, am 7. September, will Benedikt XVI. am Wiener Shoah-Mahnmal gemeinsam mit dem Wiener Oberrabbiner Paul Eisenberg der Opfer der Judenvernichtung gedenken. In der Hofburg wird der Papst anschließend mit dem österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer zusammentreffen. Mit Spannung erwartet wird insbesondere seine Ansprache vor Vertretern des öffentlichen Lebens und dem diplomatischen Corps. Kardinal Schönborn kündigte bereits eine programmatische Rede des Papstes an: „Er wird wohl ein Wort an Europa und zu Europa sagen.”

Bis dahin haben die Verantwortlichen aber noch viel Arbeit vor sich. Die Besuchsstationen müssen für den hohen Besuch herausgeputzt, kunstvolle Messgewänder genäht, die Papsttribüne für die Freiluftmesse gezimmert, die Karten für die Gottesdienste an Gläubige in ganz Europa verschickt werden. Denn auch aus anderen europäischen Ländern wie Tschechien, Kroatien, der Slowakei, Polen und Deutschland gingen in Wien zahlreiche Kartenwünsche ein. So verspricht der Medienbeauftragte des Papstbesuchs, Paul Wuthe: Die Pilgerfahrt des Kirchenoberhaupts werde „nicht nur ein österreichisches, sondern ein mitteleuropäisches Ereignis sein”.