Schönefeld: Nur Fliegen geht noch nicht: Probebetrieb an Berlins neuem Flughafen

Schönefeld: Nur Fliegen geht noch nicht: Probebetrieb an Berlins neuem Flughafen

Die ersten Kunden des Hauptstadtflughafens kommen mit Helm. Schließlich sieht hier alles noch nach Baustelle aus. Dieter Koch schiebt seinen Gepäckwagen vorbei an Monteuren und Gerüsten.

Der Berliner ist einer der Freiwilligen, die den Flughafen am Dienstag erstmals testen. Ganz zufrieden ist der Biesdorfer nicht, die Gepäckaufgabe dauert ihm zu lange. „Wenn das ernst gewesen wäre, hätte ich meinen Flieger verpasst.” War es aber nicht. Bis zur Inbetriebnahme am 3. Juni haben die Betreiber noch Zeit, an Berlins neuem Tor zur Welt zu feilen. 10 000 Komparsen sollen bis dahin die Schwachstellen aufdecken.

Die Erwartungen an den Neubau vor der Stadtgrenze in Schönefeld sind groß. 40 000 Arbeitsplätze versprechen die Länder Berlin und Brandenburg. Auch die Lufthansa legt sich ins Zeug und will am drittgrößten deutschen Flughafen den Billigfliegern den Kampf ansagen. Der boomende Berlin-Tourismus verspricht gute Geschäfte - da würde sich ein Fehlstart schlecht machen. Mit Schulungen wollen die Betreiber etwa Blamagen wie die Kofferpanne von London-Heathrow vermeiden. Als dort 2008 das neue Terminal öffnete, versagte die Gepäckanlage und stürzte den Airport ins Chaos.

Am Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt läuft am Dienstag zunächst alles reibungslos, wie Probebetriebsmanager Christoph Aumüller sagt. Die 260 Testpersonen fallen kaum auf zwischen den 5000 Bauarbeitern, die alles klar machen für den geplanten Umzug von den bisherigen Flughäfen Tegel und Schönefeld, die geschlossen werden.

Bohrmaschinen dröhnen, Sägen kreischen, Megafone ersetzen Lautsprecher-Durchsagen. Vorbei an rot-weißen Absperrbändern geht es zur Handgepäck-Kontrolle. „Ich habe alles gut gefunden”, sagt die Köpenickerin Anni Klichowicz. Wie mehr als 20 000 Berliner und Brandenburger hat sie sich freiwillig als Testerin gemeldet. Im Sommer will sie erstmals vom Großflughafen abheben, nach Salzburg.

Heute steht München auf Klichowiczs Bordkarte - doch der Gang durchs Terminal endet am Gate im Erdgeschoss mit einer „kleinen Enttäuschung”, wie Flughafenchef Rainer Schwarz vorab angekündigt hat. Fliegen darf man noch nicht, und auch die versprochene Busfahrt über das verschneite Vorfeld fällt aus - wegen der Kälte, heißt es.

Für die Test-Pioniere ist der Tag dennoch ein Erlebnis. „Ich war neugierig, und besser kann man den neuen Flughafen nicht kennenlernen”, sagt Dieter Koch. Sein Blick schweift vom 700 Meter langen Hauptflügel aufs Rollfeld des 2,5-Milliarden-Euro-Baus. „Die Hauptstadt kann nicht kleckern”, meint er. „Sie muss klotzen.”

Rolf Mauersberger ist nicht so begeistert. Über sein Haus in Berlin-Bohnsdorf werden die Flugzeuge hinwegdonnern. „Irgendwo müssen sie ja lang”, sagt er schulterzuckend. Er hat sich einen kleinen Test für die Lufthansa-Beschäftigte ausgedacht, die im Parka hinter dem spanplattenbewehrten Check-In-Schalter sitzt. Mauersberger will am Gang sitzen, die Frau muss stornieren, braucht Hilfe. Es dauert.

Probebetriebsmanager Aumüller hat am ersten von 30 Testtagen schon Schwachstellen entdeckt. „80 Prozent der Komparsen haben gesagt, dass hinter den Sicherheitskontrollen kein Platz zum Anziehen ist.” Und fast niemand habe bei der Passkontrolle die Beamten hinter der Glasscheibe verstanden. „Wir müssen das nun auswerten”, kündigt Aumüler an, der für den Münchner Flughafen arbeitet und schon 2010 das neue Terminal des Airports im indischen Dehli mit bezogen hat.

Kleine Fehler sind beim Test gewollt, etwa verlorene Bordkarten. Einem Fluggast fischen die Sicherheitsbeamten ein Taschenmesser aus der Jacke. Dass sie die Viertelliter-Saftflasche einer Frau übersehen, lässt Bundespolizei-Sprecher Olaf Wiese ernst werden. „Seien sie sicher, dass sich der Fehler am 3. Juni nicht wiederholt.”