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Berlin: Niels Ruf als TV-Scheidungsanwalt: „Ich mache das nur für die Kunst”

Berlin : Niels Ruf als TV-Scheidungsanwalt: „Ich mache das nur für die Kunst”

Anwälte gelten gemeinhin als Winkeladvokaten, Rechts- und Wortverdreher und damit nicht unbedingt als die sympathischste Berufsgruppe. Dank Niels Ruf wird das öffentliche Bild des deutschen Juristen wohl noch etwas mehr leiden. Denn als Scheidungsanwalt „Herzog” gibt der 34-jährige TV-Moderator („Kamikaze”, „Dumm erwischt”) nicht nur seinen Einstand als Serienschauspieler, sondern bleibt seinem Image als Ekelpaket vom Dienst treu.

Axel Schock sprach mit Ruf über die neue neunteilige Serie, die seit gestern wöchentlich um 21.45 Uhr bei RTL läuft.

War es eine große Umstellung, nach Jahren als Fernsehmoderator nun streng nach Drehbuch spielen zu müssen?

Ruf: Das war schon eine besondere Herausforderung. Man muss sich beim Schauspiel viel mehr auf ein Team einlassen, und vor allem das tun, was ein anderer will, nämlich der Regisseur. Man hat einfach viel weniger Einfluss auf alles. Mein Plan war ursprünglich, die Dialoge weitgehend frei zu improvisieren. Das hätte mir natürlich mehr gelegen, aber dafür hätte man nicht die geeigneten Schauspieler gefunden. Aber wenn man länger dreht - wir hatten oft um die 16 Stunden am Tag - dann ist ein fertiges Drehbuch doch gar nicht so schlecht.

Inwieweit haben Sie den Stoff dieser Serie mitentwickelt?

Ruf: Ich habe gewissermaßen den Scheidungsanwalt als Grundidee miteingebracht und war an der Entwicklung der Charaktere beteiligt.

Wie kamen Sie ausgerechnet auf einen Scheidungsanwalt?

Ruf: Ich habe mal mit einem Freund zusammengewohnt, der Jura studierte, und wir haben zusammen über seine berufliche Zukunft herumgesponnen: wie er Scheidungsanwalt in München wird und Scheidungen von B-Promis abwickelt. An diese lustigen Geschichten habe ich mich erinnert.

Wie viel vom Privatmenschen Niels Ruf steckt denn in diesem Anwalt Herzog?

Ruf: Zwischen dem Late-Night-Moderator und der Serienfigur gibt es schon einige Deckungsgleichheiten: Herzog klopft gerne Sprüche, ist ab und an mal zynisch, und für einen Witz würde er seine Mutter verkaufen. Ansonsten haben es beide mit Krawatten: Niels Ruf ist in der Late Night Show immer mit Krawatte, weil damit ein schmutziger Witz noch besser rüberkommt. Der Anwalt ist immer ohne, weil das einfach lässiger ist. Und beide leihen sich bei der gleichen Privatperson namens Niels Ruf das Gesicht.

Ihre letzten Arbeitgeber waren eher Spartensender wie DSF, Viva und Sat1.Comedy. „Herzog” läuft nun bei RTL. Sind Sie salonfähig geworden oder einfach nur zahm genug?

Ruf: Früher oder später finden die meisten Menschen raus, was gut ist.

Dafür wird dann wenigstens die Gage etwas höher ausfallen...

Ruf: Ich mache das doch nicht für die Gage, sondern nur für die Kunst! Wenns mir um Geld ginge, hätte ich mir vor Jahren schon eine Nachmittagstalkshow geangelt und mich damit reich gemacht.