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Tokio: Nicht nur am Valentinstag: Japans Machos lernen das „Ich liebe Dich”

Tokio : Nicht nur am Valentinstag: Japans Machos lernen das „Ich liebe Dich”

Millionen von Japanerinnen zeigen sich am Valentinstag von ihrer Schokoladenseite. Denn im Land der aufgehenden Sonne sind es die Frauen, die ihren Ehemännern oder auch männlichen Kollegen und Vorgesetzten zum Valentinstag beschenken, traditionell mit süßer Schokolade. Dabei haben manche der Männer das eigentlich gar nicht recht verdient.

Ihrer Frau mal „Ich liebe Dich” zu sagen oder sie allein schon mit ihrem Namen anzusprechen, ist vor allem für manche ältere Herrschaften eine nahezu unüberwindbare Schwierigkeit.

So wie zum Beispiel für Shinichi Nobuhira. In all den 31 Jahren Ehe habe er seiner Frau viel Kummer bereitet, gesteht der 53-jährige Geschäftsmann. Ständig sei er erst spät in der Nacht nach Hause gekommen, nachdem er stundenlang nach Dienstschluss noch mit seinen Arbeitskollegen einen trinken war.

Nur selten habe er sich die Zeit genommen, sich mal mit seiner Frau zu unterhalten. Doch das soll nun alles anders werden, gelobt Nobuhira. Deswegen ist er kürzlich dem Aufruf einer kleinen Gruppe gefolgt, die sich „Verband der liebenden Ehemänner” nennt. Sie will einen neuen Lebensstil unter Japans Männern propagieren, bei dem sie sich ihrer Frauen bewusst sein sollen.

So erklärten sie den 31. Januar zum „Tag der Liebe zur Ehefrau”, an dem Japans Ehemänner einmal schon „früh” - gegen acht Uhr abends - nach Hause gehen sollen. Die gemeinsame Zeit sollen sie nutzen, um ihren Ehefrauen „Danke” zu sagen für alles, was sie tun. Für manche japanischen Männer, die ihre Frauen oftmals nur mit einem „oi” oder „hey” anreden, ist das schon eine bemerkenswerte Herausforderung.

Und so machte sich der kleine, schmächtige Nobuhira an einem eisigen Winterabend auf in einen öffentlichen Stadtpark von Tokio, wo er sich zusammen mit 20 anderen geläuterten Männern vor einer kleinen roten Bühne des „Verbands der liebenden Ehemänner” einfand, von wo aus sie über Lautsprecher ihre Liebe zu ihren Frauen in den Abendhimmel brüllten.

„Remi, ich kann es Dir nicht täglich sagen, weil ich zu verlegen bin, aber ich liebe Dich”, schrie einer aus voller Lunge ins Mikrofon. Doch sein tapferes Gelöbnis verhallte in der Parkanlage, denn er hatte es nicht über sich gebracht, seine Frau mitzubringen - nur zwei hatten ihre Frauen bei der Ich-Liebe-Dich-Brüllveranstaltung dabei. Einer der beiden ist Nobuhira. „Zu Hause hätte mir meine Frau das nicht geglaubt”, sagt er. Deswegen wolle er ihr in aller Öffentlichkeit zurufen, dass er sie liebe.

Und so steigt er auf die Bühne und legt los: „Ich habe Dir über all die Jahre so viel Kummer bereitet. Ich erzähle Dir normalerweise meine Gefühle nicht, aber ich danke Dir, dass Du immer bei mir bist”, schreit er aus Leibeskräften. Dann steigt er wieder herunter und stellt sich zu seiner lächelnden Frau, während die neugierigen Spaziergänger begeistert applaudieren.