Dortmund: Nanotechnologie - von der Sonnenmilch zum Miniroboter

Dortmund: Nanotechnologie - von der Sonnenmilch zum Miniroboter

Klein, kleiner, nano: Winzige Schutzpartikel in der Sonnenmilch, stets saubere Toilettenschüsseln dank Abperl- Beschichtung und tablettengroße Kameras statt schmerzhafter Magenspiegelungen - die sogenannte Nanotechnologie ist auf dem Vormarsch.

Das Bundesforschungsministerium geht davon aus, dass bis 2015 fast jeder Industriezweig von dieser Technologie beeinflusst sein wird. „Nordrhein-Westfalen gehört dabei zu den führenden Standorten”, sagt Nordrhein-Westfalens Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP). Am 22. und 23. Juni findet im Konferenzzentrum der Dortmunder Westfalenhallen die zweite NRW Nano-Konferenz für Experten aus Forschung und Wirtschaft statt.

Einfach gesagt, gehört jedes Objekt in der Größenordnung von einem bis hundert Nanometern in das Feld der Nanotechnologie. Ein Nanometer ist der Milliardstel Teil eines Meters. Zur Veranschaulichung: Im selben Größenverhältnis wie die Erdkugel zu einem Fußball steht, so verhält sich der Fußball zu einem Objekt mit der Größe von 100 Nanometern. Die Nanotechnologie macht sich nun die besonderen Eigenschaften von solchen winzigsten Teilchen zu Nutze. Ingenieurswissenschaften spielen deshalb eine ebenso wichtige Rolle wie Physik, Chemie oder Biologie. Anwendung findet die Nanotechnologie bereits in Zweigen der Pharmaindustrie, beim Automobilbau, in der Informationstechnik und Optik sowie in vielen Bereichen der Computertechnik.

„Gerade bei immer leistungsfähigeren Computern kommt die Nanotechnologie zum Einsatz”, erklärt Heiko Kopf, Physiker und Geschäftsführer des Technologie Zentrums Dortmund. „Die physikalischen Möglichkeiten der normalen Datenübertragung zeigen leider ab einer bestimmten Datenmenge und -geschwindigkeit Grenzen auf.” Eine Möglichkeit, diese Grenzen zu umgehen, seien so genannte Lichtwellenleiter, die Informationen mittels Laser übertragen können. Hier ist Technik in kleinsten Dimensionen gefragt. „Dasselbe Prinzip gilt für Datenträger. Größere Kapazität bei kleiner werdenden Chips. Nanotechnologie ist häufig eine Form der Miniaturisierung.”

Kleiner und effizienter Nanotechnologie ermöglicht vor allem auch mit weniger Energie mehr Leistung. Sogenannte mikrofluidische Displays bringen zum Beispiel bis zu 90 Prozent Leistungsvorteile im Vergleich zu normalen LED-Anzeigen. Anwendungsgebiete wären On/Off- Anzeigen oder Displays bei Handys, USB-Sticks oder MP3-Playern. Laut Bundesforschungsministerium fördert die EU derzeit mit rund 740 Millionen Euro Nanotechnologien, fast die Hälfte davon fließt an die Bundesrepublik. Entsprechend stammt etwa die Hälfte der in Europa ansässigen Firmen, die sich mit Nanotechnologien beschäftigen, aus Deutschland.

Mit 218 Akteuren - vom Forschungszentrum, der Hochschule bis zum Unternehmen - liegt Nordrhein-Westfalen an der Spitze. Laut des nano.DE-Reports 2009, der im Auftrag des Bundesforschungsministerium den Status Quo der Nanotechnologie in Deutschland erfasst hat, führt NRW die Liste der Technologiestandorte in Deutschland an gefolgt von Bayern mit 177 Akteuren. „Andere Studien kommen für Nordrhein- Westfalen sogar zu weitaus höheren Werten”, sagt Harald Cremer von der Initiative NanoMikro+Werkstoffe.NRW.

Über 60 Aussteller werden bei der NRW-Nano-Konferenz vertreten sein, rund 400 Referenten und Unternehmen haben sich zu der Fachtagung angemeldet. Die Konferenz soll nicht nur Möglichkeit geben, Kontakte und Netzwerke zu knüpfen, „wir werden uns auch in verschiedenen Workshops mit den Potenzialen, Chancen sowie Risiken der Nanotechnologie auseinandersetzen”, so Kopf. „Es ist sehr wichtig, über diese zukunftsweisende Wissenschaft zu informieren.”