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München: Münchner Tiertrainer bringt Hunden Sammeln von Abfall bei

München : Münchner Tiertrainer bringt Hunden Sammeln von Abfall bei

Hundedame Nora ist besonders eifrig: Ob achtlos weggeworfene Kaugummipapiere, alte Kronkorken oder benutzte Kaffeebecher - Nora schnappt den Abfall mit ihrer Schnauze und wirft ihn brav in den Müllkorb. Den Trick hat der 45-jährige Tiertrainer Jens Tinschert aus München allen seinen drei Hunden beigebracht.

Der kleine Rehpinscher Jenni ist beim Aufräumkommando allerdings eher ein Hilfsarbeiter. Wenn die Mini-Hündin eine zerknautschte Zigarettenschachtel sieht, flitzt sie zwar sofort los und stürzt sich darauf. Doch in diesem Job ist ihre Größe von Nachteil: Die dreijährige Hündin ist zu klein, sie kommt nicht an den Rand des Mülleimers heran. Also bringt Jenni den Abfall jedes Mal zu ihrem Herrchen. Es ist deshalb kein Zufall, dass der Rehpinscher auf Zigarettenpackungen spezialisiert ist.

„Ich muss die Sachen in die Hand nehmen, ein vollgeschnäuztes Taschentuch möchte ich nicht gerne anfassen”, sagt der Hundetrainer. Die Vierbeiner können den Müll mittlerweile unterscheiden, um Glasscherben und Kippenstummel machen sie einen Bogen.

Die siebenjährige Nora ist auf Geldmünzen spezialisiert. Sie weiß: Die sollen nicht in den Mülleimer, sondern zum Herrchen. „Im Biergarten hat mir mein Hund schon das ein oder andere Bier spendiert”, freut sich Tinschert.

Doch egal ob Ein-Euro-Stück oder schmutziger Strohhalm - zur Belohnung gibt es stets ein Stück Wurst oder einen Käsewürfel. Da ist der gebürtige Tegernseer konsequent: „Wir arbeiten auch nicht umsonst.” Nur einmal musste er draufzahlen: Die übereifrige Nora hatte den noch halbvollen Kaffeebecher eines Mannes in den Müllkorb geworfen und Tinschert musste ihm einen neuen kaufen.

Entstanden ist die Idee mit dem Müllsammeln eher zufällig. Tinschert wollte vermeiden, dass seine Tiere weggeworfene Hühnerknochen fressen - sein erster Hund wäre einmal fast daran erstickt. „Schimpfen bringt gar nichts, dann fressen sie es erst recht”, weiß der Hundetrainer. Deshalb hat er ihnen einen Tausch angeboten: Alte Essensreste gegen frische Wiener Würstchen. „Irgendwann fingen die Hunde an, mir alle möglichen Sachen zu bringen - in der Hoffnung auf eine Belohung”, berichtet der 45-Jährige.

Der Tiertrainer fand das „nett” und sammelte fortan Schokopapiere und Einmalflaschen in einer Tüte. Im nächsten Schritt brachte er den Hunden bei, den Abfall selbst zu entsorgen. Doch Mülltonnen zu erkennen ist gar nicht immer so leicht: „Es gibt kleine grüne und große gelbe Tonnen”, sagt Tinschert. „Am Anfang haben die Hunde den Müll auch auf Zeitungskästen gelegt, weil die so ähnlich aussehen.”

Für die Vierbeiner ist das Aufräumen ein Spiel, ständig sind sie am Suchen und Sammeln. „Das sind intelligente Hunde, die wollen beschäftigt werden”, betont Tinschert. „In der Stadt wird ihnen schnell langweilig.” Das Hobby seiner Haustiere ist gut fürs Image. Viele Stadtmenschen hätten Angst vor Hunden, berichtet der Tiertrainer.

Der Trick mit dem Abfall funktioniert: Alte Damen und kleine Kinder bleiben stehen und beobachten lächelnd die eifrigen Müllsammler auf vier Beinen. „Nora weiß Publikum besonders zu schätzen”, verrät Tinschert. An Bushaltestellen sei sie besonders eifrig, weil die Wartenden stets mit Begeisterung reagieren. „Der Hund sonnt sich regelrecht darin.”

Dabei sind Nora und Co. keine Wundertiere. Wer einen Hund besitzt und künftig leere Pappbecher nicht mehr selber zum Abfallkorb bringen möchte, kann sich an Tinschert wenden. Seinen Angaben zufolge leben in München 30.000 Hunde - im Prinzip könnten alle das Müllsammeln lernen. „Aber dann würden die Arbeiter bei der Stadtreinigung bald von ,Hartz IV leben”, sagt er.