Brüssel: Model, Nachtclubchefin und Kandidatin fürs EU-Parlament

Brüssel: Model, Nachtclubchefin und Kandidatin fürs EU-Parlament

Endlose Debatten, komplizierte Richtlinien, graue Anzugträger: Das Europaparlament ist nicht dafür bekannt, besonders glamourös zu sein. Das könnte sich jedoch bald ändern. Denn auf der internationalen Kandidatenliste tummeln sich mehr oder weniger prominente Stars und Sternchen.

So wie die Berufspolitiker haben es auch die „Promis” auf einen Sitz in der Volksvertretung abgesehen haben. Da sage noch einer, EU-Politik sei öde und wenig sexy.

Sie gilt als „Paris Hilton der Karpaten” - Partys lässt Elena Basescu nur ungern aus. Zeit für abendliches Vergnügen hatte die 28-Jährige bisher genug: Denn von Beruf ist sie Model, Nachtklubbesitzerin und Tochter des rumänischen Staatspräsidenten Traian Basescu. Jetzt strebt die schöne Rumänin nach Höherem, ein Mandat im Europaparlament muss her. Dafür hat Elena auch schon ein wenig geübt.

Bei einem von Papas Parteifreunden absolvierte sie in Brüssel ein Praktikum. Schmollmund, hüftlanges Haar, verführerischer Blick - von Konkurrenten wird die junge Frau als „Barbie-Kandidatin” belächelt. Nichtsdestotrotz könnte ihr der Einzug in die Volksvertretung gelingen.

Umfragen prophezeien Basescu, die als Unabhängige antritt, derzeit sechs Prozent der Stimmen. Auch an Selbstbewusstsein mangelt es der Rumänin nicht. Von der österreichischen Zeitung „Der Standard” gefragt, worin ihre politischen Stärken liegen, sagte die 28-Jährige: „Ich glaube, es sind einige, aber wenn ich sie Ihnen verrate, werden Sie wahrscheinlich sagen, ich würde angeben.”

Mit mindestens genauso viel Selbstbewusstsein kann Freie-Wähler-Spitzenkandidatin Gabriele Pauli aufwarten. Denn seit sie Edmund Stoiber vom Thron gestürzt hat, liebäugelt die fesche Bayerin mit einer Karriere in Europa. Ob im zünftigen Dirndl, in heißer Motorradkluft oder mit Latex-Handschuhen - die Boulevardpresse erkor Pauli zu ihrem Liebling.

Auch politisch machte die rothaarige Landrätin von sich reden - meistens durch skurrile Ideen. Erst wollte sie die Ehe auf sieben Jahre befristen, jetzt schlägt Pauli vor, Englisch zur einzigen EU-Amtssprache zu machen. Sollte die Fürtherin den Einzug ins Europaparlament schaffen, trifft sie dort vermutlich auf einen weiteren Liebling der internationalen Klatschpresse: Rachida Dati.

Die französische Justizministerin sorgte in den vergangen Monaten weniger durch ihre Rechtsreformen für Aufmerksamkeit. Vielmehr rätselte ganz Frankreich, wer der Vater von Datis kleiner Tochter Zohra sein könnte. Da die attraktive 43-Jährige dazu noch immer beharrlich schweigt, verpasste ihr der Boulevard hämisch den Namen „Unbefleckte Empfängnis”.

Weniger unschuldig fielen hingegen ihre Auftritte in teuren Designer-Roben aus, die Dati, wie sie zugab, gerne kostenlos bezog. Zudem klagte man im Elysee-Palast über ihren autoritären Führungsstil. Längst kolportieren französische Medien, dass Staatspräsident Nicolas Sarkozy die Nase voll hatte von Datis Eskapaden und sie deshalb nach Brüssel schickt.

Basescu, Pauli, Dati - bei all dem Glamour fehlt nur noch der Adel. Diesen Part will der Enkel des letzten italienischen Königs Umberto II. übernehmen. Emanuele Filiberto von Savoyen, Prinz von Piemont und Venetien, geht für die christdemokratische Oppositionspartei UDC ins Rennen. Seine Landsleute kennen den 36-Jährigen bisher vor allem als geschmeidigen Tänzer.

In der römischen Version von „Let´s dance” ließ er die Herzen der italienischen Mamas höher schlagen. Was den Prinzen für den Politik-Job befähigt, erklärte er unlängst selbst: „Ich spreche fünf Sprachen. Ich kenne die Hälfte der EU-Staatschefs persönlich und bin mit der anderen Hälfte verwandt.”